ALLIANZ PRO SCHIENE: 95 PROZENT DER FOLGEKOSTEN IM VERKEHR DURCH STRAßE

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149 Milliarden Euro belasten die Allgemeinheit in Deutschland als Folgekosten des Verkehrs,  ergab eine Studie des Züricher Infras-Instituts im Auftrag des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Die schockierend hoch scheinende Summe ergibt sich durch sogenannte externe Kosten wie Klimabelastung, Unfälle, Lärm oder Luftverschmutzung, davon entfallen nur fünf Prozent nicht auf den Straßenverkehr. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren liegen damit aktuelle Zahlen über die gesamten Folgekosten des Verkehrs in Deutschland vor. „Die Studie demonstriert gerade dem Klimakabinett den dringenden Handlungsbedarf im Verkehr“, erklärte Dirk Flege, Geschäftsführer der gemeinnützigen Allianz pro Schiene.”Eine verschleppte Verkehrswende ist viel teurer als ein mutiges Umsteuern. Mit einer Verkehrsverlagerung können wir den Klimaschutz und die Luftqualität verbessern und die Zahl der Unfallopfer drastisch senken.”

Bereits im  Juni 2019 hatte eine Untersuchung der Europäischen Kommission ergeben, dass in den EU-Staaten nur etwa 15 bis 25 Prozent der realen Verkehrskosten durch Abgaben der jeweiligen Verkehrsträger gedeckt würden: “Infrastruktur- und externe Kosten werden in der Regel nicht durch variable Steuern / Abgaben gedeckt. Eine Ausnahme bildet der Schienenverkehr (insbesondere Hochgeschwindigkeitszüge und Diesel – Personenzüge), bei dem die Zugangsgebühren und die Dieselsteuern den variablen Charakter der Eisenbahn widerspiegeln.”

Die jetzt vorgelegte Infras-Studie geht für Deutschland ins Detail. Zu den externen Kosten zählen alle negativen Auswirkungen der Mobilität, für die nicht die Verkehrsteilnehmer selbst bezahlen. Sie gehen zu Lasten anderer Menschen, der Umwelt und künftiger Generationen. Zu den Gesamtkosten der Mobilität steuert die Schiene laut den Berechnungen vier Prozent bei. Jeweils knapp ein Prozent stammen von dem inländischen Luftverkehr und der Binnenschifffahrt. Nicht berücksichtigt wurde wegen mangelnder Vergleichbarkeit der grenzüberschreitende Luftverkehr.

Die höchsten gesellschaftlichen Kosten des Verkehrs verursachen Unfälle mit einem Anteil von 41 Prozent an der Gesamtlast. Den zweitgrößten Block mit 21 Prozent stellen vor- und nachgelagerte Prozesse (etwa durch die Herstellung von Fahrzeugen oder die Stromproduktion). Es folgen Klimakosten (18 Prozent) und Kosten für Natur und Landschaft (neun Prozent). Bei den Berechnungen stützte sich Infras auf die vom Umweltbundesamt (UBA) angewandten Methoden, betont die Allianz pro Schiene. Bei Lärm und Unfallopfern legte es die Standards der Europäischen Kommission an, da das UBA hier keine Vorgaben erstellt hat.

UMSTEUERN STATT WEITER-SO

Für die Klimadebatte zeigt sich, wie sehr Fortschritte von einer Verkehrsverlagerung hin zur Schiene abhängen. Pkw, Lkw, Motorräder, Lieferwagen und Flugzeuge erzeugen fast 96 Prozent der Klimakosten durch den Verkehr in Deutschland. Dabei sind die Emissionen der vor- und nachgelagerten Prozesse nicht einmal mitgerechnet. „Bei einer ganzheitlichen Betrachtung kostet eine wirksame Klimapolitik kein Geld, sondern spart der Gesellschaft gewaltige Kosten“, unterstrich Dirk Flege. „Mein Appell geht an das Klimakabinett, mit dem Status Quo zu brechen. Teuer ist nur ein Weiter-So. Die Maßnahmenvorschläge der Branche und des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur müssen beherzt umgesetzt werden.“

Nicht allein die Masse der Autos und Lkw sorgt für enorme Schäden. Auch pro Kilometer verursachen Pkw-Nutzer mit rund elf Cent mehr als dreimal so hohe externe Kosten wie Bahnfahrer. Die Berechnungsmethoden sind für die Schiene sogar ungünstig, da für den Bahnstrom wie vom UBA vorgegeben der deutschlandweite Strommix unterstellt wurde. Tatsächlich kommt die Schiene auf einen wesentlichen höheren Anteil an erneuerbaren Energien, so dass ihre tatsächliche Umweltbilanz noch besser ausfällt. Das Fazit ist für Allianz Pro Schiene-Chef Dirk Flege: “Der Verkehr bürdet der Allgemeinheit immer höhere Lasten auf. Die Studie liefert Rückenwind für die Politik, jetzt Investitionen und Innovationen für die klimafreundliche Schiene kraftvoll und verlässlich voranzutreiben.”

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