Übernahme von Škoda Transportation durch Petr Kellner ist perfekt

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Die dem laut Forbes reichsten Tschechen Petr Kellner gehörende PPF-Holding übernimmt nach eigenen Angaben vorbehaltlich der Zustimmung zuständiger Behörden den Bahnhersteller Škoda Transportation, der Preis soll bei 390 Millionen Euro liegen.

Von Hermann Schmidtendorf

“Kellner schlug erneut überraschend zu”, “das seltsamste Geschäft des Jahres” – Überschriften wie diese bezeugen die Verblüffung sogar der tschechischen Wirtschaftspresse über den Eigentümerwechsel bei Škoda. Kurz zuvor hatten Insider noch den viertreichsten Tschechen Daniel Křetínský als Kauf-Favoriten genannt, der mit Kellner Geschäftskontakte im Energiesektor unterhält (bahn manager berichtete). Kellners persönliches Vermögen wird auf 12 Milliarden Euro geschätzt. Abgesehen von caritativen Aktivitäten seiner Kellner Family Foundation hält er sich in der Öffentlichkeit zurück.

“Teil der Transaktion ist die Verpflichtung der PPF-Gruppe, Škoda Transportation mit einem operativen Darlehen zur Finanzierung der notwendigen Bedürfnisse des Unternehmens zu versorgen”, sagte die Sprecherin Zuzana Migdalová gegenüber der Presseagentur ČTK. Nach unbestätigten Information handelt es sich um 35 Millionen Euro. Der Hintergrund: Škoda Transportation produziert Fahrzeuge in guter Qualität, geriet aber in finanzielles Schlingern, weil die vier Hauptaktionäre übermäßige Privatauszahlungen veranlassten, während zugleich einzelne fest eingeplante Verträge nicht zustande kamen. Kreditgebende Banken hatten deshalb von den Aktionären Privatzuschüsse zur Entschuldung oder den Verkauf der Anteile verlangt.

Offenbar waren die Verkaufsverhandlungen mit dem chinesischen Konzern CRRC tatsächlich weit fortgeschritten, der Konzern hatte sein Interesse an Škoda bereits offiziell an der Hongkonger Börse angezeigt. Jan Mládek, bis Februar 2017 tschechischer Industrieminister, enthüllte jedoch jetzt: Die Chinesen forderten eine formelle staatliche Garantie, dass die Škoda-Privatisierung niemals in Zukunft bestritten oder rückgängig gemacht werden würde. Ein solches Blankoversprechen gegen eventuelle Gerichtsaktivitäten konnte niemand in der Regierung geben.

Unsicherheiten mochten bei CRRC Meldungen ausgelöst haben, nach denen zwei der bisherigen Škoda-Hauptaktionäre in der Schweiz, wenn auch noch nicht rechtskräftig, wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt wurden, Untersuchungen gegen sie würden auch in Tschechien durchgeführt. Analysten spekulieren deshalb, der neue Eigentümer Petr Kellner könnte durchaus später die Kaufverhandlungen mit CRRC wieder aufnehmen – mit einem dann sicher höheren Verkaufspreis als jetzt. Erst einmal sei jedoch die eindeutige Trennung von den bisherigen umstrittenen Aktionären nötig.

Kellner trat als wirtschaftlicher Partner Chinas erstmals im März 2016 auf, als PPF auf einem tschechisch-chinesischen Wirtschaftsforum ein Memorandum über Zusammenarbeit mit der Bank of China unterzeichnete. Seither expandierten die Umsätze des zur PPF-Holding gehörenden Kredit-Anbieters Home Credit in China rasant. Diesen Herbst revanchierte sich Kellner. Sein Unternehmen Home Credit finanziert komplett die Schulung von sechs sechsköpfigen Gruppen chinesischer Rettungssanitäter im Prager medizinischen Rettungszentrum im Rahmen der Städtepartnerschaft Prag – Shanghai.

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