„BINDEGLIED ZU ENTSCHEIDUNGSTRÄGERN IM CHINESISCHEN MARKT“

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BAHN MANAGER IM GESPRÄCH MIT VDB-PRÄSIDENT VOLKER SCHENK ZUR NEUEN REPRÄSENTANZ IN CHINA ZU PARTNERSCHAFTEN UND GEGENSEITIGE WERTSCHÄTZUNG.

bahn manager Magazin: Welche Vorteile bietet eine VDB-Repräsentanz in China für beide Seiten?

Gemeinsam mit einer Delegation des VDB war ich gerade erst vor Ort zur Eröffnungsfeier unseres zweiten Büros in Chengdu. Eine fulminante Zeremonie mit hochrangigen Vertretern der Stadt- und Provinzregierung, des VDB und dem deutschen Generalkonsul. Sehr beeindruckend! Die VDB-Repräsentanz in China unterstreicht zuallererst die hohe Bedeutung der deutsch-chinesischen Partnerschaft und eine besondere gegenseitige Wertschätzung. Die Büros in Tianjin und Chengdu setzen neue Maßstäbe für die hiesige Bahnindustrie in China: als Forum des Austauschs, des deutsch-chinesischen Gesprächs, der sachkundigen und neutralen Beratung, der gemeinsamen Suche nach optimalen Kooperationen, nach besten, oft maßgeschneiderten Lösungen für Projekte. Unsere Büros sind Kompetenzzentren und Berater für VDB-Mitgliedsunternehmen auf dem chinesischen Markt. Sie dienen in China als Wegweiser in die industriellen, meist mittelständischen Strukturen der Bahnindustrie in Deutschland sowie als Bindeglied zu Entscheidungsträgern im chinesischen Markt. Dank eines noch intensiveren Dialogs wird es möglich sein, gemeinsam beste Lösungen zu realisieren. VDB-Mitglieder, darunter viele mittelständische „hidden champions“, werden auf dem chinesischen Markt noch aktiver unterstützt – und können ihre führenden Lösungen passgenau einbringen. Die Repräsentanz ermöglicht eine neue Dimension der Zusammenarbeit: ein bestmögliches deutsch-chinesisches Matching zum Wohlergehen beider Partner – in gemeinsamer Verpflichtung auf den modernen Schienenverkehr für die Menschen.

Wie hat sich die InnoTrans 2018 auf die sino-deutschen bahnindustriellen Beziehungen ausgewirkt?

Diese internationale Leitmesse unserer Industrie diente uns dieses Jahr als Plattform, um das nächste Kapitel der deutsch-chinesischen Beziehungen in unserem Sektor aufzuschlagen. Der VDB und die China Association of Metros (CAMET) haben auf der InnoTrans 2018 eine Absichtserklärung unterschrieben, um künftig enger zusammen zu arbeiten. Wir wollen Informationen noch besser austauschen und uns in Fragen des Stadtschienenverkehrs gegenseitig noch intensiver unterstützen. In Camet organisiert sind sowohl die Hersteller von Schienenfahrzeugen für den Nahverkehr als auch die Betreiber. Ein wichtiger Partner also, wenn man im chinesischen Markt mitspielen möchte. Auf Konferenzen und im Gespräch mit dem bahn manager hat Ihr Verband darauf hingewiesen, dass China ein wichtiger Markt ist und es für die deutsche Bahnindustrie dort schon gute Geschäfte gab. Es seien aber Disparitäten abzubauen, ungleiche Behandlungen deutscher Unternehmen gegenüber chinesischen beim Zugang zu Präferenzkrediten beispielsweise.

Glauben Sie, durch direkte Präsenz vor Ort können Sie in dieser Richtung auf Dauer etwas bewirken?

Nur aus der Ferne zu rufen, zeigt nur überschaubar Wirkung oder verhallt meistens ungehört. Wir setzen ganz klar auf den Dialog, um hier unsere Ziele für ein faires Level- Playing Field zu verfolgen. Und wo können wir besser auf diese Missstände aufmerksam machen, als in einem permanenten Dialog vor Ort. „Made in Germany“ hat in China einen sehr hohen Stellenwert, daher ist man auf chinesischer Seite auch bereit, uns bei unangenehmen Themen zuzuhören, wenngleich das nicht immer ungeteilte Zustimmung findet. Als Exportindustrie brauchen wir den freien Wettbewerb, ohne Protektionismus oder Strafzölle, ohne staatliche Exportförderung, die freien, fairen Wettbewerb verhindern.

Der VDB ist eine klare „Marke“ der deutschen Bahnindustrie. Aber wer ist Ihr Ansprechpartner als chinesische Bahnindustrie?

Für uns gibt es viele ausgezeichnete, fachkundige Ansprechpartner vor Ort. Als VDB Chief Representative wird Herr Professor Dr. Peter Mnich gemeinsam mit Frau Dr. Yuanfei Shi und ihrem Team den VDB vor Ort mit herausragender Expertise vertreten. Anlaufstelle sind unsere Büros in Tianjin bei Peking und Chengdu, in der Region Sichuan, die als einer der bedeutendsten Schienenmärkte Chinas sowie als einer der wichtigsten Standorte der Bahnindustrie und Schienenforschung gilt.

Werden Sie sich auf die Vertretung deutscher Unternehmen in China konzentrieren, auf deren Importchancen nach China, oder wollen Sie sich auch um die bereits in China alleine oder als joint venture vertretenen deutschen Unternehmen kümmern, deren Anliegen mit vertreten?

Sowohl als auch. Die VDB-Repräsentanz ist zum Ersten Türöffner und erste Anlaufstelle in einen neuen Markt. Zum zweiten kann man unsere Büros in China auch als Netzwerk- und Beratungsstelle sehen. Der VDB unterstützt seine Unternehmen bei der Markterschließung, begleitet diese jedoch selbstverständlich auch weiter, wenn Sie bereits angekommen sind. Deutschland und auch der VDB und seine Mitgliedsunternehmen treten für einen freien fairen Welthandel ein, leider hören wir von jenseits des Atlantiks derzeit vor allem Rufe nach Schutzzöllen.

China scheint in dieser Frage eher der deutschen Position zu entsprechen. Sie haben also auch eine delikate diplomatisch-politische Mission zu erfüllen in diesen unruhigen Zeiten?

Nicht nur Technologien, auch Märkte der Bahnindustrie verändern sich rasant. Ohne Export – also globale Zusammenarbeit – wäre die Bahnindustrie in Deutschland nur halb so groß. Sie profitiert mithin entscheidend von der Globalisierung. Für uns ist ganz klar: globaler Wettbewerb ist gut. Aber er muss offen sein, er muss frei sein und er muss vor allem fair sein. Nachhaltig angelegte, faire Zusammenarbeit, gemeinsame Entwicklung von Verkehrskonzepten, duale Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort, Projekterfahrung, Verlässlichkeit, Transparenz statt Blackbox – darum muss es in internationalen Partnerschaften gehen. Das ist die Exportphilosophie der Bahnindustrie in Deutschland.

Wie groß wird am Anfang Ihre personelle Vertretung in China sein, sicher werden Sie auch Dolmetscher beschäftigen müssen, denn Chinesisch dürfte noch nicht zum Fremdsprachen-Kanon für VDB-Mitarbeiter gehören?

Geleitet wird die Repräsentanz von unserem Chief Representative Herrn Professor Dr. Mnich und Frau Dr. Yuanfei Shi. Ihr Team unterstützt uns vor Ort – auch in sprachlicher Hinsicht. Regelmäßig sind auch Delegationen zu Gesprächen vor Ort. Für Sie knüpfen wir ein breites Netzwerk. So haben wir beispielsweise im Oktober ein MoU mit der Handelskammer Maschinenbau von Chengdu unterzeichnet, die rund 1300 Mitgliedsunternehmen zählt. Die Repräsentanz ist eine fluide, atmende Institution, die bereits heute exzellent aufgestellt ist und mit der steigenden Nachfrage des spannenden chinesischen Marktes wachsen wird.

Wie sehen Sie die Möglichkeit, mit Hochschulen zu kooperieren?

Auch im akademischen Bereich sind beide Seiten offen und gewillt zu enger Partnerschaft. Das mit CAMET unterzeichnete MoU sieht Kooperation in den Bereichen der Personalausbildung und Schulung vor. Wir hatten anlässlich unserer Delegationsreise im Oktober unter anderem die Gelegenheit die Technische Universität in Tianjin zu besuchen. Internationaler Austausch inspiriert und generiert Innovation. Gemeinsam erfolgreich, das ist unsere Mission mit Partnern auf der ganzen Welt.

VOLKER SCHENK, seit Januar 2016 Präsident des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). Er ist hauptamtlich als Technischer Vorstand (CTO) für die Vossloh AG tätig.

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