CFL: WIR SETZEN DIE TICKETPREISE AUF NULL

in Bahnmarkt Europa von

Nachdrücklich zu kommunizieren, was der Wille ist – die Bevölkerung soll ermuntert werden, auf Bahn und öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Dieses Ziel setzen sich die Luxemburger Eisenbahnen CFL, erfuhr der bahn manager bei einem Besuch der Unternehmenszentrale im Großherzogtum.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Im Interview mit Marc Hoffmann, seit 2008 Direktor des Personenverkehrs bei den CFL ging es auch um neue Züge und den Ausbau der Auslandsrelationen. Ein spannendes Thema waren die seit dem 1. März 2020 geltenden neuen Ticket-Tarife. Hoffmann: „In der Tat, das ist eine Entscheidung der luxemburgischen Regierung für den gesamten öffentlichen Nahverkehr Luxemburgs, auf dem gesamten Gebiet die Preise auf null zu setzen. Das gilt für alle Verkehrsmittel Zug, Bus, Tram. Das gilt auch bis zur Landesgrenze. Das heißt, nicht nur die Einwohner Luxemburgs profitieren davon, sondern jeder, der nach Luxemburg reist, wird in Luxemburg umsonst reisen können. Die grenzüberschreitenden Tickets werden dementsprechend ab dem Stichtag günstiger.“

In den Worten des CFL-Managers erscheint die Ticket-Revolution als logisches Glied in einer Kette von bahnfördernden Maßnahmen. „Luxemburg ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr stark gewachsen“, erläutert Hoffmann. “Das heißt einerseits, die Einwohnerzahl ist explodiert, hat sich quasi verdoppelt in den letzten 30, 40 Jahren. Andererseits sind mittlerweile fast die Hälfte aller Arbeitnehmer in Luxemburg Grenzpendler, das heißt, vor allem morgens nach Luxemburg reinfahren und abends zurück nach Hause. Neben dem Wohnungsbau ist die Mobilität, glaube ich, das wichtigste politische Thema heute in Luxemburg, um auch die weitere wirtschaftliche Entwicklung nicht zu gefährden. Dazu braucht es viele Maßnahmen.

In diesem Zusammenhang seien die Investitionen in die Infrastrukturen und Verkehrsprojekte zu sehen. „Es wird sehr viel gebaut, neue Strecken, neue Bahnhöfe und so weiter. Es werden neue Züge in Betrieb gesetzt, eine neue Straßenbahn. Aber dazu kommt dann der Anreiz für die Leute, auch auf diese neuen Angebote umzusteigen.“ Die Politik des Landes gewährleiste auch eine stabile langfristige Planung: „Infrastrukturprojekte, Anschaffung von Rollmaterial, das alles sind Projekte, bei denen man nicht von einem Jahr zum anderen wieder eine neue Richtung einschlägt, sondern wo man langfristig ein Konzept haben muss. Das haben wir, glaube ich, im Moment – eine Vielzahl an Projekten, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, alle mit der gleichen Richtung, die Kapazitäten auszubauen und auch die Qualität auszubauen. Das heißt, wir wollen den Betrieb stabiler machen, pünktlicher machen, die Kundeninformation ausbauen, alles mit dem Ziel, die Leute dazu zu bringen, mit uns mitzufahren.“

Wichtig sind auch die Neuanschaffungen von Rollmaterial: „Vor einem Jahr haben wir die Bestellung unterschrieben für 34 neue Triebzüge, 24 kurze mit drei Wagen und zwölf lange. Das entspricht der Erneuerung, dem Ausbau von über der Hälfte unseres Fuhrparks, sodass wir mit einem Schlag unsere Sitzplatzkapazität um 46 Prozent ausbauen werden. Geliefert werden diese Fahrzeuge ab Anfang 2022 bis Ende 2024.“ Das gesamte Interview ist nachzulesen in der Ausgabe 2/2020 des bahn managers.

Als Video findet es sich auf der Bewegtbildplattform des bahn managers unter dem LINK

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