“DIGITALISIERUNG IST FÜR DEN MOBILITÄTSSTANDORT DEUTSCHLAND ALTERNATIVLOS!”

in Politik & Recht von

Ein geflügeltes Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte Dr.-Ing. Raimund Klinkner, neugewählter Präsidiumsvorsitzender des Deutschen Verkehrsforums DVF, bei der 35. Mitgliederversammlung seines Verbands in Berlin, MdL Tarek Al-Wazir betonte die Notwendigkeit von mehr Personal für zügige Planungen. 

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Klinkner übernahm sein Amt vom bisherigen Interimsvorsitzenden Dr. Jörg Mosolf. Wechsel im Präsidium betrafen Holger Ketz anstelle von bisher Dr. Hansjörg Rodi, beide Kühne + Nagel (AG & Co.) KG, sowie den Neueintritt von Uwe Brinks (DHL Freight Germany) anstelle von Ulrich Klaus Becker (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club). Die Mitgliederversammlung des DVF stand unter dem Motto “Zukunft der Mobilität”.

Die Mobilität in Deutschland stehe derzeit in den Bereichen Infrastruktur, Digitalisierung und Klimaschutz vor Umbrüchen und Herausforderungen, die es in dieser Form bisher nicht gegeben habe, befand Dr. Klinkner in seiner Rede bei der 35. DVF-Mitgliederversammlung: “Dies geht nur technologieoffen, intermodal und in enger Kopplung mit dem Energiesektor – und, indem die öffentliche Hand auch den notwendigen Rahmen bereitstellt.”

Interessant waren politische Ausführungen des neuen DVF-Präsidiumsvorsitzenden. Er benannte “destruktive” Kräfte des Nationalismus in der Weltpolitik als Gefahr für die internationale marktwirtschaftliche Zusammenarbeit von Industrie und Transportbranche, die als “ideologische Herausforderungen sehr ernst” zu nehmen seien. Auch das Spannungsverhältnis zwischen Nutzungssteigerung des ÖPNV in Städten und ungenügenden Angeboten im ländlichen Raum gelte es zu meistern. Für einen digitalisierten nachhaltigen Verkehr müsse geworben werden, um verbreitete Skepsis abzubauen. Klinkner betonte die Leistungs- und Anpassungsfähigkeit der deutschen Mobilitätsbranche und ermunterte: “Mobilität ist in Deutschland eine Erfolgsgeschichte!”

Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir von der Partei Bündnis 90/Die Grünen hatte mit seinem humoresk gesprenkelten, an plastischen Formulierungen reichen Vortrag das DVF-Publikum schnell auf seiner Seite. In einem “Werbeblock” unterstrich er den Anspruch Hessens, “Vorreiter der Verkehrswende” zu sein. Dazu zählte Al-Wazir Rekordausgaben für Modernisierungen und Sanierungen von Straßenbrücken, Bahnprojekte und einen landesweiten Plan für Fahrradwege. Bei der Infrastruktur gelte das Prinzip “Sanierung vor Neubau”. Der hessische Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen sehe Rekordinvestitionen vor, so dass AL-Wazir betonte: “Das Geld allein ist nicht das Problem. Wenn Sie kein Personal haben, das Ihnen die Planungen macht, nützen Ihnen die Milliarden nichts.” Deshalb habe der Minister den Personalabbau in diesem Bereich gestoppt, neue Stellen geschaffen und die Mittel für externe Planer verdoppelt. Ähnliches empfahl Al-Wazir allen Institutionen, die in ihrem Tätigkeitsfeld nötige Pläne zügig umsetzen wollten.

Wichtig für den Schienensektor war Al-Wazirs Aussage, seit über 20 Jahren nicht realisierte Pläne unter dem Titel “Frankfurt-Rhein-Main Plus” würden jetzt ausgeführt. 12 Projekte für 12 Milliarden Euro seien fest eingeplant, was bundesweit Linderung verspreche – ein Drittel der Verspätungen im deutschen Schienenverkehr werde derzeit durch Engpässe in dieser Region generiert. Umgekehrt belasteten Verspätungen des überregionalen Schienenverkehrs massiv die dortige S-Bahn, die zu über 60 Prozent auf denselben Schienen wie die DB fahren müsse. Wenn also der DB-Fernverkehr seine Verspätungen in den Rhein-Main-Bereich bringe, müssten S-Bahn-Gäste dort sich notgedrungen länger “Bahnhöfe im Kinzigtal anschauen”, weil es für sie nicht weitergehe. Eine Lanze brach Al-Wazir für technologische Experimente wie autonomes Fahren, Oberleitungs-Lkw, alternative Antriebe und Telematik: “In Hessen wird alles gemacht, was irgendwie geht, um aus der Infrastruktur herauszuquetschen, was irgendwie geht!”

Am Ende wollte der Veranstaltungsmoderator wissen, ob Al-Wazir – der Nachname bedeute auf Deutsch “Minister” – sich auch als ein solcher in einer zukünftigen Bundesregierung sehe. Auch diese für nicht wenige Politiker riskante Klippe meisterte der Hesse souverän verschmitzt: Grüne Politik tue einer Bundesregierung im Verkehrsministerium gut, aber das habe – natürlich … – ” nichts mit mir zu tun!”

Die Reden sind auf der Video-Plattform des bahn manager auf YouTube dokumentiert unter den Links:

Dr.-Ing. Raimund Klinkner – https://youtu.be/argL7mrjSOQ

Tarek Al-Wazir – https://youtu.be/SVSgsS3Bg7E

zur Startseite