Angebote schaffen statt nur Nachfrage bedienen

in Personenverkehr von

Die Hamburger Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) geht in die Offensive.

Das Ziel: deutlich mehr Menschen zum Umsteigen vom privaten Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr und neue Mobilitätsangebote motivieren. Dafür wird das Unternehmen sein Angebot massiv ausweiten. Nachdem schon in den Vorjahren Rekordinvestionen in den Fuhrpark zu verzeichnen waren, hat der Aufsichtsrat einer nochmaligen umfangreichen Verstärkung der Fahrzeugflotte zugestimmt. 

So soll die neueste U-Bahn-Generation (DT5) in den kommenden Jahren um insgesamt 32 Fahrzeuge auf dann 163 Fahrzeuge aufgestockt werden. Im Busbereich werden in diesem Jahr zusätzlich zur normalen Beschaffung zusätzliche 25 Fahrzeuge (Gelenk- und Großraumbusse) geordert. Für den nun beschlossenen Flottenausbau wird das Unternehmen knapp 200 Millionen Euro investieren. 

Der Aufsichtsratsvorsitzende Senator Michael Westhagemann, Präses der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir das Nahverkehrsangebot deutlich ausbauen und den Menschen das Bus- und Bahnfahren so einfach und flexibel wie möglich machen. Mit der Angebotsoffensive des Senats gehen wir Schritt für Schritt in Richtung Hamburg-Takt. Wenn die Menschen keinen Fahrplan mehr brauchen, sondern immer ein Mobilitätsangebot greifbar haben, werden sie den privaten Pkw im städtischen Bereich nicht mehr nutzen wollen.“

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der HOCHBAHN: „Wir stehen hier vor einem echten Paradigmenwechsel. In den vergangenen Jahren haben wir uns stets an dem Bedarf orientiert und die erforderlichen Kapazitäten nachgesteuert. Diesen Weg verlassen wir jetzt ganz bewusst: Statt nur die Nachfrage zu bedienen, werden wir künftig deutlich mehr attraktive Angebote schaffen, zusätzlichen Service und mehr Flexibilität bieten, um die Menschen aus ihren Pkw zu holen.“ 

Angebotsoffensive in der Umsetzung 

Im Rahmen der Angebotsoffensive des Hamburger Senats weitet die HOCHBAHN ihr Leistungsangebot in den kommenden drei Jahren um durchschnittlich rund fünf Prozent pro Jahr aus. Zum Vergleich: In den Jahren 2012 bis 2018 lag die Leistungssteigerung durchschnittlich bei gerade einmal gut einem Prozent. 

Zu den neuen Angeboten zählen deutlich engere Takte in der U-Bahn – unter anderem der verlässliche 5-Minuten-Takt wochentags zwischen 6 und 21 Uhr im gesamten Hamburger Stadtgebiet ab Dezember 2020 – und eine massive Ausweitung des Busangebots mit neuen Express- und Quartierbussen. Für die Angebotsoffensive wendet die HOCHBAHN von 2021 an jährlich mehr als 33 Millionen Euro zusätzlich auf. 

Senator Michael Westhagemann: „Diese strategische Ausrichtung auf die Angebotsoffensive basiert auf der erfolgreichen Entwicklung des Wirtschaftsergebnisses der HOCHBAHN. Nur auf dieser Grundlage sind Investitionen in diesem Umfang in die Infrastruktur und die Fahrzeugflotte möglich.“ 

Im vergangenen Jahr konnte der Kostendeckungsgrad mit 92,2 % annähernd auf dem Rekordniveau des Vorjahres (2017: 92,9 %) gehalten werden. Die Ausgleichsleistungen der der Freien und Hansestadt Hamburg stiegen auf 51 Millionen Euro (2017: 44,9 Millionen Euro). Ein neues Rekordniveau erreichten die Fahrgastzahlen mit 465,1 Millionen (2017: 461,4 Millionen). Damit nutzen im Jahresvergleich 0,8 Prozent mehr Fahrgäste die Busse und Bahnen der HOCHBAHN.

Helmut König, HOCHBAHN-Finanzvorstand: „Wir haben im vergangenen Jahr massiv in den Fuhrpark und die Infrastruktur investiert. Allein für neue Fahrzeuge haben wir 133 Millionen Euro ausgegeben, in neue Betriebsstandorte und den barrierefreien Ausbau flossen knapp 54 Millionen Euro.“ 

Investitionen verdreifacht 

Deutlich wird der Kurs an der Entwicklung des jährlichen Investitionsbudgets: Während die Gesamtinvestitionen 2012 noch bei rund 100 Millionen Euro lagen, investierte das Unternehmen sechs Jahre später fast den dreifachen Wert (292,3 Millionen Euro). Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich auch das Anlagevermögen. 

Und der Anstieg setzt sich nicht zuletzt aufgrund der nun anstehenden zweiten Stufe der Angebotsoffensive des Senats fort: In diesem Jahr wird die Investitionssumme auf den Rekordwert von 417 Millionen Euro klettern und damit noch einmal mehr als 40 Prozent über dem Wert von 2018 liegen. Rund 50 Prozent der Investitionen dürften dabei in die Hamburger Wirtschaft fließen. Dies zeigt die enorme und steigende Bedeutung der HOCHBAHN als regionaler Wirtschaftsfaktor. 

Helmut König: „Selbstverständlich wird der massive Ausbau des Mobilitätsangebots auch seine Spuren im Unternehmensergebnis der HOCHBAHN hinterlassen. Steigende Abschreibungen sind nun einmal der Preis für die steigenden Investitionen. Damit werden wir uns zumindest mittelfristig davon verabschieden müssen, Kostendeckungsgrade auf Rekordniveau vermelden zu können.“ 

Der Weg zur Klimaneutralität 

Aus HOCHBAHN-Sicht sind und bleiben Busse und Bahnen das Rückgrat der städtischen Mobilität. Die hier investierten Mittel sorgen für weniger private Pkw-Fahrten, helfen die Klimaziele zu erreichen und steigern die Lebensqualität in der Stadt. 

Henrik Falk: „Künftig reichen rein betriebswirtschaftliche Kennziffern für die Bewertung eines Mobilitätsangebotes nicht mehr aus. Wir müssen vielmehr auf der Basis gesamtgesellschaftlicher Apekte über Investitionen in die nachhaltige Mobilität entscheiden. Dabei spielen Klimaziele genauso eine Rolle wie die Luftreinhaltung und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger.“ 

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor auf diesem Weg ist die Strategie der HOCHBAHN, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anzuschaffen. Mittlerweile fahren die ersten fünf serienreifen Batteriebusse durch Hamburg. Vor wenigen Monaten konnte der erste bundesweit rein auf E-Mobilität ausgerichtete Busbetriebshof durch die HOCHBAHN in Betrieb genommen werden. Die Flotte der emissionsfreien Busse wird in diesem Jahr auf insgesamt 30 serienreife Fahrzeuge anwachsen. 

Ganz aktuell hat die HOCHBAHN die Entscheidung getroffen, weitere 30 E-Busse für 2020 fest zu bestellen. Neben 25 Fahrzeugen von EvoBus kommen 5 Fahrzeuge von Solaris. Die für 2020 bestellten Fahrzeuge werden mit 200 Kilometern rund ein Drittel mehr Reichweite haben als die „Vorgängergeneration 2019“. Gleichzeitig bereitet die HOCHBAHN die Ausschreibung für die ersten serienreifen emissionsfreien Gelenkbusse vor, die noch in diesem Jahr erfolgen soll. Für Anfang des nächsten Jahrzehnts sind zudem weitere Tests mit Batteriebussen mit Brennstoffzellen als Range-Extender (Wasserstofftechnologie) vorgesehen, mit denen auch größere Reichweitenanforderungen abgedeckt werden können. 

Mit zunehmender Umsteuerung auf die E-Mobilität im Busbereich kommt dem Strombezug eine wachsende Bedeutung zu. Nachdem die HOCHBAHN schon seit Längerem ihren Strombedarf über Hamburg Energie kohle- und atomfrei deckt, fahren seit Jahresanfang 2019 alle U-Bahnen und die E-Busse zudem mit zertifiziertem, hochwertigem Ökostrom aus Windparks, die jünger als sechs Jahre sind. 

Henrik Falk: „Die HOCHBAHN versteht sich als Organisator einer nachhaltigen Mobilität in Hamburg. Dehalb freuen wir uns, dass wir mit dem zertifizierten Ökostrom einen wichtigen Beitrag zum Hamburger Klimaplan leisten. Aber wir wollen noch mehr: Bis zum Ende des nächstens Jahrzehnt wird die HOCHBAHN komplett klimaneutral sein.“ (red/HOCHBAHN)

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