CRRC: „Handel mit Europa ausbauen“

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„Wir wollen unseren Handel mit Europa ausbauen,“ erklärte auf der Bahnmesse Trako 2017 im polnischen Gdańsk/Danzig gegenüber bahn manager Magazin ein Vertreter des chinesischen Bahnherstellers CRRC. Sein Konzern nahm an einer Ausschreibung in Polen teil, gewann sie jedoch nicht.

Von Hermann Schmidtendorf

2015 vereinigten sich die Nord- und Südchinesische Eisenbahn-Gesellschaft zu CRRC, dem heute umsatzstärksten Bahnhersteller der Welt. Auf der polnischen Bahnmesse Trako stellte der Konzern Modelle seiner Produkte aus, die Vielfalt beeindruckte. Viele sprechen über „die Chinesen“, bahn manager Magazin sprach auf dem 5. Berliner Railway Forum sowie der Trako mit ihnen, der Dialog wird fortgesetzt. Der stellvertretende CRRC-Abteilungsdirektor für Übersee-Handel Chen Lisheng präsentierte sein Angebot in gutem Englisch und mit erheblichem Selbstbewusstsein.
„Wir bieten alle möglichen Produkte an, die alle Bereiche der Eisenbahnindustrie abdecken“, so Lisheng. „Es gibt auch neue Technologien wie Superkondensatoren und magnetische Maglev-Bahnen. Wir möchten Polen und anderen Kunden mit unserer Berufserfahrung dienen, unserem Know-how, unseren Produkten. Wir wollen unseren Handel mit Europa ausbauen.“

CRRC nahm an einer Ausschreibung des polnischen staatlichen EVUs PKP Intercity über die Lieferung von 20 bis 30 Elektrolokomotiven einschließlich ihrer Unterhaltung teil. Bei der Öffnung der Angebote lagen zwei polnische Anbieter vor den Chinesen. Zwar bot polnischen Pressemeldungen zufolge CRRC mit 2,88 Millionen Euro den günstigsten Nettopreis je Lokomotive (Pesa 2,98 und Newag 3,4 Millionen Euro). Doch in der Gewichtung der Offerten waren die Unterhaltungskosten gleichrangig, bei denen Newag mit 0,10 Euro netto je gefahrenen Kilometer deutlich die Konkurrenz unterbot (Pesa 0,32 und CRRC 0,27 Euro/km). Insgesamt schnitt so der südpolnische Produzent am Günstigsten ab, überschritt jedoch geringfügig den Rahmen des von PKP IC gesetzten Gesamtbudgets, so dass noch keine endgültige Entscheidung verkündet wurde. Mit Erstaunen kommentierten polnische Fachmedien die fehlende Teilnahme des Siemens-Konzerns an der Ausschreibung.

Nicht bei der ersten Ausschreibung in Polen zum Zuge zu kommen, dürfte den chinesischen CRRC-Konzern kaum abschrecken. Im September 2016 verkündeten das tschechische Verkehrsunternehmen Leo Express und CRRC, der chinesische Konzern solle bis Mitte 2018 drei Elektrotriebzüge liefern mit der Option auf bis zu 30 in den folgenden drei Jahren. „Die Züge werden 160 km/h fahren und außer für Tschechien auch für die Fahrt in der Slowakei und Polen angepasst“, erklärte der CRRC-Vizegeneraldirektor Liao Hongtao. Der Preis von etwa 20 Millionen Euro für die drei Europa-Prototypen umfasst auch Ersatzteile, nötige Teste und Schulungen. Ende September 2016 eröffnete CRRC Zhuzhou Electric Locomotive Co., Ltd. (CRRC ZELC) im Wiener DC Tower mit Gründung der CRRC ZELC Verkehrstechnik GmbH seine Europazentrale. Von dort aus soll der Europa-Handel nunmehr gesteuert werden. Bislang waren mit Mazedonien und Serbien nur europäische Länder außerhalb der EU Kunden. Das zeigt die starke Professionalisierung des chinesischen Auftritts in der letzten Zeit.

Vor der Fusion der nord- und südchinesischen Produzenten hatte 2010 das staatliche polnische Güter-EVU PKP Cargo bei einem Besuch des polnischen Verkehrsministers Juliusz Engelhardt in China eine joint venture mit dem damaligen nordchinesischen Konzern CNR gegründet. PKP Cargo wollte aus China gelieferte Baugruppen zu kompletten Güterwagen montieren. Doch Sprach- und Mentalitätsprobleme machten eine Verständigung schwer, die polnisch-chinesische Montagewerkstatt entstand nie. Anscheinend war es für eine solche Idee damals noch zu früh.

Mehr zu CRRC im bahn manager Video, mehr zu Leo Express in der neuesten Ausgabe 6/2017 des bahn manager Magazins.

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