E-Busse: Solaris fährt vor – deutsche Hersteller sollten zulegen

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Ein Sofortförderprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro verkündete die Bundesregierung am 28. November, um durch den Ankauf batteriebetriebener Stadtbusse der städtischen Luftverschmutzung entgegenzuwirken. Die E-Busse von Solaris legten derweil über 3 Millionen Fahrtkilometer zurück.

Von Hermann Schmidtendorf

Die Grundlinien des Förderprogramms seien bereits seit einiger Zeit bei der Europäischen Kommission eingereicht und daher zustimmungsreif, unterstrich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Durch die Förderung des emissionsfreien Stadtbusverkehrs soll der abgasbelastete individuelle Pkw-Verkehr reduziert und vor Fahrverboten bewahrt werden. Das Programm sieht vor, 80 Prozent der gegenüber traditionellen Dieselbussen höheren Anschaffungskosten zu tragen und auch Ausgaben für die Infrastruktur zu bezuschussen, zum Beispiel für Stromladestationen auf den Betriebshöfen,

Bundesumweltministerin Barbara Hendriks appellierte, die deutschen Bushersteller sollten „endlich mal in die Pötte kommen“ und erklärte: „Im Moment, wenn alle Städte die Elektrobusse bestellen würden, die sie gerne hätten, hätten wir sofort einen riesigen Engpass und würden wahrscheinlich nicht mal mit den polnischen Bussen auskommen, sondern müssten mindestens auch noch die chinesischen kaufen, denn andere sind gar nicht am Markt.“

Serienreife E-Busse aus dem Osten
Der polnische Onlinedienst Niskopodłogowiec analysierte, Batteriebusse würden derzeit durch die chinesischen Unternehmen BYD und CRRC angeboten – momentan entstehe dort eine weitere neue Fabrik – sowie durch die europäischen Unternehmen Ebusco, Sileo, Ekova, Belkommunmash, VDL, Volvo, SOR, MAN und Solaris. Von den letzteren sei jedoch nur der polnische Hersteller Solaris aus dem Experimentalstadium herausgekommen und biete Serienprodukte an.

Nach Herstellerangaben legten etwa 80 ausgelieferte Batteriebusse zwischen Skandinavien und Katalonien mittlerweile über drei Millionen Kilometer zurück. „Es kommen immer mehr Anfragen und Bestellungen“, sagte der Solaris-Vorstandsbevollmächtigte für E-Mobilität Mateusz Figaszewski zum bahn manager Magazin. Berlin beispielsweise plant den Ankauf von 30 weiteren E-Bussen – in Kaufgemeinschaft mit Hamburg, damit beim Hersteller ein Mengenrabatt ausgehandelt werden kann.

Olszewska: „Der Diesel ist tot“
Gegründet wurde Solaris von dem polnischen Ingenieur Krzysztof Olszewska. „Vor 10 Jahren sagte mein Mann: Der Diesel ist tot, es lebe die Elektrizität“, erklärt Firmeneigentümerin Solange Olszewska. „Damals schauten ihn alle Branchengrößen mitleidig an – was erzählt der da! Doch jetzt, genau 10 Jahre später, sehe ich, wie viele andere Hersteller auch Fahrzeuge mit Elektroantrieb anbieten. Darauf bin ich sehr stolz.“ Auf der 66. Messe IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wurde der Solaris-Bus Urbino 12 electric zum „Bus of the year“ 2017 gekürt. Am 4. Dezember erhielt dieses Fahrzeug in München auch die Auszeichnung „Innovation des Jahres 2018“ des Branchenmagazins „Busplaner“, vor allem wegen der für Fürth und Nürnberg entwickelten Projekte. Sie besitzen elektrische Achsen ZF AVE 130 mit integrierten Elektromotoren und Antriebe der Firma Medcom sowie Ladung durch Plug-In bei Nachrüstmöglichkeit für Pantografen.

Brennstoffzellen-Tests laufen
Verschiedene Varianten sind unter anderem in Klagenfurt, Dresden, Düsseldorf, Oberhausen und Hannover im Einsatz. In Hamburg fährt die Bus-Version mit einer Brennstoffzelle zur Erweiterung der Reichweite. Testfahrten fanden in den letzten Wochen in Lüneburg statt. In Braunschweig und Berlin fahren seit mehreren Jahren im Regelfahrplan Urbino-Elektrobusse, deren Batterien an den Bushaltestellen induktiv von unten geladen werden. Das dabei eingesetzte Ladesystem Primove stammt von Bombardier, weiterer technologischer Partner ist die Firma Kiepe Electric. Der Charme dieser Lösung, so Solaris-Sprecher Figaszewski gegenüber bahn manager: „Je häufiger die Batterien unterwegs an den Haltestellen Ladeeinrichtungen vorfinden, desto kürzer ist ein Ladevorgang, desto kleiner können die Batterien sein.“

Einen Video-Bericht finden Sie auf der neuen Bewegtbildplattform des bahn manager Magazins auf Youtube.

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