Fahrerassistenzsystem spart bis zu 15 Prozent Energie

in Transport & Logistik von

Bis September 2018 erarbeitet die Allianz Pro Schiene mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eine Studie zu Verbreitung und Nutzen von Fahrerassistenzsystemen(FAS) im Schienenverkehr. Gute Erfahrung damit macht die in Berlin ansässige Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft ODEG.

Von Hermann Schmidtendorf, Büro Berlin

Aktuell setzt „nicht einmal jedes fünfte Bahnunternehmen“ Fahrerassistenzsysteme ein, berichtet Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dr. Dirk Flege. Das müsse sich ändern, denn der Einsatz solcher Systeme könne “bis zu 15 Prozent des Energieverbrauchs einsparen und damit rund drei Prozent der Gesamtkosten”.

Kern des FAS-Systems bei der ODEG ist das persönliche Tablet jedes Fahrzeugführers. Dort meldet sich der Zugführer für seine konkrete Fahrt an und erhält dann Fahrempfehlungen. Wichtig ist vor allem die auch durch eine Stimme gegebene Empfehlung “Auslauf”, erläutert gegenüber bahn manager ODEG-Triebfahrzeugführer Jens Roos: “Wenn die akustische Mitteilung kommt, ist der Punkt an der Strecke erreicht, an dem ich ohne weitere Energiezufuhr das Fahrzeug rollen lassen kann und die nächste Station trotzdem pünktlich erreiche.”

In der Sprache der Softwareentwickler heißt das: Mit Hilfe des FAS wird eine energieoptimale Fahrweise zwischen zwei Halten unter Berücksichtigung der Pünktlichkeitsanforderungen gewährleistet. Eine Energieeinsparung wird möglich durch ein optimales Verteilen der vorhandenen Fahrzeitreserven. Auch am Bahnsteig hilft der Assistent. Das System kennt die GPS-Position des Fahrzeugs, den Fahrplan, die Ist-Zeit und die Trasse. Also gibt es akustisch und optisch den Hinweis “Abfahrtszeit erreicht!”

Fahrzeugführer oder Führerin müssen weiterhin selber prüfen, ob alle Reisenden im Zug sind. Auch witterungsbedingte vorsichtige Fahrweisen oder nötige stärkere Beschleunigung wegen höherer Zugbelegung muss das Personal weiter eigenständig regeln. Das System gibt eben Empfehlungen, keine Anweisungen. Doch diese ergeben eine deutliche Einsparung von Energiekosten, reduzieren vorzeitige Ankunft am Bahnsteig oder Verspätungen. So gibt es weniger Strafen an den Aufgabenträger zu zahlen, und Instandhaltungskosten werden durch einen geringeren Fahrzeugverschleiß vermindert.
Wäre ein kompletter Zugriff auf die Daten des Schienennetzbetreibers möglich, könnte das System auch tagesabhängige Besonderheiten wie einen außerplanmäßigen Halt an einem Signal vorplanen und rechtzeitig zum Ausrollen aufrufen. Aber auch so werden Prognosen und Fahrempfehlungen nach einem solchen Stopp automatisch aktualisiert. Die Systementwickler unterstreichen, dass betriebsspezifische Anforderungen wie Verspätungstoleranzen, wichtige Halte, Zugkreuzungen und Bedarfshalte berücksichtigt werden.

“FAS ist eindeutig ein gutes Mittel zum Optimieren, Energiesparen und somit gut für den Umweltschutz”, unterstreicht gegenüber bahn manager ODEG-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann. “Außerdem – wenn ein neuer Mitarbeiter die Strecken oder das Fahrzeug noch nicht so gut kennt, dem hilft natürlich so ein System. Er bekommt eine Empfehlung und kann sich auf die Strecke, Signale und das Fahrzeug selber viel besser konzentrieren.”
Die ODEG ist die größte private Eisenbahn im Osten Deutschlands. Die Regionalbahn mit 42 Triebfahrzeugen betreibt im Auftrag der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt insgesamt 11 Linien. Auf diesen Linien mit einer Streckenlänge von rund 1.200 km werden jährlich etwa 11 Millionen Zugkilometer erbracht und rund 17,9 Millionen Fahrgäste befördert.
Laut Allianz Pro Schiene werden derzeit im deutschsprachigen Raum für den Schienen-Personenverkehr 13 verschiedene Assistenzsysteme zur energiesparenden Fahrweise angeboten und für den Güterverkehr neun. Auch für den Straßenbahnverkehr gibt es eine Offerte.

Die Einführung von Energieeffizienz-Assistenzsystemen rechnet sich nach Meinung des Allianz Pro Schiene-Geschäftsführers Dirk Flege für die Bahnunternehmen bereits „nach zwei bis vier Jahren, da ab diesem Zeitpunkt die realisierten Einsparungen größer sind als die Anschaffungs- und Einführungskosten“. Dem stimmt der ODEG-Geschäftsführer zu. Allerdings wird er es in seinem Haus erst einmal bei den Empfehlungen des Systems belassen. Entscheiden soll weiter das Fahrpersonal in eigener Regie:  “Bei der Sicherheit hat der Mensch die Verantwortung bei uns, und die steht an erster Stelle.”

zur Startseite
nach oben gehen