CHINESISCHER LEO EXPRESS-ZUG LANDET IN EUROPA

in Bahnmarkt Europa von

Der erste vom chinesischen Hersteller CRRC stammende Personenzug für ein EU-Land erreicht am 11. September 2019 Europa, meldet sein Besteller – das tschechische EVU Leo Express nutzt die Einführung seiner Neuerwerbung zu einer groß angelegten Werbe- und Kundenbindungsaktion

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Der Elektro-Triebzug wurde von China per Frachtschiff über 20.000 Seekilometer angeliefert und soll in Kürze auf der tschechischen Erprobungs-Ringstrecke in Velim etwa 60 Kilometer östlich von Prag die für die Zulassung notwendigen Erprobungsfahrten absolvieren. Das Bahnunternehmen erhofft einen schnellen Zertifizierungsprozess und plant, das neue Fahrzeug 2020 einzusetzen.

Nach Angaben des Eigentümers handelt es sich bei dem neuen Schienenfahrzeug trotz seiner Herstellung im fernen China im Prinzip um einen tschechischen Zug. “Gemeinsam mit unserem Hersteller haben wir einen neuen Leo Express Sirius-Zug entwickelt, der auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten ist. Wir haben das Projekt, das Eigentum von Leo Express ist, auf Erfahrungen aus einer Milliarde zurückgelegter Kilometer gestützt”, sagte Peter Köhler, CEO von Leo Express, bei der Ankündigung auf dem Prager Manifestmarkt.

Diese Erfahrungen waren mit den bislang eingesetzten Zügen des Schweizer Herstellers Stadler gesammelt worden, der schon zahlreiche Sonderwünsche des Betreibers verwirklicht hatte. Im Dezember 2019 wird Leo Express auf regionalen Strecken in den Regionen Pardubice und Zlin mit Leo Express Lint-Einheiten den Betrieb aufnehmen. Dabei handelt es sich um vier Lint 27 und elf Lint 41 des Herstellers Alstom, die seit dem Jahr 2005 durch Transdev für den HarzElbeExpress (HEX) eingesetzt wurden. Die 15 Dieseltriebwagen wurden zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 frei, als Abellio das große Dieselnetz Sachsen-Anhalt (DISA) übernahm. Für Leo Express wurden die Züge mit dem Zugsicherungssystem Mirel ausgestattet, erhielten unter anderem WLAN, Fahrkartenautomaten, 230 Volt- sowie USB-Steckdosen und eine dem Corporate Design des Unternehmens entsprechende neue Farbgebung.

Der CRRC-Neubauzug soll jetzt von vornherein optimal den Bedürfnissen des tschechischen EVU angepasst sein und der Kundenbindung dienen. So wurde für den Zug der Name Sirius aus über 4000 Vorschlägen von Passagieren ausgewählt. “Wir schätzen das Interesse unserer Kunden an dem neuen Zug. Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel, und wir haben entschieden, dass dies der richtige Name für unsere Einheiten ist “, sagte Peter Köhler und fügte hinzu: “Nächstes Jahr wird Sirius bei erstklassigen Reisen durch das Land glänzen.” Leo Express-Passagiere gaben dem Zug nicht nur den Namen, sondern beteiligten sich an der Erstellung des gesamten Konzepts, berichtet Leo Express-Sprecher Emil Sedlařík: “Die interne Anordnung der Einheiten und einzelnen Elemente wurden nach ihren Bedürfnissen gestaltet.
Leo Express, der den Zug in Zusammenarbeit mit dem CRRC-Hersteller entworfen hat, ist der Autor und Eigentümer sowohl des Konzepts als auch des Designs der Sirius-Einheiten.”

Zahlreiche tschechische Designstudios und einheimische Zulieferer hätten sich an der Gestaltung des neuen Zuges beteiligt, unterstreicht das Bahnunternehmen, diese sei “von Leo Express mit Hilfe von Umfragen in Echtzeit überwacht wurden.” Auch komme “jedes fünfte Teil des Zuges” einschließlich des Sicherheitssystems aus der Tschechischen Republik. Modern sei ein hohes Maß an Energierückgewinnung und ein geringerer Verbrauch dank seiner leichten Aluminiumkonstruktion. “Wenn Fahrgäste mit dem Zug statt mit dem Auto anreisen, sparen sie 97 Prozent Energie und tragen zur Emissionsreduzierung bei”, so CEO Peter Köhler. Der neue Zug ist barrierefrei, weist Platz für Gepäck, Ski und Fahrräder auf sowie die bewährten verschiedenen Reiseklassen und Kinderbereich. Bislang hat Leo Express drei Elektrotriebzüge vom größten Bahnhersteller der Welt gekauft mit der Option, 30 weitere Einheiten zu kaufen. Der Gesamtwert der Transaktion beträgt 5 Milliarden Kronen, umgerechnet etwa 39 Millionen Euro.

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