BAHN-NEWCOMER RHEINJET BEKLAGT “DB-PREISDUMPING

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Noch nicht auf der Schiene, doch schon am Klagen: Das Verkehrsunternehmen RheinJet klagt gegen vermutete Dumpingpreise für Zugtickets der DB Fernverkehr AG.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Im August 2019 verkündete die RheinJet GmbH, sie werdeab dem 8. November 2019 drei eigene Zugverbindungen auf den Strecken Stuttgart-Frankfurt, Frankfurt-München sowie München-Stuttgart anbieten. Zunächst würden “alle drei Strecken jeweils freitags nachmittags im 14-Tages-Rhythmus angeboten. Der ausschließlich mit einer Economy Class ausgestattete Zug bietet 680 Passagieren Platz und verkehrt nonstop ohne Zwischenhalt. Frühbucher fahren bereits ab 10 Euro je einfache Fahrt”, hieß es. Das Unternehmen wolle “Umsteiger vom Auto und dem Fernbus gewinnen”, die Sitzplatzreservierung sei im Preis eingeschlossen wie auch ein Getränk und ein Snack, zusätzlich könnten Abendmenüs vorbestellt werden.

In seiner damaligen Presseerklärung schwenkte das bisher nur im Flugverkehr tätige Unternehmen schon mal vorausschauend in Richtung Deutsche Bahn die weiße Flagge der Entwarnung: “Aufgrund der unterschiedlichen Verkehre sieht Geschäftsführer Michael keinen Wettbewerb zur Deutschen Bahn. Biete diese ein dichtes Netzwerk und hohen Takt, so konzentriert sich RheinJet auf gezielte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Lediglich im Vertrieb und Netz besteht eine große Wettbewerbsverzerrung.”

Doch womöglich sah der DB-Fernverkehr das anders? Jetzt jedenfalls stehen bei RheinJet-Geschäftsführer Martin Michael die Zeichen auf Sturm. “Wir vermuten massives Preisdumping bei der im Staatsbesitz befindlichen Deutschen Bahn auf die Fahrtankündigungen von RheinJet insbesondere auf der Strecke Frankfurt-München”, so Michael gegenüber bahn manager. “Ausgerechnet auf unseren angekündigten Strecken und nur an den RheinJet-Verkehrstagen hat der DB-Fernverkehr seine Preise drastisch reduziert. Wir haben Beschwerde beim Bundeskartellamt sowie der Europäischen Wettbewerbskommission zum Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung eingereicht.”

Auf welchen Fakten beruhen die Vorwürfe? “Seit Monaten führen wir vor allem im Internet ein engmaschiges Monitoring der von der DB angebotenen Ticketpreise auf den von uns beabsichtigten Relationen durch”, so Michael. “Deshalb wissen wir: Kurz nach der Ankündigung unserer Fahrten gingen vergleichbare Streckenpreise der DB massiv herunter, aber nur an den Wochenenden, die RheinJet anmeldete.” Ist es denn nicht auch einem eigenwirtschaftlich agierenden Marktführer erlaubt, seine Preise dem Markt anzupassen, wollte bahn manager wissen. “Vor unserem Marktstart verlangte die DB Preise zwischen 59 und 89 Euro an Freitagen, jetzt sind es an unseren Verkehrstagen plötzlich nur noch 19 bis 29 Euro. Das ist Dumping und kein Wettbewerb, weil es sich wirtschaftlich nicht darstellen lässt.”  Auch bei RheinJet sind die zum Start angebotenen Niedrigpreise nur durch Querfinanzierung aus den anderen Geschäftsbereichen machbar. Der Unterschied, so Michael: “Wir sind keine Bedrohung für den Wettbewerber, andersherum sehr wohl.”

Besonders ärgert Michael, dass die Deutsche Bahn trotz “massiver Investitionsrückstände im Schienennetz, neu aufgenommenem Milliardenkredit und Kritik seitens des Bundesrechnungshofes” ihr weitgehendes Monopol im Fernverkehr “offensichtlich mit jedem Mittel verteidigen” wolle. Deshalb werde RheinJet jetzt seine Antworten in enger Abstimmung “mit anderen Marktteilnehmern wie FlixTrain/Flixbus, BlaBlaCar oder Pinkbus” durchführen, die ebenfalls unter den kritisierten Methoden zu leiden hätten. “Es ist klar, dass unser weiteres Engagement im Schienensektor stark davon abhängig sein wird, ob die Kartellwächter ein wettbewerbsoffenes Umfeld schaffen”, betonte Michael und monierte weitere Negativa: “Geplante Werbung auf Bahnhöfen müssen wir mit DB Station & Service abstimmen, so weiß auch unser Mitbewerber sofort Bescheid. Auch könnten unsere Züge deutlich schneller fahren, als ihnen der Fahrplan der DB Netz AG gestattet. Angeblich gibt es keine Zeitfenster, die schnelleres Fahren erlauben. Das müsste die Bundesnetzagentur prüfen, aber gibt es dort genügend Fahrplanexperten?”

Offen für den neuen Zuganbieter zeigte sich gegenüber bahn manager der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Sören Bartol: “Wir haben uns ganz klar dazu bekannt, dass wir Wettbewerb auf der Schiene haben können. Es ist für mich immer wichtig: Es muss fairer Wettbewerb sein. Es muss klar sein, es geht um gute Arbeitsbedingungen, natürlich tarifgebunden. Das sind Themen, die mich immer wieder umtreiben. Ich habe nichts dagegen, wenn sich Anbieter auch im Fernverkehr versuchen. Ob sich das rechnet, kann nur der Business Case der Anbieter beantworten. Der neue Anbieter macht ja anscheinend jetzt erst einmal Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, das ist aus Kundensicht nur zu begrüßen.”

“Unsere Zugverkehre bieten wir in Kooperation mit eingeführten Bahnunternehmen an”, erklärte dazu dem bahn manager RheinJet-Geschäftsführer Michael. “Alle Vorschriften und Sozialstandards werden also berücksichtigt. Mit wem genau wir arbeiten, wollen wir angesichts der derzeit angespannten Lage vorerst noch nicht mitteilen.” 

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