Bahninfrastruktur Südost-Europas wird modernisiert

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Investitionsschub für Südost-Europas Bahn-Infrastruktur: Serbien, Ungarn und Bulgarien treiben Modernisierung wichtiger Bahnstrecken voran. Die Europäische Kommission forderte Bulgarien auf, innerhalb von zwei Monaten seine Regulierungen der EU-Direktive 2004/49/EC über Sicherheit im Bahnwesen anzupassen.

Von Hermann Schmidtendorf

Unter der Androhung eines Verfahrens vor dem europäischen Gerichtshof wurde Bulgarien durch die Europäische Kommission aufgefordert, ein unabhängiges Bahnsicherheitsorgan sowie eine unabhängige Unfalluntersuchungsbehörde einzurichten und mit den nötigen Mitteln auszustatten. Gleichzeitig kündigte das bulgarische Transportministerium eine Ausschreibung zur Lieferung und Installierung von Telekommunikations- und Bahnsicherungssystemen im Wert von knapp 100 Millionen Euro für die Bahnstrecke Plovdiv-Burgas an.

Im August war zuvor die Linie Septembri-Plovdiv entsprechend ausgerüstet worden. Ein technisches Upgrade sollen auch die Strecken Kostenets-Septembri sowie Kostenets-Elin Pelin erhalten. Letzteres soll 460 Millionen Euro kosten, für die zweite Modernisierungsetappe der Strecke Plovdiv-Burgas werden Kosten von 350 Millionen Euro angesetzt. Diese Strecke ist 296 Kilometer lang und soll komplett mit ERTMS/ETCS und GSM-R ausgestattet werden.

Das serbische Infrastrukturministerium verhandelt derzeit mit Infrastrukturunternehmen aus Russland und China über die Modernisierung der 100 Kilometer langen Bahnstrecke Belgrad-Nis. Das Projekt ist Teil des Ausbaus der internationalen Strecke Budapest-Belgrad-Skopje-Athen, deren Modernisierung nach einem Beschluss der Regierungen Ungarns, Serbiens und Mazedoniens von 2014 unter chinesischer Beteiligung stattfinden soll. Die Ausschreibung für die Modernisierung des ungarischen Trassenabschnitts dieser Linie soll im kommenden November auf dem anstehenden China-CEE Summit in Budapest verkündet werden, erklärte Ungarns Außenminister Péter Szijjártó. Bei diesem Treffen soll Chinas Ministerpräsident mit den Regierungschefs von 16 zentral- und osteuropäischen Staaten zusammenkommen.

Die Europäische Kommission hatte zuvor angekündigt, sie werde die “finanzielle Stabilität” der mit 2,44 Milliarden Euro geschätzten Modernisierungskosten des 370 Kilometer langen Abschnitts Budapest-Belgrad untersuchen und auch die Einhaltung der EU-Regeln zur Ausschreibung solcher Projekte prüfen. Serbien verkündete inzwischen den Abschluss eines Kreditabkommens mit der Exim Bank of China über etwa 250 Millionen Euro für die zweispurige Modernisierung des serbischen Zuführabschnitts Belgrad-Stara Pazova. Es wäre die erste serbische Bahnstrecke mit Höchstgeschwindigkeit 200 km/h.

Dagegen möchte Serbiens Regierung die etwa 96 Kilometer lange Bahnstrecke Nis-Dimitrovgrad mit Hilfe der Europäischen Investitionsbank EIB modernisieren. Dabei soll auch eine 22 Kilometer lange Bahnumgehung der Stadt Nis gebaut werden, um so die Transportzeiten von Bahn und Straße anzugleichen und mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Die Gesamtkosten werden mit 268 Millionen Euro angegeben, von denen die EIB 179 Millionen Euro kreditieren soll. Die Bahnstrecke ist Teil des Korridors 10 Paris-Budapest-Athen. (Bild: Personenzug auf dem Bahnhof Plovdiv – die Strecke Plovdiv – Burgas soll modernisiert werden)

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