Deutsch-Polnische Rekordfahrt

in Bahnmarkt Europa von

Sonntag früh um 0.23 Uhr strahlte der Berliner Verkehrsexperte Dr. Jürgen Murach: „94 Minuten! Wir fuhren genau fünf Minuten schneller als die Deutsche Reichsbahn 1939!“ Normalerweise dauert heutzutage eine fahrplanmäßige Fahrt vom polnischen Gorzów (Landsberg an der Warthe) nach Berlin zwischen 137 und 170 Minuten…

Von Hermann Schmidtendorf, bahn manager

Am 15. September 2018 hatte die SPD Berlin zusammen mit ihrem Fachausschuss Mobilität einen Dieseltriebzug der Berliner Niederbarnimer Eisenbahn NEB gechartert. Der Dieseltriebzug vom Typ Link wurde vom polnischen Hersteller PESA für den Pendelverkehr Berlin-Kostrzyn beziehungsweise Gorzów gebaut. Jetzt diente er einer Sonderfahrt, die zunächst nach Zielona Góra (Grünberg) und dann nach Gorzów führte. Dabei konnte teilweise auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs von 140 Stundenkilometern ausgefahren werden.

„Auf dem Abschnitt Gorzów-Berlin können wir eine solche Fahrt nur in den Nachtstunden machen, wenn es auf der teilweise eingleisigen Strecke keinen Gegenverkehr gibt“, erläuterte gegenüber bahn manager Organisator Murach. “Deshalb fordern Berlin, Brandenburg wie auch die Berliner SPD und die polnische Partnerpartei SLD, dass die Ostbahn auf dem deutschen Abschnitt komplett zweigleisig ausgebaut wird und perspektivisch auch elektrifiziert. Dann könnten auch endlich wieder Fahrzeiten realisiert werden, die kürzer und nicht länger als in der Dampflokzeit sind.”

In Polen finden im Oktober Kommunalwahlen statt, deshalb nutzten die Berliner und Brandenburger Sozialdemokraten die Sonderfahrt zu Treffen mit ihren polnischen Parteifreunden auf den Unterwegs-Bahnhöfen und zu Pressegesprächen, bei denen sie ihre verkehrspolitischen Forderungen erläuterten. In der an Brandenburg angrenzenden Wojewodschaft Lubuskie regiert derzeit die Schwesterpartei SLD mit einer Koalition, so dass die Verständigung mit den deutschen Ländern reibungslos funktioniert. In Gorzów wurden die Reisenden sogar durch einen modernen MAN-Hybrid-Stadtbus empfangen mit der Aufschrift “Fachausschuss Mobilität Willkommen in Gorzów!

Einen Bahnrekord führte am Vortag der Berliner Messe INNOTRANS auch die niederländische Staatsbahn NS durch. Am 17. September demonstrierte sie mit einen einmaligen schnellen Inter-City-Service von Amsterdam nach Berlin, wie die Reisezeiten zwischen den Städten verkürzt werden können. Unter den Reisenden befand sich auch der CEO der NS Roger van Boxtel. Die Strecke Amsterdam Centraal (Abfahrt 9.27 Uhr) – Bad Bentheim wurde ohne Halt zurückgelegt, um die Innotrans in weniger als 6 Stunden zu erreichen. NS-Vertreter erklärten ihre Hoffnung, dauerhaft eine schnelle Verbindung nach Berlin anzubieten.

Dazu will das EVU 12 Mehrsystemlokomotiven erwerben, damit ein Lokwechsel in Bad Bentheim entfallen kann. Genau das fordern auch Berlins SPD und die Verkehrsexperten des Berliner Senats: Für den deutsch-polnischen grenzüberschreitenden Personenverkehr sollten mehr Triebfahrzeuge angeschafft werden, die in beiden Ländern für den Verkehr zugelassen sind. In den Niederlanden herrscht dasselbe Bahnstromsystem wie in Polen. Eine Lösung könnte ein Fahrzeugpool sein, bei dem sich interessierte EVUs benötigte Fahrzeuge ausleihen können.

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