Alstom kauft Bombardier Transportation für sieben Milliarden Euro

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Der französische Bahntechnikhersteller Alstom kauft nach Informationen aus Industriekreisen das gesamte Eisenbahngeschäft von Bombardier. Die Transaktion soll am Donnerstagmorgen bekannt gegeben werden, heißt es.

Alstom übernehme für sieben Milliarden Euro das weltweite Eisenbahngeschäft der Kanadier, deren Firmensitz in Berlin ist. Damit entsteht ein neue großer Eisenbahntechnikkonzern mit etwa 15 Milliarden Euro Umsatz. Alstom war erst vor einem Jahr an Bedenken der europäischen Wettbewerbskommission mit dem Versuch gescheitert, mit Siemens Mobility zu fusionieren.

An der Börse haben die Bombardier-Konzerns kräftig Auftrieb bekommen. Die Aktien legten in Toronto zeitweise um mehr als acht Prozent zu.

Weder Bombardier noch Alstom wollten sich zur Übernahme äußern. Ein Bombardier-Sprecher sagte auf Anfrage nur, man kommentiere Marktgerüchte nicht. Zuletzt hatte es auch geheißen, der japanische Zugbauer Hitachi sei an Bombardier interessiert. Bombardier hatte vor Jahren auch Gespräche mit Siemens geführt. Siemens hatte allerdings abgewunken und sich auf den am Ende nicht zustande gekommenen Deal mit Alstom konzentriert.

Von Bombardier – der Konzern will am Donnerstag seine Jahresergebnisse bekannt geben – bleibt damit nicht mehr viel. Das kanadische Unternehmen ist noch im Flugzeugbau tätig, hat aber große Schwierigkeiten. Seine neu entwickelte C-Serie mittelgroßer Flugzeuge ist bereits in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Airbus eingebracht. Airbus will nun offenbar auch die restlichen Anteile an der Flugzeugfamilie, die jetzt unter A220 vermarktet wird, kaufen. Ob hierzu am Donnerstag eine Einigung bekannt gegeben wird, ist offen.

Bombardier musste bereits Staatshilfe in Anspruch nehmen. Der kanadische Staat ist sowohl an der Transportationsparte wie auch an der C-Serie indirekt beteiligt. Ob diese Beteiligung gehalten wird, ist offen. Der kanadische Pensionsfonds Caisse de depot et placement du Quebec hält 30 Prozent an Bombardier Transportation.

Ob die Übernahme Bombardiers durch Alstom vor der EU-Wettbewerbskommission Bestand haben wird, ist dabei fraglich. Die beiden Unternehmen zählen zu den führenden Anbietern von Regional- und Nahverkehrszügen in Europa. Bei den Hochgeschwindigkeitszügen könnte es jetzt allerdings einfacher sein. Auch daran waren Siemens (ICE) und Alstom (TGV) mit ihrem Fusionsplan gescheitert. Bombardier baut zwar auch solche Züge, zählt aber nicht zu den führenden Anbietern in dieser Technik.

Weitreichende Folgen wird dagegen die Neuordnung der Produktionsstandorte in Europa haben. Alstom wie Bombardier litten lange Zeit an Überkapazitäten. Die Franzosen haben zu viele Werke in ihrem Heimatland, Bombardier vor allem in Deutschland. Erst zwei Jahre ist es her, dass nur politischer Druck das Unternehmen davon abhalten konnte, eines seiner beiden Werke in Sachsen zu schließen. (red/ Dieter Fockenbrock, Thomas Hanke, Handelsblatt)

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