ÖBB-RESTAURANTWAGEN: HERBSTLICHE SPEISEN. DB: CURRYWURST UND CHILI CON CARNE

in Bahnmarkt Europa von

In den Speisewagen der ÖBB werden ab sofort cremige Erdäpfelsuppen mit Schwammerl und Kürbisrisotto angeboten, bei der Deutschen Bahn sind rustikale Speisen Renner.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Auf der Nordhalbkugel der Erde beginnt der kalendarische Herbst am 23. September 2019, die Restaurantwagen der ÖBB offerieren bereits seit dem 19. September herbstliche Spezialitäten. Genuss verspricht neben den Hauptgerichten auch ein Mohnschmarren mit Amaretto-Weichselsauce. Caterer im österreichischen Fernverkehr wie auch in den Begleitwagen der Rollenden Landstraße von Rail Cargo Austria Operator GmbH ist die Gesellschaft DoN’s, die unter den Stichworten regionale Frische, Qualität und Nachhaltigkeit auf saisonale Zutaten Wert legt und deshalb die Speisekarte zu jeder Jahreszeit angepasst.

2018 verköstete DoN’s über 1,4 Millionen Fahrgäste, diese Zahl soll sich im laufenden Jahr durch die zunehmende Attraktivität des Bahnfahrens auf bis zu 2 Millionen erhöhen. Dass DoN’s bei dieser Menge an Speisen dennoch den Geschmack der Kunden trifft, zeigt sich bei der diesjährigen Kundenzufriedenheitsanalyse der ÖBB, welche zeitgleich mit dem VCÖ-Bahntest durchgeführt wurde. “Die Fahrgäste bewerteten die Qualität der Speisen und Getränke an Bord auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5 mit einem ,Sehr gut’ (Note 1,89)”, freut sich DoN’s- Geschäftsführer Josef Donhauser. “Auch unsere Catering-MitarbeiterInnen wurden mit einem ,Sehr gut’ (Note 1,71) ausgezeichnet”. Als erster Großcaterer Österreichs geht DoN seit 2016 freiwillig mit der Initiative “Gut zu wissen!” der Landwirtschaftskammer Österreich auf die Wünsche der Konsumenten nach einer Herkunftsdeklaration ein.

DoN’s übernahm 2018 das ÖBB-Catering von der Gesellschaft Do & Co (“Henry am Zug”), die das Geschäft 2012 von Donhauser, damals als „é-express“ firmierend, übernommen hatte. Für die neue Speisekarte führten die ÖBB eine Umfrage unter 4000 Bahnfahrern durch. Dabei wurden neben Regionalität und Qualität (“typisch österreichische Speisen”) auch “leistbare” Preise gefordert. Donhauser führte die online-Bestellung via Smartphone direkt vom Sitzplatz aus ein sowie die Möglichkeit einer Menü-Reservierung schon vor Antritt der Reise.

Auch die Deutsche Bahn, die die Speisewagen mit einer eigenen Catering-Gesellschaft betreibt, begann im Dezember 2018 mit der Erprobung digitaler Bestellungen für die Bordgastronomie – zunächst nur in den ICE-Zügen von und nach Paris. Gleichzeitig wurden die laut DB-Statistik von 2017 etwa 300 rollenden Restaurants und Bistros der ICE- und IC-Züge mit neuen Speisen und einem neuen Geschirr- und Speisekartendesign ausgestattet. Die Speisekarte in ICE und IC werde “etwas kleiner” als bisher, dafür könnten mehr von den beliebtesten Gerichten mitgenommen werden, erklärte damals das Unternehmen. Zuvor hatten Medien wie der Spiegel kritisiert, dass oftmals Speisen und Getränke vorzeitig ausgingen und auch die Bordtechnik öfter ausfalle. Das aktuelle Bordkonzept sei “gemeinsam mit unseren Kunden und Mitarbeitern der DB entwickelt” worden, erläuterte der Marketingchef der Bahn-Fernverkehrssparte, Michael Peterson: “Was Reisende am liebsten essen, wird neu interpretiert – abwechslungsreich und vielfältig.”
Gleichzeitig werde das Preisniveau gesenkt. Absolute Spitzenrenner sind die Klassiker Currywurst und Chili con Carne, davon verkauften die DB-Restaurantwagen 2017 rund 200.000 beziehungsweise 230.000 Portionen. Wurst und Käse wurden wieder in das Frühstückssortiment aufgenommen. Bei der Auswahl der Gerichte legt die DB weiterhin Wert auf Bio-Qualität und frische Zutaten. Die angebotenen Heißgetränke sind Fairtrade-zertifiziert, alle Verpackungen der mitnahmefähigen Speisen weisen das FSC-Zertifikat auf. Fahrgäste, die einen eignen Mehrwegbecher zum Befüllen mitbringen, erhalten einen Preisnachlass von 20 Cent beim Kauf eines Heißgetränks. Im August und September werden an Bord von ICE und IC Nussriegel in der Sorte Honig & Mandel der sozialen start up-Marke share vertrieben. Jeder Riegel spendet eine Mahlzeit für Kleinkinder oder schwangere Frauen im Senegal. Damit setzen share und die Deutsche Bahn gemeinsam mit der Hilfsorganisation “Aktion gegen Hunger” ein Zeichen gegen die weltweite Hungersnot.
Sowohl in Österreichs als auch in Deutschlands Zügen erfordert die Speisewagenversorgung eine aufwändige Logistik und muss von den ÖBB sowie der DB bezuschusst werden. ÖBB-Caterer Donhauser: “Unser Bestellsystem ist GPS-getrackt. Geht ein Produkt bald aus, wird das automatisch an die nächste Servicestelle gemeldet und die Bestellung abgesetzt. Das setzt aber natürlich voraus, dass die Mitarbeiter korrekt bonieren. Bahncatering braucht ein sehr spezielles Logistik- und Warenwirtschaftssystem und ist in Österreich viel komplexer als in der Schweiz.”
Komplex ist auch das deutsche System, das auf 11 regionalen Logistiklagern basiert. Die Nachbestellung ausgehender Waren läuft in Echtzeit über eine Datenkasse, die mit dem zentralen Warenwirtschaftssystem der Logistik verbunden ist. Sobald der Bestand eines Produktes eine festgelegte Menge erreicht, die sogenannte Meldeschwelle, stößt das System eine Nachlieferung an und informiert die nächstgelegene Logistik auf der Strecke. Unterschieden wird zwischen A-, B- und C-Artikeln. Nur “Renner” der Kategorie A rechtfertigen für sich eine On-Bord-Lieferung am nächst erreichbaren Bahnsteig.
Nach Mitteilung von Bord-Mitarbeitern gegenüber bahn manager sollten die Kassen bis Ende 2018 erneuert werden, was sich aber offensichtlich verzögert. Mit den jetzt genutzten Kassen kann in DB-Restaurantwagen nicht mit Debit-Karten gezahlt werden, also auch nicht mit früher EC- und jetzt Giro-Karten genanntem Plastikgeld. Nach einer Statista-Erhebung besaßen 2017 98 Prozent der befragten Deutschen eine Girokarte bei nur 36 Prozent Kreditkartenbesitz. Damit entgehen den DB-Restaurantwagen möglicherweise erhebliche Kundengruppen, die an Bord weder eine Kreditkarte noch genügend Bargeld bei sich führen. (bm/hfs)

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