ÖBB: DRASTISCHER AUSBAU DER ROLLENDEN LANDSTRAßE BIS 2021

in Bahnmarkt Europa von

Bis zum Jahr 2021 kann die Rollende Landstraße (RoLa) zwischen Deutschland und Österreich ihre Kapazität von jetzt 200.000 Lkw auf etwa 450.000 Lkw pro Jahr erhöhen, ist das Ergebnis hochrangiger Gespräche in Innsbruck.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Ende Juli hatte in Berlin ein österreichisch-deutscher Verkehrsgipfel stattgefunden. Dabei stellten die Verkehrsminister Deutschlands Andreas Scheuer (CSU) und Österreichs Andreas Reichhardt zusammen mit Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) einen 10 Punkte-Plan vor. Dieser sieht unter anderem zur “raschen Entlastung des Brenner-Korridors” den Ausbau der RoLa-Kapazitäten vor.

Für Platter eine wichtige Sache, um die Bevölkerung am Brennerkorridor vom gewerblichen Schwerverkehr zu entlasten: “Es ist sehr erfreulich, dass die ÖBB in sehr kurzer Zeit ein Angebot auf die Beine gestellt haben, wodurch kurzfristige Verlagerungsmöglichkeiten über die RoLa entstehen. Es ist mir wichtig, dass wir neben dem Bau einer hochmodernen, zukunftsträchtigen und nachhaltigen Eisenbahninfrastruktur mit den Zulaufstrecken und dem Brenner Basistunnel bereits jetzt Maßnahmen zur Verlagerung setzen, die eine Benützung der RoLa durch die Wirtschaft planbarer und attraktiver machen.”

JÄHRLICH 450.000 LKW MEHR AUF DIE SCHIENE

Bei dem Innsbrucker Treffen auf Beamtenebene wurde mit den Österreichischen Bundesbahnen ÖBB folgende Festlegung getroffen: Aktuell werden täglich 18 Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Brennersee beziehungsweise drei Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Trento angeboten. Mit Start der Hochlaufphase eins ab 1. Jänner 2020 stehen täglich 21 Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Brennersee respektive drei Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Trento zur Verfügung. Mit Ende der Ausbauphase sollen ab 1. Jänner 2021 täglich 24 Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Brennersee und zehn Züge pro Richtung auf der Achse Wörgl – Trento verkehren. Neu eingeführt wird ab 1. Jänner 2020 eine tägliche Zugverbindung auf der Achse Regensburg – Trento und retour. Ab 1. April 2020 wird das Angebot auf vier tägliche Züge pro Richtung Regensburg – Trento erhöht. Mit Ende der Ausbauphase sollen auf der Achse Regensburg – Trento ab 1. Jänner 2021 täglich fünf Züge pro Richtung und zur Verfügung stehen. „Die Kapazitäten sind da. Die Schiene ist bereit“, fasste ÖBB Generaldirektor Andreas Matthä zusammen.

Derzeit verfügt die Rail Cargo Group RCG der ÖBB in ihrer österreichischen Güterwagenflotte über 58 Prozent leiser Wagen. Bis Ende 2021 sollen bei über 90 Prozent ihrer österreichischen Flotte Umrüstungen auf leise Bremssohlen erfolgen. In den vergangenen zehn Jahren wurden bei den ÖBB im Schnitt jährlich 16 Millionen Euro in Lärmschutzmaßnahmen investiert. Dennoch appellierte Tirols Landeshauptmann Günther Platter an die deutsche Bundesregierung, “dass der gesamte 10-Punkte-Plan von Berlin – allen voran die Korridormaut – so rasch wie möglich umgesetzt wird.” Für sich allein sei “die Erhöhung der RoLa-Kapazitäten nur ein Mosaikstein im Kampf gegen den überbordenden Transitverkehr”.

SOGAR ÖBB-GÜTERVERKEHR IST RENTABEL

Von einem “neuen Meilenstein” sprachen derweil die ÖBB bei ihrer Jahresbilanzkonferenz Ende April 2019. Mit 261 Millionen Passagieren in 2018 wurde ein neuer Rekord erzielt. Die Teilkonzerne wirtschafteten durch die Bank positiv. Der Konzernumsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent auf mehr als 5,6 Milliarden Euro gesteigert werden. Zum siebenten Mal in Folge können die ÖBB mit 150,9 Millionen Euro ein deutlich positives Ergebnis vor Steuern (EBT) ausweisen. Im Güterverkehr verzeichneten die ÖBB ein “raueres Marktumfeld”, sprich verschärften Wettbewerb. Umso bemerkenswerter: Die Rail Cargo Group konnte im vergangenen Geschäftsjahr ihren Umsatz deutlich steigern und ist neuerlich umsatzstärkster Teilkonzern. Die Ergebnisentwicklung bleibt allerdings hinter den Erwartungen. Die RCG zählt damit aber weiterhin “zu den wenigen europäischen Güterbahnen mit einem positiven Ergebnisbeitrag”, heißt es nicht ohne Stolz bei den ÖBB. CEO Andreas Matthä appellierte an die Politik: “Fakt ist: Alles spricht für den Transport von Gütern auf der Schiene. Die Bahn ist der umweltfreundlichste Verkehrsträger. Mit Rail Freight Forward und Noah’s Train setzte die RCG klare Schritte, um den Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene in Europa bis 2030 von 18 Prozent auf 30 Prozent zu erhöhen. Knackpunkt dabei sind allerdings die Rahmenbedingungen. Hier braucht es mehr Fairness im Vergleich zur Straße.”

Insgesamt wurden knapp 2 Milliarden Euro in Neu- und Ausbauten sowie die Erhaltung der Infrastruktur investiert. Mit 641 Millionen Euro wurde 2018 am meisten in der Ostregion investiert, wobei hier die Bauarbeiten am Semmering Basistunnel mitberücksichtigt sind.

Im Personenverkehr werden bis 2024 für rund 2,8 Milliarden Euro neue und modernisierte Züge beschafft, unter anderem acht Niederflur-Railjets für die Brennerstrecke, 13 neue Nightjet-Garnituren für komfortable Nachtverbindungen und ÖBB Cityjets für einen pünktlichen und sicheren Nahverkehr. Als größtes Klimaschutzunternehmen des Landes helfen die ÖBB, jährlich 3,5 Millionen Tonnen CO2 einzusparen.

zur Startseite