Berlin – Dresden geht pünktlich am 10. Dezember ans Netz

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Nach 16 Monaten teilweiser Vollsperrung geht die Ausbaustrecke Berlin-Dresden zum Winterfahrplan 2017/18 wieder ans Netz. Mit einem IC 2-Sonderzug, der ab 2019 die Relation regelmäßig bedient, brachte die DB Anwohner, Vertreter von Bund, Ländern und der Region sowie Projektbeteiligte nach Dresden.

Von Hermann Schmidtendorf

Die Modernisierungsarbeiten betrafen 73 Streckenkilometer in Brandenburg und 4 Kilometer in Sachsen unter Vollsperrung des Abschnitts zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Elsterwerda. Die Strecke ist Teil des transeuropäischen Bahnkorridors 7 zwischen Nord- und Ostsee sowie dem Schwarzem Meer und dem Mittelmeer.

„Zuletzt zerstörte der Sturm noch viele fertige Anlagen“, erklärte gegenüber bahn manager der DB-Konzernbevollmächtigte für das Land Berlin Alexander Kaczmarek. „Da haben wir alle gebangt, ob das wirklich zu dem Zeitpunkt klappt.“ Doch der Zeitplan konnte eingehalten werden. Die Ertüchtigung der Strecke auf Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, bis 2020 soll der ETCS-Ausbau stattfinden, ging einher mit dem Bau von sechs neuen elektronischen Stellwerken und der Beseitigung ebenerdiger Straßenübergänge. In Brandenburg wurden 7 Eisenbahnbrücken und 19 Durchlässe, in Sachsen 7 Brücken erneuert.

Ferlemann lobt Länder
Wesentlich war die finanzielle Unterstützung anliegender Gemeinden durch die Länder, um anteilige Kosten für die Ersetzung von Straßenübergängen durch Brücken zu decken. Brandenburg habe sich „mustergültig“ engagiert, betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann gegenüber bahn manager: „Die Kommunen haben insgesamt bis zu 90 Prozent ihrer Kosten übernommen bekommen, und 10 Prozent Eigenanteil kann eine Gemeinde schon schultern.“

Das Projekt umfasste auch den Bau von 1,2 Kilometer Lärmschutzwänden und umfangreiche Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen. Für die beteiligten Bauunternehmen Strabag sowie die Arbeitsgemeinschaft Spitzke/Bunte/Hentschke erklärt der Spitzke-Direktor für Großprojekte Eckard Martin: „Partnerschaftliches Verhalten und zeitnahes pragmatisches Handeln bestimmen den Erfolg eines Projekts. Und das haben wir hier praktiziert.“ Um die Fahrtzeit zwischen den Hauptbahnhöfen Berlins und Dresdens auf 80 Minuten zu verkürzen, sind noch der Bau der Dresdner Bahn und der Ausbau der Streckenabschnitte zwischen Blankenfelde und Wünsdorf, zwischen Großenhain und Elsterwerda sowie der Umbau des Bahnhofs Doberlug-Kirchhain im Rahmen der 2. Ausbaustufe erforderlich.

Vectron-Loks im Einsatz?
Weitere Verbesserungen wird ab Sommer 2018 seitens der Tschechischen Staatsbahnen ČD der Einsatz von Mehrsystem-Elektroloks bringen. Die notwendige Zulassung durch DB Netz für die von Škoda Transportation gebaute Lokomotive 109E / ČD-Baureihe 380, Markenname Emil Zátopek, wurde in den letzten Tagen erteilt. Allerdings hatten die ČD in der Zwischenzeit auch einen Pachtvertrag über 10 Siemens-Vectron-Lokomotiven abgeschlossen, so ČD-Sprecher Radek Joklík: „Wir konnten das Risiko nicht eingehen, unsere Verpflichtungen gegenüber der Deutschen Bahn im Rahmen des Projekts Prag – Berlin – Hamburg nicht zu erfüllen.” Gut möglich also, dass zunächst Vectron-Loks den Grenzverkehr ohne Lokwechsel vornehmen.

Einen Video-Bericht gibt es im neuen Youtube-Kanal des bahn manager Magazins.

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