bahn manager Magazin auf der DB Bilanzpressekonferenz

in Märkte & Player von

Rekorde im Personenverkehr, Baustellen im Güterverkehr und bei der Pünktlichkeit – auf der Bilanzpresse-konferenz der Deutschen Bahn für 2017 in Berlin schilderte der DB-Vorstand, wie er das Motto “Auf in eine neue Zeit” realisieren will.

Von Hermann Schmidtendorf, Büro Berlin

“Der Umsatz hat sich um 5,2 Prozent auf rund 42,7 Milliarden Euro erhöht”, freute sich DB-Vorstandssprecher Richard Lutz. “Das bereinigte operative Ergebnis ist um 10,6 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro gestiegen.” Positiv fiel auch die Bilanz im Auslandsgeschäft aus. Von einem zumindest teilweisen Verkauf der ausländischen Personenverkehrsmarke Arriva oder der Logistik war zunächst nicht mehr die Rede. Die Nettofinanzschulden stiegen von 17,6 auf 18,6 Milliarden Euro, vor allem durch erhebliche Investitionen in neue ICE-Züge sowie die Werkstatt-Infrastruktur. Die Investitionen in Erhalt und Modernisierung der Bahninfrastruktur sollen weitergehen unter Minimierung der Beeinflussung des laufenden Betriebs.

Um 2,3 Prozent ging die Verkehrsleistung im Güterverkehr zurück. Die Bilanz von DB Cargo verschlechterte sich im Verhältnis zu 2016 von -81 auf -90 Millionen Euro. Bis 2022 sollen bis zu 100 neue Mehrsystemloks und 4000 moderne Güterwagen angeschafft werden. Die Ausrüstung der gesamten Güterwagenflotte mit GPS und weiterer Sensorik soll zusätzlich helfen, in den schwarzen Bilanzbereich zurückzukommen. Der Masterplan des Bundes soll im Schienengüterverkehr 8 Milliarden Tonnenkilometer zusätzlich generieren, hiervon will DB Cargo 5 Milliarden hinzugewinnen. Rekorde sind dafür erneut im Personenverkehr zu vermelden. Zum dritten Mal in Folge stiegen die Fahrgastzahlen, 2017 sowohl im Regio- als auch im Fernverkehr um 2,6 Prozent. “2017 haben wir mehr als 142 Millionen Reisende in unseren ICE-, IC- und EC-Zügen begrüßt”, betonte DB-Chef Lutz, und: “Vor allem unsere neue Schnellfahrstrecke Berlin-München brummt.” Alleine in den ersten hundert Tagen wurden dort über eine Millionen Reisende gezählt.

Nach anfänglichen Problemen mit der Technik einzelner Züge wird dank des an der Strecke verbauten europäischen Zugsicherungssystems ETCS eine durchschnittliche Pünktlichkeit von 90 Prozent erzielt, erklärte Lutz. Dagegen blieb die Pünktlichkeit der anderen Züge im letzten Jahr mit 78,5 Prozent weiter unbefriedigend. Verbesserung sollen der Streckenausbau mit ETCS, die Bereithaltung einer “warmen Zugreserve” sowie die Digitalisierungsoffensive bringen.

In den nächsten 4 Jahren soll eine halbe Milliarde Euro für einen verbesserten Vegetations-Freischnitt der Trassen ausgegeben werden. Die letztjährige Bilanz verminderten ebenfalls Wetterereignisse, aber vor allem die mehrmonatigen Streckensperrungen nach dem Tunneleinbruch in Rastatt.

Journalisten interessierten sich für eine Abfindungszahlung an den bisherigen DB-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube, für die konkreten Kosten der Entschädigungszahlungen wegen des Rastatt-Debakels, fragten nach der Positionsbesetzung im Aufsichtsrat und sorgten sich, verspätete Züge könnten gezielt ausfallen, damit sie nicht in der Statistik auftauchen. Vorstand Huber lehnte dies strikt ab. Im letzten Jahr wurden fast 19.000 neue Mitarbeiter eingestellt, für 2018 ist ein Wert von 20.000 Neuanstellungen anvisiert.

Vor dem Konferenzort präsentierten sich ein autonom fahrender Kleinbus und batteriebetriebene Rikschas unter dem Markennamen ioki als neue mobile Zusatzangebote der Deutschen Bahn. Ob diese Fahrzeuge demnächst zum Gewinn der DB beitragen? Man wird sehen.

Mehr zum Thema im Film auf unser Video-Plattform unter dem Link

zur Startseite
nach oben gehen