11. BME-/VDV-Forum: Schiene vor gewaltigen Herausforderungen

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Die bessere Anbindung nationaler und internationaler Industriestandorte an das europäische Schienensystem, die Nutzung von Digitalisierung, Automatisierung und Elektromobilität sowie Personalengpässe bei der Bahn waren zentrale Diskussionsthemen des 11. BME-/VDV-Forums Schienengüterverkehr in Bonn.

Mehr als 200 Verlader und Dienstleister aus dem deutschsprachigen Raum diskutierten unter anderem über Effizienzsteigerungen durch längere Züge und mehr Flexibilität in den Bestell- und Abwicklungsprozessen. Ebenfalls auf der Agenda standen Themen wie das übergreifende Sharing von Transportequipment entlang der Supply Chain. Die Experten und Fachkollegen tauschten sich mit den Teilnehmern der zweitägigen Fachveranstaltung auch über die Bereitstellung transportrelevanter Daten in Echtzeit und ein dynamisches und transparentes Störfallmanagement aus. Aber auch die Anbindung von Standorten an das Schienensystem inklusive Verfügbarkeit wettbewerbsfähiger Transportnetzwerke von Eisenbahnen und Speditionen wurde intensiv besprochen.

„Der vom Bundesverkehrsministerium initiierte Masterplan Schienengüterverkehr darf kein Papiertiger sein. Dessen Umsetzung muss deshalb konsequent vorangetrieben werden“, sagte Carsten Knauer, BME-Leiter Sektion Logistik/SCM und Referent Fachgruppen, zum Abschluss des 11. BME-/VDV-Forums Schienengüterverkehr in Bonn. BME und VDV werden angesichts der Bedeutung des Masterplanes dieses wichtige Thema in den Mittelpunkt des 12. Forums Schienengüterverkehr rücken, das am 29./30. Januar 2019 erstmals in Berlin stattfindet. „Die Automatisierung und Digitalisierung der Bahnabläufe bieten Geschäftschancen, die noch zu wenig genutzt werden. Hier sind sowohl Verlader als auch Logistik-Dienstleister gefordert“, fügte Knauer hinzu. Darüber hinaus müsse die gesamte Bahnbranche nach Lösungen für den immer akuter werdenden Personalmangel suchen.

Grundanforderungen zur Steigerung der Rolle des Bahnverkehrs in den kommenden Jahren stellte Joachim Thonagel, Director Logistics Distribution der UPM Sales GmbH, Augsburg, in seinem Redebeitrag vor: „Wir brauchen einen Modal Split unter Einbeziehung der Eisenbahn mit niedrigen CO2-Emissionen, ein zukunftsfähiges und flexibles erneuertes Einzelwagensystem mit verfügbaren Ressourcen, verlässliche Ganzzugsabfertigung, zeitnahe, idealerweise vernetzte Informationen von der Leerwagen-Gestellung bis zur Ablieferung sowie Verlässlichkeit des Gesamtprozesses“. UPM ist auf die Herstellung grafischer Papiere spezialisiert.

Auf Chancen und Hindernisse im Schienengüterverkehr (SGV) der Deutschen Bahn verwies Leonhard Nossol, Geschäftsführer der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH. Das im thüringischen Blankenstein ansässige Unternehmen erwirtschaftet mit 350 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Nossol appellierte an die Bahn, den Ausbau der Schieneninfrastruktur zügig voranzutreiben, denn „Geld scheint ja momentan nicht der knappe Faktor zu sein“. Die DB sollte vor allem in lärmarme Züge investieren und die Trassenentgelte für den SGV senken.

Dr. Patrik Stumm informierte über erste Ergebnisse des EU-Förderprojektes NexTrust. Dessen Ziel sei es, nachhaltigere Logistikprozesse durch vernetzte Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufzusetzen. Stumm verwies auf eine Reihe bestehender Grundprobleme, die es nachhaltig zu lösen gelte. Als Beispiel nannte er die negativen Effekte des Transportaufkommens wie Stau, Treibhausgase und Feinstaubpartikel.

„Die Digitalisierung des Güterverkehrs hat längst begonnen. Industrie 4.0 wird sich auf der Schiene allerdings nur dann erfolgreich umsetzen lassen, wenn es auch die anderen Verkehrsträger einschließt“, so Chris Richter, Vertriebsleiter der ZEDAS GmbH, Senftenberg. Das brandenburgische Unternehmen entwickelt Softwareprodukte für das Logistikmanagement von Schienenverkehren. Das Internet der Dinge mache nicht vor nationalen Grenzen Halt. Deshalb sie die Digitalisierung des Güterverkehrs eine europäische Aufgabe.

„Der Schienengüterverkehr hat noch erhebliche Potenziale, die Bäume wachsen hier nicht in den Himmel“, betonte Paul Wittenbrink, Gesellschafter der hwh Gesellschaft für Transport- und Unternehmensberatung mbH, Karlsruhe, und Professor für Transport und Logistik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Lörrach, am MIttwoch bei der Vorstellung seiner Thesen zum Schienengüterverkehr. Danach beinhalte „die Digitalisierung auch im SGV noch enorme Potenziale. Gleichzeitig wird diese völlig neue Geschäftsmodelle mit sich bringen, beispielsweise über die Nutzung und Verknüpfung von unternehmensübergreifenden Daten.“ (red/BME)

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