DEVK: MIT BETRIEBLICHEN LEISTUNGEN BEI FACHKRÄFTEN PUNKTEN

in Personal & Management von

Trotz Corona bleibt der Kampf um gute Fachkräfte eine große Herausforderung für viele Verkehrsunternehmen. Egal, ob Busfahrer, Triebfahrzeugführer oder Ingenieure – Nachwuchs- und Fachkräfte sind heißt begehrt. Ein bahn manager-Gespräch mit Michael Küster, Verkehrsmarkt-Experte bei den DEVK Versicherungen. 

bahn manager Magazin: Herr Küster, wie steht es aktuell um das Thema Fachkräftemangel in der Schienenbranche?

Michael Küster: Der Mangel an gut ausgebildetem Personal hat sich trotz der aktuellen Einschränkungen nicht geändert. Das gilt vor allem für Triebfahrzeugführer. Noch immer dauert es bis zu 200 Tage, eine offene Stelle zu besetzen. Nicht nur die Deutsche Bahn, auch die Privatbahnen suchen fahrendes Personal. Fehlen die Lokführer, besteht das Risiko, dass Züge ausfallen und die Unternehmen Strafen an die Aufgabenträger zahlen müssen. Darüber hinaus fordert und finanziert die Politik eine Angebotsausweitung mit dem Ziel, mehr Fahrgäste in den Öffentlichen Verkehr zu bekommen. Diese positive Entwicklung erhöht den Druck, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.

Kann man denn überhaupt noch von einem Kampf um Fachkräfte nur innerhalb der Schienenbranche sprechen?

Eigentlich müssen wir von einem branchenübergreifenden Kampf des ÖPNV und der Transportbranche um Fachkräfte sprechen. Am Ende des Tages kämpfen alle um Personal. Allerdings sind die Voraussetzungen unterschiedlich: Lokführer werden in der Regel besser bezahlt als zum Beispiel Busfahrer oder Lkw-Fahrer. Deren Ausbildung für Fahrten auf der Schiene dauert aber länger. Dafür sprechen wir beim Eisenbahnverkehr öfter über Schichtsysteme, die außerhalb der üblichen Arbeitszeiten stehen. Dies entspricht nicht den Wunscharbeitszeiten, besonders von jungen Menschen. Die demographische Entwicklung verschärft die personelle Situation. Arbeitgeber müssen attraktive Angebote entwickeln, um sich am Markt zu behaupten.

Welche Berufe sind neben Triebfahrzeugführern und Busfahrern besonders gefragt?

Betriebspersonal sowie Service-Kräfte werden auch in Zukunft händeringend gesucht. Große Herausforderungen gibt es zum Bei-spiel bei der Elektrifizierung des Busver-kehrs. Statt klassischen Mechanikern benötigen Hersteller und Verkehrsunternehmen mehr Mechatroniker, Elektriker und IT-Spezialisten. Schwierig bleibt es auch bei Ingenieuren — egal, ob Elektro, Maschinenbau oder Tiefbau. Allein der Verband der Deutschen Eisenbahningenieure geht bis 2030 von jährlich 3.000 neu einzustellenden Spe-zialisten aus. Außerdem kämpfen Bund und Länder verstärkt um Nachwuchskräfte für die Eisenbahnverwaltung.

Was ist Ihre Einschätzung, wie sich das Thema die nächsten Jahre entwickelt? Welche Folgen hat die aktuelle Corona-Pandemie?

COVID-19 hat die Entwicklung zu mehr ÖPNV ausgebremst, aber nicht aufgehalten. Wir müssen den umweltfreundlichen Personen- und Güterverkehr weiter ausbauen. Dazu wird weiterhin mehr Personal notwendig sein. Durch mehr Digitalisierung und Home Office wird es nach Ende der Pandemie auf jeden Fall weniger Pendler geben. Möglicherweise werden Risikogruppen verstärkt auf das eigene Auto umsteigen. Trotzdem müssen sich Verkehrsunternehmen weiterhin als attraktiver Arbeitgeber platzieren.

Fachkräfte gewinnen und halten. Welche Faktoren spielen Ihrer Erfahrung nach eine zentrale Rolle?

Zuerst kommen die harten Fakten: Gehalt und Wohnort. Darüber hinaus erwarten viele Arbeitnehmer im Büro die Möglichkeit von Home Office und guten Sozialangeboten. Bei allen Mitarbeiter-Gruppen punkten Umternehmen mit gutem betrieblichen Gesundheitsmanagement sowie einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) und einem Zeitwertkonto. In vielen Branchen sind diese Angebote schon länger etabliert. Zum Schluss kämpft der Verkehrsmarkt auch mit anderen Wirtschaftszweigen um Personal.

Stichwort Altersvorsorge und Zeitwertkonten. Welchen Stellenwert haben diese Angebote bei den Arbeitnehmern?

Eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge (bAV) und ein Arbeitgeberzuschuss zu der Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers wird in der Verkehrsbranche jetzt Standard. Entsprechende Regelungen wurden und werden in den Tarifverträgen vereinbart. Bei den Zeitwertkonten läuft die Arbeit an einer Branchenlösung für die Schienenbranche auf Hochtouren. Und das zu Recht. Nicht nur junge Arbeitnehmer erwarten Unterstützung, ihre Lebensarbeitszeit individueller gestalten zu können. Im Verkehrsmarkt sind Zeitwertkonten besonders für den Umgang mit Überstunden eine gute Lösung, und das nicht nur für den Arbeitnehmer. Darüber hinaus gewinnen andere betriebliche Vorsorgeangebote an Relevanz. Zum Beispiel die betriebliche Krankenversicherung oder der Schutz vor Berufsunfähigkeit. Arbeitgeber, die sich breit aufstellen, binden Ihre Mitarbeiter und gewinnen leichter neue Arbeitnehmer.

Wie viel Mehraufwand müssen die Unternehmen einplanen?

Wer sich das erste Mal mit bAV und Co. auseinandersetzt, verliert im Angebotsdschungel schnell den Überblick. Viele Unternehmen befürchten, dass sie den zusätzlichen Mehraufwand im Tagesgeschäft nicht stemmen können. Hier kann ich ausdrücklich Entwarnung geben. Erfahrene Anbieter erarbeiten mit den Kunden immer zuerst ein passendes und tragbares Konzept. Sie wissen außerdem, worauf man bei der Einführung in bestehende Prozesse achten muss. Das gilt nicht nur für Personalwesen, sondern auch für Bilanzierung und Steuerangelegenheiten — so machen wir es zumindest bei der DEVK. Bei der Umsetzung im Alltag fällt dann gar nicht mehr so viel Arbeit an.

Was ist Ihre persönliche Empfehlung für dieses Thema?

Arbeitgeber sollten sich intensiv mit Angeboten für ihre Arbeitnehmer auseinandersetzen. Egal, ob Vorsorge-Lösungen oder Zeitwertkonten: Am Ende muss das Konzept zum Unternehmen und den Mitarbeitern passen. Als DEVK bieten wir ganzheitliche Branchenlösungen für Planung und Umsetzung an. Das hilft unseren Kunden dabei, sich attraktiv zu positionieren. So können sie sich ganz auf ihr Kern-geschäft konzentrieren.

Das Interview führte Dennis Peizert.

Michael Küster: Er begann 1984 bei der DEVK in Köln mit einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Inzwischen ist er Experte für betriebliche Vorsorge- und Versicherungslösungen besonders für Verkehrsunternehmen. Außerdem ist er seit 2008 als Geschäftsführer des Forums für Verkehr und Logistik e.V. 

 

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