DB-VORSTAND: ARRIVA VERKAUFEN, SCHENKER HALTEN

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Geht es nach DB-Chef Dr. Richard Lutz, soll die Auslandstochter für Personenverkehr DB Arriva verkauft, die Logistiktochter DB Schenker jedoch komplett gehalten werden.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Auf der letzten Sitzung mit dem Aufsichtsrat hieß es seitens des DB-Vorstands, Arriva habe “nur geringe strategische Relevanz”. Demnach gehört zur Strategie der Deutschen Bahn anders als bei den Staatsbahnen Frankreichs, Italiens oder der Niederlande nicht mehr, ein europäischer Player im Personenverkehr zu sein. Dadurch reduzieren sich die Chancen, in Deutschland nicht mehr benötigte Gebraucht-Züge bei einer ausländischen Tochter unterzubringen. Verstärkt wird hingegen voraussichtlich die Tendenz, abgesehen von ICE-Verbindungen kaum grenzüberschreitenden Personenverkehr anzubieten.

Die neue Strategie stellte der Vorstand der Deutschen Bahn AG unter dem Motto „Starke Schiene“ vor. “In diesem Zusammenhang” sei DB Schenker “eine echte Hilfe für DB Cargo beim profitablen Wachstum”, hieß es. Eine bemerkenswerte Aussage – schließlich gibt es bislang kaum Zusammenarbeit zwischen der DB-Güterverkehrs-Schienensparte und DB Schenker. Vielmehr bliebe bei Einhaltung dieser Linie die Deutsche Bahn weiterhin Herr über 34.600 dieselbetriebene Lastkraftwagen – diese Zahl nannte die Bundesregierung Ende April 2019 in Beantwortung einer Anfrage der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen. Und das, obwohl die DB sich ihrer grünen Stromoffensive im Zugverkehr rühmt – bis 2038 soll die DB nur noch mit Öko-Strom fahren. Für DB Schenker gibt die DB-Webseite nur die Verpflichtung an, “als erster internationaler Logistiker” – immerhin – “in der nächsten Dekade CO2-neutral zu wachsen.” Wachsen, nicht fahren…

Der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock ist das viel zu wenig, sie fordert eine Abkehr vom Straßenverkehr bei der DB: “Dazu gehört der Schienenausbau genauso wie der Verkauf der Konzerntochter Schenker!” Doch damit trifft sie offenbar weder für die DB noch für die regierende Koalition den richtigen Ton. DB-Chef Lutz betrachtet jedenfalls trotz der Straßenbindung DB Schenker als Stärkung für den “europäischen Schienengüterverkehr. Deshalb ist DB Schenker integraler Bestandteil des Konzernportfolios.” Gleichzeitig will er, so die Aussage beim Treffen mit dem DB-Aufsichtsrat, mit DB Cargo “70 Prozent mehr auf deutschen Schienen transportieren”.

Ein optimistisches Ziel – erklärte doch die Bundesregierung in Beantwortung einer Kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion (Drucksache 19/9440), DB Cargo besitze derzeit “1 893 Loks im Eigentum, durchschnittlich 28 Jahre alt”, sowie “rd. 65.000 Güterwagen mit einem durchschnittliches Alter von 30 Jahren”. Im Jahr 2000 hielt die DB noch etwa 120.000 eigene Güterwagen vor. Auch ein grenzüberschreitender Wettbewerb scheint derzeit nur partiell möglich, denn eine Nachrüstung der Bestands-Lokomotiven mit ETCS ist offenbar nicht vorgesehen. “DB Cargo verfügt über 200 ETCS-fähige Lokomotiven. Der Bestand wird ausgebaut, z. B. durch die Bestellung weiterer 40 mehrsystemfähiger Lokomotiven Anfang 2019”, heißt es in der genannten Antwort der Bundesregierung.

Auch die anderen Ziele der neuen DB-Strategie sind als ambitioniert zu bezeichnen. Zweistellige Milliardenbeträge sollen in neue Züge investiert und die Betriebsleistung auf dem Netz um 30 Prozent gesteigert werden, in den nächsten Jahren sollen über 100.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden – das alles “in einem gemeinsamen Kraftakt von DB, Branche und Politik”. Abgesehen von der nicht logisch erscheinenden Aussage, DB Schenker sei Teil der “Konzentrierung auf das Kerngeschäft”, werden vor allem Ziele für den Personen-Schienenverkehr gesetzt. So soll der DB-Fernverkehr die Zahl der Reisenden auf mehr als 260 Millionen pro Jahr verdoppeln, für über 30 Großstädte gäbe es dann einen 30-Minuten-Takt zwischen Deutschlands Metropolen. “Intelligente Angebote für den urbanen und gerade auch den ländlichen Raum” sollen “im ÖPNV zusätzlich eine Milliarde Kunden gewinnen”. Die Bahnhöfe der DB sollen “zu Drehscheiben multimodaler Mobilität und Zentren urbanen Lebens” werden mit einer “Verdoppelung der Kapazität auf bis zu 40 Millionen Gäste täglich”, unter anderem durch Kopplung der Angebote von “Schiene, Rad, Bus sowie neuen Mobilitätsangeboten (CarSharing, EScooter)”.

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