4. FORUM ADDITIVE MANUFACTURING: AUCH FÜR BAHNEN GEHT IMMER MEHR

in Märkte & Player von

Etwa 600 Gäste informierten sich auf dem Berliner AM-Forum am 11. und 12. März 2020 durch Fachvorträge, in persönlichen Gesprächen sowie im Ausstellungsbereich über neueste Entwicklungen im 3D-Druck.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Hände schütteln war wegen des Corona-Virus verpönt, es gab besondere Vorsichtsmaßnahmen. Das Unternehmen Stratasys zeigte den Mehrschichtendruck plastisch – am eigenen Drucker. Stratasys ist ein führender Player im Additivdruck und unterhält strategische Partnerschaften mit Bahnherstellern wie Siemens. Deutlich zeigte sich: Machbar ist immer mehr.

„Wir sind sehr flexibel in der Art der Bauteile, die wir herstellen“, betonte gegenüber dem bahn manager Christian Reinhardt von BASF Forward AM. „Wir können eigentlich mit unseren Materialien alle Industrien, alle Branchen abdecken.“ Ein spezielles, breit gefächertes Angebot für die Bahnbranche stellte die Firma Igus aus. Es reichte, um eine eigene Schauwand und einen Sonderkatalog zu füllen.

„Im Bahnbereich ersetzen wir insbesondere alle Teile, bei denen Reibung und Verschleiß eine Rolle spielen“, erläuterte dem bahn manager Igus-Ingenieur Tom Krause. „Wir haben beispielsweise für Gleitlagerbuchsen ein spezielles Gleitlagermaterial. Wir nutzen zur Herstellung solcher Produkte ein Compound-Material, in welches homogen ein Trocken-Schmierstoff eingearbeitet ist. Damit wird bei der Abnutzung immer wieder Schmierstoff frei, das Teil ist damit wartungsfrei.“

So vielfältig wie die Anforderungen sind die Angebote. Es gibt Metalldruck, mit Pulver oder Draht. Gedruckt wird mit organischen Stoffen wie Mais. Doch Kunststoffe dominieren die Fertigung von Großteilen und auch Kleinst-Elementen in Mikrometerbereich, wie sie BMF anbietet. Und auch für Start Ups ist Platz, die Maschinenbauwissen mitbringen, ohne selber Druckmaschinen oder Druckrohstoffe herzustellen.

„Dies ist ein Konturstück, in welches wir Vakuum- und Luftkanäle eingearbeitet haben“, erklärte Paul Bocionek von apc-tec dem bahn manager ein Exponat. „Damit ziehen wir im Spritzguss ein Teil aus dem Werkzeug. Firmen kommen zu uns, schildern ihre Bedürfnisse, und wir entwerfen dann das entsprechende Teil, liefern die fertige Datei zum Druck.“

Auch schwer erhältliche Ersatzteile für Dampflokomotiven, aber auch für ältere Generationen des ICE werden inzwischen additiv gefertigt. Das wurde am Stand des Firmen-Netzwerks „Mobility Goes Additive“ durch Exponate belegt. Managing Director bei „Mobility mga“ ist die AM-Expertin der Deutschen Bahn AG Stefanie Brickwede. Bereits am Vortag des Forums hatte sie die Damen der Branche zu einem Treffen „Women in Additive Manufacturing“ eingeladen. Ihr Eindruck: „Eine sehr erfolgreiche Veranstaltung! Ich habe ganz tolle Gespräche geführt mit sehr unterschiedlichen Unternehmen, vor allem diesmal mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und genau diese möchten wir auf das Thema Additive Fertigung lenken.“

Stefanie Brickwede ist sich sicher: “Wir sind erst ganz am Anfang. Momentan wird deutlich: Es kommen neue Materialien auf den Markt, neue Technologien. Die orientieren sich immer stärker an ganz bestimmten use cases und werden damit auch anwenderfreundlicher. Es ist unglaublich viel Dynamik drin. Additive Fertigung erlaubt es uns, auch gegenüber Krisen stärker zu sein. Innerhalb der Deutschen Bahn haben wir das Prinzip der Starken Schiene. Auch da hilft es uns ungemein, die Schiene zu stärken, die Infrastruktur zu stärken, Ersatzteile wieder verfügbar zu machen, an die wir anderweitig nicht mehr herankommen, und damit auch eine höhere Verlässlichkeit gegenüber dem Kunden abzubilden.“

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