Bahnfahrer könnten rund 400 Millionen Euro sparen

in Personenverkehr von

Für den Klimaschutz sollen die Menschen auf Auto und Flieger verzichten und auf die Bahn umsteigen. Ein finanzieller Anreiz könnte helfen.
Sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Bahntickets.

Das hat Grünen-Chef Robert Habeck (49) im Sommerinterview mit dem ZDF gefordert.

Der Bundesregierung wirft er in der Klimapolitik vor, viel zu lange nichts getan zu haben. Zur Ankündigung der Groko, nach der Sommerpause konkrete Pläne vorzulegen, sagt Habeck:

„Damit humpelt sie der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung hinterher“.

Habecks Forderung: Kerosinsteuer für Flüge hoch, Mehrwertsteuer für Bahntickets runter.

Damit soll das Bahnfahren günstiger und attraktiver werden. Keine neue Idee – Verkehrsminister Andreas Scheuer (44, CSU) hatte bereits im April gegenüber BILD eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets gefordert.

Was bedeutet das für die Kunden?

Eine Steuersenkung von 19 auf sieben Prozent – da wäre theoretisch eine Ersparnis von 12 Prozentpunkten für die Kunden drin. Scheuer sieht darin ein riesiges Sparpotential: „Damit entlasten wir die Bahnfahrer im Fernverkehr um sage und schreibe bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr“, sagte er im April zu BILD.

Dieser Wert könnte sogar noch höher ausfallen

Aus den Geschäftszahlen der Deutschen Bahn geht hervor, dass im Jahr 2018 allein mit Tickets im Fernverkehr (ICE- und IC-Züge) ein Umsatz von 4,68 Milliarden Euro erwirtschaftet wurde. Da wäre also eine Ersparnis von über 467 Millionen drin. Und dabei fehlen sogar noch alle Nahverkehrstickets mit über 50 Kilometer Strecke, die ebenfalls mit 19 Prozent besteuert werden. Ein Sprecher der Deutschen Bahn zu BILD: Sollte eine Mehrwertsteuersenkung kommen, würde dies „voll an die Bahnreisenden weitergegeben“ werden.

Für konkrete Tickets bedeutet das:

  • Statt 19,90 Euro könnten die Tickets der günstigsten Preiskategorie dann 17,25 Euro kosten.
  • Bei einem jetzigen Preis von 29,90 Euro fielen nach der Änderung noch 26,91 Euro an.
  • Wer kurzfristig bucht, kann derzeit auch mal ein Ticket für 150 Euro erwischen, das würde beim günstigeren Steuersatz mit 130 Euro immerhin 20 Euro weniger kosten.

Karl-Peter Naumann, Sprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn: „Das wäre eine vernünftige Sache“. In anderen europäischen Ländern wäre ein vergünstigter Steuersatz für Schienenverkehr bereits die Regel und über günstigere Preise bei den Tickets könne man das „System Bahn“ fördern. Das sieht die DB ähnlich. Eine interne Studie hat ergeben: Durch gesenkte Steuern könnte die Bahn bis zu fünf Millionen neue Kunden gewinnen.

Im Nahverkehr gilt bereits ein verringerter Steuersatz von sieben Prozent auf die Tickets: für Busse, Bahnen und Taxis. Bei Taxis gibt es allerdings eine 50 Kilometergrenze, wer weiterfährt zahlt 19 Prozent Steuer. Ausnahme: Die von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn muss ihre Tickets mit 19 Prozent versteuern. (red/Bild)

zur Startseite