CRRC DARF VOSSLOH-LOKWERK IN KIEL ÜBERNEHMEN

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Das Bundeskartellamt hat am 27.4.2020 den Erwerb der Vossloh Locomotives GmbH, Kiel, durch den chinesischen Bahnproduzenten CRRC freigegeben, es sei keine Gefahr für den Wettbewerb gegeben.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Bereits 2014 hatte das Bahnunternehmen Vossloh beschlossen, seine Kieler Lokomotivfabrik zu veräußern. Man wolle sich auf das Kerngeschäft im Bereich Schienen, Weichen und Digitalisierung  zu fokussieren. Im August 2019 war die zum CRRC-Konzern gehörige CRRC Zhuzhou Locomotives Co., Ltd., Zhuzhou, mit Vossloh handelseinig geworden. Daraufhin hatte der chinesische Käufer einen Freigabeantrag beim Bundeswirtschaftsministerium gestellt. Dieses hätte gegen die Pläne nach dem Außenwirtschaftsgesetz ein Veto einlegen können, gab aber am 27. Februar 2020 seine Zustimmung. Vertreter von CRRC hatten gegenüber bahn manager die Erwartung geäußert, dass die fehlende Stellungnahme des Bundeskartellamts im April zu erwarten sei. Dies fand jetzt statt.

„In dem Fusionsfall CRRC/Vossloh Locomotives haben wir alle Besonderheiten, die mit der Übernahme eines europäischen Unternehmens durch ein chinesisches Staatsunternehmen einhergehen, sehr gründlich geprüft“,

erklärte der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. „CRRC übernimmt mit Vossloh einen wichtigen Hersteller von Rangierlokomotiven in Europa. Bei der Bewertung der Fusion sind die Möglichkeiten staatlicher Subventionen, die Verfügbarkeit von technischen und finanziellen Mitteln und die strategischen Vorteile aus anderen Unternehmensbeteiligungen in die wettbewerbliche Prognose eingeflossen.“

Mundt führte aus, bei der Entscheidung sei berücksichtigt worden, dass „CRRC künftig von dem Know-how des etablierten Herstellers Vossloh bei den aufwändigen Zulassungsverfahren für Rangierlokomotiven profitieren“ könne. Erwogen wurde auch eine mögliche „Gefahr von Niedrigpreis- und Dumpingstrategien und den Kostenvorteilen aufgrund des staatlich geförderten Engagements von CRRC in vielen anderen Märkten“.  Dennoch hätten „durchaus vorhandenen Bedenken“ keine Untersagung des Vorhabens begründen können. Andreas Mundt: „Vossloh Locomotives hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, zugleich sind neue Wettbewerber mit innovativen Antriebstechniken in den Markt eingetreten. Neben Vossloh sind inzwischen mehrere starke Wettbewerber tätig. CRRC spielt auf dem europäischen Markt hingegen bisher nur eine untergeordnete Rolle.“

Im März 2018 hatte das Kieler Unternehmen der Presse sein neues Werk im Stadtteil Suchsdorf vorgestellt. Darüber berichtete bahn manager online am 10. März 2018 sowie im Heft 4/2018. Etwa 40 Lokomotiven können derzeit in dem hochmodernen Werk gebaut werden. Star ist die 4-achsige 1800 kW-Diesellokomotive DE 18 mit 120 km/h Höchstgeschwindigkeit. Sie ist für den Rangier-, Gleisbau- und Streckeneinsatz geeignet und auch für den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland zugelassen. Bei dem Verfahren vor dem Bundeskartellamt war offensichtlich hilfreich, dass die Baureihe sowie ihre Schwestern als Rangierlokomotiven eingestuft wurden, worauf in der Begründung für die Fusion mehrfach hingewiesen wurde.

In seiner weiteren Begründung führt das Bundeskartellamt aus, „etablierte Bahntechnik-Hersteller wie Alstom, Stadler und Toshiba“ seien inzwischen „mit innovativen Antriebstechniken in den europäischen Markt eingetreten und bieten jetzt ebenfalls Rangierlokomotiven an. In diesem Fahrzeugmarkt findet derzeit ein Technologiewechsel hin zu Hybrid-Antrieben sowie sog. „Dual-Mode-Lokomotiven“ statt, die sowohl mit elektrischer Oberleitung als auch mit Dieselantrieb fahren können. Das Zielunternehmen Vossloh Locomotives ist mit solchen Lokomotiven bislang nicht vertreten und dadurch in einen wettbewerblichen Rückstand geraten.“

Zusammenfassend erklärte der Präsident des Bundeskartellamts: „Auf der Grundlage unserer Ermittlungen war auszuschließen, dass die Übernahme zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf dem Markt für Rangierlokomotiven in Europa führen würde. Obwohl es sich bei CRRC um ein durch den chinesischen Staat stark protegiertes Unternehmen handelt, das gleich in zwei Industriestrategien – „Made in China 2025“ und „Neue Seidenstraße“ – eine wichtige Rolle spielt, zeigt der Fall, dass chinesische Staatsunternehmen zwar mit großer wirtschaftlicher Kraft in Märkte eintreten, dass das aber nicht generell mit einer Bedrohung für den Wettbewerb gleichgesetzt werden kann.“

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