CAF investiert in Polens Bushersteller Solaris

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Der spanische Schienenfahrzeughersteller CAF und der polnische Bushersteller Solaris unterzeichneten vertraglich die Zusammenführung ihrer Potenziale, um eine “führende Position in Europa im Bereich nachhaltiger urbaner Mobilitätssysteme” zu erreichen. Details werden in den kommenden Wochen vereinbart.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager 

Das 1996 vom Ehepaar Solange und Krzysztof Olszewski gegründete Unternehmen Solaris Bus & Coach S.A. beschäftigt derzeit in seinen Produktionsstätten Bolechowo bei Poznań/ Posen und Środa Wielkopolska 2.300 Mitarbeiter. Solaris-Fahrzeuge sind in 32 Ländern in über 700 Städten vertreten. Solaris ist europäischer Marktführer für Elektrobusse und Oberleitungsbusse. Da Ehemann Krzysztof seit einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen für die Firmenleitung nicht zur Verfügung steht, strebte seine Frau Solange eine professionelle und finanzielle Erweiterung des Aktionsradius an.
Die „Compañia Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.“ wurde 1917 als Fabrik für Güterwaggons gegründet und stellt heute Schienenfahrzeuge von Straßenbahnen über Regionalbahnen bis Hochgeschwindigkeitszügen her sowie u.a. Signaltechnik und ist auch im Bereich Dienstleistungen aktiv – Planung, Finanzen und Wartung. Produkte der CAF-Gruppe sind weltweit anzutreffen, Fertigungsstätten liegen in Spanien, Mexiko, Brasilien, den USA, Großbritannien und Frankreich.

Solange Olszewska, CEO von Solaris Bus & Coach:

“Ich glaube daran, dass wir mit unserer Entscheidung für CAF als Investor für Solaris eine vielversprechende Zukunft für die Marke, ihre Kunden und ihre Mitarbeiter schaffen. Ich bin der festen Überzeugung, dass CAF das Potenzial von Solaris auf globaler Ebene weiterentwickeln kann. Das wird Solaris auf einen höheren Entwicklungsstand bringen.”

Andrés Arizkorreta, Präsident und CEO von CAF:

“Zusammen mit Solaris werden wir zu einem führenden Anbieter von Lösungen für die stӓdtische Mobilität, der mit seinem Angebot über das Segment der Schienenfahrzeugen hinausgeht, vor allem im Bereich der Elektromobilität. Wir wollen die wertvolle Marke von Solaris weiterhin nutzen und weiterentwickeln und ihren polnischen Charakter beibehalten. Die Kombination des Know-hows beider Unternehmen zusammen mit der Innovation von Solaris sowie seiner Erfahrung im Busbaugeschäft wird uns ermöglichen, auf Bedürfnisse unserer Kunden noch besser eingehen zu können und gleichzeitig Wertzuwachs für unsere Aktionäre zu erzielen.”

Hamburg kauft 10 Solaris-Elektrobusse

Durch den Einstieg bei Solaris kann CAF seine Angebotspalette um moderne straßengebundene Angebote der Elektromobilität erweitern. Gerade erst erweitete die Hansestadt Hamburg ihre ökologische Busflotte. Die Hamburger Hochbahn erwarb dazu 10 Elektrobusse Solaris Urbino 12. “Der Hamburger Senat hat beschlossen, dass die lokalen Verkehrsbetreiber ab 2020 nur noch emissionsfreie Batteriefahrzeuge anschaffen sollen”, berichtet Mateusz Figaszewski, Solaris-Bevollmächtigter für Elektromobilität, gegenüber bahn manager. “Wir freuen uns, dass Hamburg dabei auf unsere Fahrzeuge setzt.” Der Kaufvertrag sieht vor, dass die ersten zwei Busse noch im Herbst dieses Jahres geliefert werden und die übrigen im Herbst 2019 folgen.Seit 2006 schaffte Hamburg insgesamt 30 Solaris-Busse an: 25 mit Dieselantrieb und fünf Elektrobusse, davon zwei mit einer zusätzlichen Brennstoffzelle. Eingesetzt werden die Elektrobusse aus Polen in Hamburg vor allem auf der Innovationslinie 109, die Bussen mit umweltfreundlichen und völlig emissionsfreien Antrieben vorbehalten ist.

Der Hamburger Kauf bestätigt die Rolle des polnischen Herstellers als wichtigstem Lieferanten Europas für “grüne” Elektrobusse. So unterzeichnete Solaris Anfang Juni die Lieferung von bis zu 80 Gelenkoberleitungsbussen Trollino 18 an den Betreiber ATM in Mailand. Einen Monat zuvor bestellte das Mailander Unternehmen bei dem polnischen Lieferanten 25 Batteriebusse. Auch die jetzt bestellten Oberleitungsbusse des Typs Trollino 18 sind neben zwei Traktionsmotoren mit einer Leistung von je 160 kW auch mit leistungsstarken Batterien ausgestattet. Diese haben eine Kapazität von 45 kWh und ermöglichen eine Fahrt bis zu 15 km ohne Oberleitung – bei Stromausfall oder in historischen Stadtteilen, in denen es kein Oberleitungsnetz gibt. Die Batterien kommen auch zum Einsatz, wenn die ständige Überwachung der Isolierung zwischen den mit Hochspannungsstrom versorgten Komponenten und dem Gerippe eine Störung feststellt. Denn in diesem Fall werden die Stromabnehmer automatisch eingezogen.

Nach Angaben des polnischen Herstellers war 2017 mit 1397 verkauften Bussen ein Rekordjahr. Der Umsatz betrug etwa 434 Milionen Euro.  Wie bereits in den 14 Vorjahren behauptete sich Solaris als Spitzenreiter am polnischen Markt für Stadtbusse mit einem Anteil von über 50%. Exportiert wurden 70 Prozent der Produktion vor allem nach Italien (225 Busse), Deutschland (200 Busse), Norwegen (109 Stück) und Lettland (96 Fahrzeuge). Neu hinzugekommene Exportländer sind die Niederlande und Luxemburg. Zwei neue BusseSolarisUrbino 12 mit umweltschonenden Dieselmotoren gemäß der neuestenAbgasnorm Euro 6 lieferte Solaris im April dieses Jahres an den bayerischen Verkehrsbetreiber SÜC Coburg, einen Neukunden. Zu speziellen Features nach Kundenwunsch gehören eine Kaltstartfunktion, ein Automatikgetriebe mit Kickdown-Funktion, eine Anti-Graffiti-Beschichtung der Sitze, Videoüberwachung sowie ein
Brandschutzsystem mit automatischer Löschfunktion.

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