AB WEIHNACHTEN IM RUSSISCHEN LUXUSZUG AUF DIE KRIM

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Russland verstärkt seine Bindung an die 2014 angeschlossene Krim, zwischen Insel und Festland sollen luxuriöse Personenzüge pendeln.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Im Mai 2018 wurde offiziell die 19 Kilometer lange “Krim-Brücke” über die Straße von Kertsch teileröffnet, welche die Halbinsel Krim mit der Halbinsel Taman in der russischen Region Krasnodar verbindet. Über diese Brücke wird ab Weihnachten der Luxuszug Grand Service Express GSE («Гранд Сервис Экспресс» ГСЭ) auf die Krim fahren. Der erste „Tavria“-Zug (Nr. 7/8) hat Abfahrt am 23. Dezember um 14:00 Uhr Moskauer Zeit vom Moskauer Bahnhof in St. Petersburg. Die Fahrt nach Sewastopol dauert 43,5 Stunden. Auf der Strecke werden fünf Züge, bestehend aus Abteilwagen und reservierten Sitzwagen mit Platzkarten, kursieren. Vier zweistöckige Züge mit Abteilwagen werden zwischen Moskau und Simferopol verkehren (Nr. 27/28). Der erste solche Zug fährt am 24. Dezember um 23:45 Uhr vom Kasaner Bahnhof ab. Die Fahrt dauert 33 Stunden.

Wie in der russischen Präsidialdemokratie üblich, verkündete der stellvertretende Ministerpräsident Maxim Akimov die gute Kunde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einer vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audienz: „Wir haben den Verkauf von Zugtickets für die Krim eröffnet. Und, wissen Sie, Vladimir Vladimirovic, wir haben eine enorme Nachfrage gefunden, die für uns sogar etwas unerwartet ist. Wir haben in den ersten zwei Tagen zehntausend Tickets verkauft. Wir hatten sogar einige Probleme mit der Website des Fahrunternehmens, es gab so viele Anrufe!“

Der Betreiber der Eisenbahnkommunikation mit der Krim, Grand Service Express, ist Russlands erste private Personenverkehrsgesellschaft. Im Mai 2019 wurde sie von einem anderen privaten EVU übernommen, TKS («Транскласссервис» ТКС). GSE erwägt, staatliche Bezuschussung zu den Platzreservierungskarten zu beantragen, wie sie auch die von der Russischen Eisenbahn kontrollierte Federale Passagiergesellschaft FPK (Федеральная пассажирская компания ФПК) erhält. Die Ticketpreise müssten niedrig sein, heißt es beim Anbieter, damit sie gegenüber der Flugreise konkurrenzfähig sind. Bis zur Ferienzeit 2020 soll das Zugangebot auszubaut werden. Neue Strecken sollen dann auch von Murmansk, Ekaterinburg und Kislowodsk sowie von Epatorija und Feodossija auf die Krim führen. Die Gesamtnachfrage nach Eisenbahnfahrten auf die Krim für 2020 wird von der GSE auf 1,8 Millionen Fahrgäste geschätzt.

Bis dahin sollte die Tourismusbranche der Krim noch deutlich am Niveau ihres Angebots feilen. Das ergibt sich aus dem Ergebnis einer Umfrage, welche im Juli 2019 der Pressedienst des Ministeriums für Resorts und Tourismus der Republik veröffentlichte. Hauptthemen der Beschwerden von Touristen auf der Krim bezögen sich auf den sanitären Zustand der Böschungen und Strände, die Ethik und die Dienstleistungskultur, hieß es. Aber auch „Unzulänglichkeiten der Unterbringung“ wurden bemängelt sowie offenbar öfter stattfindende „Verweigerungen der Reservierung“.

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