DIE CHANCE DURCH 3D-DRUCK: PRODUKTION NACH BEDARF

in Schwerpunkt/Werkstatt & Service von

DIE TRANSPORTBRANCHE VERÄNDERT SICH STÄNDIG UND BEWEGT SICH IN EINEM TEMPO, DAS UNTERNEHMEN VOR DIE HERAUSFORDERUNG STELLT, BESSER, SCHNELLER UND WIRTSCHAFTLICHER ZU SEIN ALS DIE KONKURRENZ.

Es zählt ist nicht nur, „was“ man anbieten kann, sondern „wie schnell“ man es anbieten kann. Neben einem schnellen Service besteht im Bereich Mobilität und Transport eine steigende Nachfrage nach kundespezifischen Lösungen. Björn Richter, Strategic Account Manager von Stratasys, berichtet über die Technologie, die der kundenspezifischen Produktion von geringen Stückzahlen im Transportgewerbe ein neues Geschäftsszenario ermöglicht: Additive Fertigung. Additive Fertigung bietet die Möglichkeit, Ersatzteile in geringen Stückzahlen unabhängig von der Komplexität der Bauteile zu entwickeln und zu fertigen. Deshalb ist sie für die Bahn- und Mobilitätsindustrie bestens geeignet. Die neusten Fortschritte bei Hardware und Materialien ermöglichen Nutzern, die Grenzen der traditionellen Fertigung bei der Produktion geringer Stückzahlen zu überwinden. Fahrgasträume können jetzt kostengünstig individuell angepasst werden, und Außen- und Innenteile eines Zugs lassen sich durch bahnzertifizierte additiv hergestellte Bauteile ersetzen. Teure und langwierige Vorlaufzeiten der herkömmlichen Werkzeugfertigung gehören bei der additiven Fertigung der Vergangenheit an. Dies ermöglicht Bahnunternehmen neben der bedarfsgerechten Produktion von Ersatzteilen auch die flexible Herstellung von Fertigungshilfsmitteln und somit eine effizientere Wartung und Instandhaltung von Zügen.

ERHÖHUNG DER FLEXIBILITÄT

Ein großer Vorteil der additiven Fertigung ist die Flexibilität, die für Eisenbahndienstleister und -instandhalter sowie für Bahnbetreiber unerlässlich ist. Durch den Einsatz der additiven Fertigung können Unternehmen in ihrer Produktionsumgebung viel schneller auf plötzliche Änderungen reagieren oder dringende Arbeiten flexibler ausführen. Vor allem können sie hierdurch sehr viel agiler und individueller produzieren – ohne dabei die Genauigkeit, Zuverlässigkeit oder Integrität der gefertigten Bauteile zu beeinträchtigen. Mit additiver Fertigung können Hersteller jetzt auch Bauteile herstellen, welche die strengen Branchenvorschriften erfüllen. Dies betrifft nicht nur den jeweiligen Auftrag, sondern auch die gesamte Lieferkette, da Aufträge sofort bearbeitet werden können und die Prozesse in der gesamten Produktion beschleunigt werden. In der Bahnindustrie ist dies besonders wichtig, da in Unfälle verwickelte oder mutwillig beschädigte Fahrzeuge normalerweise unvorhergesehen ins Depot kommen. Ein Beispiel dafür ist die Siemens Mobility GmbH, die vor Kurzem in Dortmund-Eving das RRX Rail Service Center eröffnete, um dort den gesamten Wartungs- und Instandhaltungsprozess für Züge zu digitalisieren. Mit fast hundert Zügen pro Monat, die das Depot passieren, verfolgt Siemens Mobility das Ziel, den Instandhaltungsbedarf schnell und effizient zu decken und somit den Kunden den besten Servicegrad zu bieten. Mit der Stratasys Fortus 450mc erreicht das Unternehmen eine Zeitersparnis von bis zu 95 Prozent bei den Durchlaufzeiten im Vergleich zu herkömmlichen Fertigungsmethoden und kann so schneller als je zuvor auf Kunden reagieren. Vor allem ist Siemens Mobility mithilfe dieser Technologie nun in der Lage, Bauteile zu fertigen, die in einer für die Bahnproduktion erforderlichen Weise reproduzierbar sind und die wichtige Materialeigenschaften haben, die für eine EN45545–2-Zertifizierung erforderlich sind.

PRODUKTION NACH BEDARF

Kundenspezifische Anforderungen in Verbindung mit geringen Stückzahlen stellen große Herausforderungen an Kunden als auch an den Bahnhersteller und -dienstleister. Um wirtschaftlich rentabel zu sein werden oftmals Mindestbestellmengen verlangt. Daraus resultieren Lagerbestände von Ersatzteilen als auch Werkzeugen, die nicht immer benötigt werden. Die additive Fertigung schließt diese Lücke, da kundenspezifische einmalige Bauteile betriebsintern kostengünstig hergestellt werden können – ohne Mindestmengen. Siemens Mobility etwa hat die additive Fertigung jetzt vollständig in das Serviceangebot integriert und bietet einen Online-Shop für Kunden. Über diesen können Bahnkomponenten und Ersatzteile für Schienenfahrzeuge bedarfsgerecht bestellt werden. Die Aufträge werden bei Siemens Mobility additiv gefertigt und können so zeitnah an den Kunden ausgeliefert werden. Dank dieser Technologie bietet das Unternehmen nun einen Service, der nicht mehr auf Mindestteilbestellungen, lange Durchlaufzeiten und den Transport der Bauteile angewiesen ist.

Des Weiteren ergänzt die kundenspezifische Fertigung das Serviceangebot des Unternehmens und bietet die Möglichkeit, die Entwicklung eines Ersatzteils zu verbessern und zu optimieren, damit es den spezifischen Kundenanforderungen voll und ganz gerecht wird. Armlehnen, Tische oder Türgriffe für Fahrzeuginnenräume können additiv gefertigt werden und bieten Kunden die Möglichkeit, die Form, die Funktion oder das Erscheinungsbild eines Bauteils unabhängig von dessen Komplexität oder Geometrie anzupassen. Dieser zusätzliche Nutzen des Serviceangebots kann sich äußerst positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirken, da es einen Mehrwert für das Serviceangebot darstellt. Die Fortschritte bei der Entwicklung von Materialien sorgen dafür, dass die Anzahl der Anwendungen in der Bahnindustrie, in denen die additive Fertigung die traditionelle Fertigung ersetzen kann, rasant wachsen.

Der thermoplastische Kunststoff ULTEM 9085 von Stratasys weist die für die Schienenzertifizierung erforderlichen Schlüsseleigenschaften auf, die es den Teilen ermöglichen, in anspruchsvollen Umgebungen, wie beispielsweise einem fahrenden Zug eingebaut zu werden. In der Mobilitäts- und Bahnindustrie steckt die additive Fertigung immer noch in den Kinderschuhen. Die Technologie wird jedoch zunehmend positiv aufgenommen, da immer mehr Bahnunternehmen die möglichen Auswirkungen auf Effizienz, Produktivität und Rentabilität erkennen. Siemens Mobility ist ein Beispiel dafür, wie Anbieter im Bereich der Wartung und Instandhaltung von Zügen die Möglichkeiten der additiven Fertigung nutzen, um den Kundendienst und das Angebot bei der Wartung, Bauteilfertigung und im Vertrieb zu verbessern.

BJÖRN RICHTER, Strategic Account Manager GSC bei der Stratasys GmbH mit Sitz in Rheinmünster.

 

zur Startseite
nach oben gehen