»Wir freuen uns schon auf Europas Fernverkehrsstrecken«

in Bahnmarkt Europa von

bahn manager im Gespräch mit dem Direktor für Corporate Strategy, Planing, Control and Sustainbility der Italienischen Staatsbahn FS.

bahn manager Magazin: In Italien erhielten private Mitbewerber entsprechend den Regeln der EU früh Zutritt zur Bahn-Infrastruktur. Wie beantworten Sie diese Herausforderung?
Wir sind überzeugt, dass Wettbewerb gut ist für das italienische Hochgeschwindigkeits-Zugsystem. Wir freuen uns schon auf die Trassen quer durch Europa, deren Zutritt ab 2020 offen sein wird in Folge der Liberalisierung durch das 4. Eisenbahnpaket der EU. FS Italiane befindet sich bereits seit 2012 im Wettbewerb mit dem Hochgeschwindigkeitszug Italo der NTV – so sind wir gut trainiert und vorbereitet für die kommende Herausforderung auf den liberalisierten europäischen Strecken.

Was ist Ihre Perspektive für einen modernen, effizienten, ökologischen Passagierverkehr der FS?
Die Modernisierung unser Regionalflotte Trenitalia geht weiter – beginnend mit der Lieferung von 285 neuen Zügen Ende 2018. Trenitalia wird ab 2019 weitere 450 neue Züge erhalten, genannt Rock und Pop, mit dem Ziel der Erneuerung von 70 Prozent der Flotte mit einer Gesamtinvestition von um die 4,5 Milliarden Euro. Diese Rock und Pop-Züge bieten hochqualitativen Dienst für italienische Pendler unter den Gesichtspunkten von Sicherheit, Komfort und Zuverlässigkeit. Darüber hinaus sind sie ökologisch nachhaltig durch eine Reduzierung des Energieverbrauchs um 30 Pozent im Vergleich zur bestehenden Flotte, und sie werden fast vollständig (zu 90 Prozent) aus Recycle- Material hergestellt.

Italiens Bahn investiert auch in den Güterverkehr,  insbesondere in den Korridorverkehr und die Hafenanbindungen. Was sind hier die Ziele?
Wir wollen Italiens Häfen an das Bahnnetzwerk anschließen, den Frachtverkehr steigern und am Ende ein System haben, welches wirksam mit den TENT Core-Korridoren verbunden ist (den Korridoren Rhein-Alpen, Skandinavien-Mittelmeer, Ostsee-Adria und dem Mittelmeer). RFI (Rete Ferroviaria Italiana), der italienische Betreiber der Bahn-Infrastruktur, hat Investitionen über eine Milliarde Euro in Planung, um insbesondere die Häfen quer durch Italien mit dem Netzwerk der Bahn zu verbinden. Darüber hinaus ist RFI dabei, die bestehende Infrastruktur mit Investitionen von 4 Milliarden Euro zu modernisieren, damit Züge mit Modulen bis zur Länge von 750 Metern Länge Zutritt bekommen können bei einer Höhe von 4 Metern und einer Achslast von 22 Tonnen. Diese Strategie geht überein mit der Strategie der EU zur Erhöhung des Güterverkehrs auf der Bahn um 30 Prozent bis 2030 und um 50 Prozent bis 2050.

FS ist auch sehr aktiv auf ausländischen Bahnmärkten. Was sind Ihre Zielmarken in dieser Hinsicht?
Internationalisierung ist einer der Pfeiler des Branchenplans 2017–2026 der FS Italiane. Das Auslandsgeschäft fährt derzeit etwa 13 Prozent des Gesamtumsatzes ein. Der Plan sieht vor, den Anteil des Auslandsgeschäfts bis 2026 von 1 auf 4 Milliarden Euro zu erhöhen sowie FS zu einem global player der integrierten Mobilität zu machen. Wir sind bereits jetzt einer der wichtigsten Bahnbetreiber auf dem Europäischen Markt: zunächst in Italien und Griechenland mit Trainose. An dritter Stelle stehen wir in Deutschland mit dem Güterverkehrsunternehmen TX Logistik and an zweiter Stelle mit dem Regional-EVU Netinera. Außerdem operieren wir in Frankreich mit Thello und in Großbritannien mit c2c, einer regionalen Bahngesellschaft mit Verkehren zwischen London und Essex. Busitalia, die Busgesellschaft der FS, besitzt Qbuzz, den drittgrößten niederländischen Anbieter von ÖPNV-Verkehren.

Was ist Ihre Position zu digitalen Lösungen bei der Bahn?
Wir sind entschlossen, unsere Angebote noch weiter zu digitalisieren, und sind überzeugt, dass die Digitalisierung dem öffentlichen Transport einen Anschub geben wird. Aus diesem Grund entwickelt FS Italiane derzeit eine integrierte Ticket- Plattform, welche sämtliche Formen des öffentlichen Transports in Italien abdeckt, um unseren Kunden die Chance zu geben, eine echte Tür-zu- Tür-Reise durchzuführen. Dies wird das nächste Niveau unseres Dienstes am Kunden sein.

Dr. Fabrizio Favara
Der ASPEN Junior Fellow Fabrizio Favara promovierte an der LUISS Business School zum Doktor der Rechtswisenschaften (JD).

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