Fliegende Konferenz Rail Baltica

in Bahnmarkt Europa von

„Das ist das erste Mal in der Geschichte unseres europäischen Netzwerks, dass wir eine so bedeutende länderübergreifende Initiative sehen“, freute sich die EU-Korridor-Koordinatorin Cathérine Trautmann bei der Begrüßung einer Delegation Berliner, Brandenburger, baltischer und skandinavischer Verkehrsexperten in Helsinki. Explizit dankte sie dem bahn manager für das mediale Engagement zu Gunsten des baltischen Schienenkorridors. 

Von Hermann Schmidtendorf, bahn manager Redaktion Berlin/Europa

Die mehrwöchige „Rollende Bahn-Konferenz“ von Berlin über Polen und die baltischen EU-Staaten nach Skandinavien wird geleitet durch Dr. Jürgen Murach, Verkehrsexperte in der Berliner Senatsverwaltung. Der stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz des Berliner Abgeordnetenhauses Daniel Buchholz betonte das Interesse des „politischen“ Berlins. An jedem Bahnhofshalt fanden Informationsseminare und Konferenzen statt. Im speziell bestellten Konferenzwagen des Sonderzugs in Polen erklärten polnische Politiker und Vertreter der Staatsbahnen PKP teilweise auch „off the records“, wie sie die weitere Entwicklung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs sehen.

„Das Rail Baltica“-Projekt (RB) wird nur dann geschafft werden können, wenn alle Partner und politischen Entscheidungsträger von Berlin bis Helsinki das wollen“ summierte Konferenz-Organisator Murach gegenüber bahn manager seine Eindrücke. „Wir haben gemerkt, dass der Wille sehr stark ist in Tallinn und Helsinki, weil man sich viel wirtschaftlichen Nutzen von der RB verspricht. Arbeit ist noch zu tun in Lettland und Litauen. In Polen wandelt sich derzeit die Einstellung zu Gunsten des Projekts. Mit der Morawiecki-Strategie will man die ehemaligen RGW-Staaten der EU besser anbinden.“

„Rail Baltica“, das ist das größte Projekt der Europäischen Union im Rahmen der „Ostsee-Strategie“ – die Realisierung einer elektrifizierten Bahnstrecke in europäischer Spurweite von Berlin über Warschau, Kaunas, Riga nach Tallinn mit Weiterführung im Tunnel nach Helsinki. Sie wird als Neubau- und Schnellfahrstrecke (bis zu 240 km/h) nördlich von Kaunas geführt – Fertigstellung bis Tallinn in 2026. Estland, Lettland und Litauen gründeten dazu die gemeinsame Gesellschaft „RB Rail AS“. Um die Umsetzung der stark EU-finanzierten Pläne durch die nationalen Verkehrsministerien zu kontrollieren, hat die EU-Kommission „Korridor-Koordinatoren“ wie Frau Trautmann für die „Transeuropäischen Vorrangnetze“ ernannt. Sie sollen auch Regionen und Metropolen längs der Rail Baltica als „Bündnispartner“ einbinden. Der Rail Baltica-Korridor wurde in Richtung der Nordseehäfen (Hamburg, Amsterdam) zum „Nordsee-Baltikum-Korridor“ ausgedehnt. Das laufende Nachfolgeprojekt nennt sich „NSB CoRe“, North Sea Baltic Connector of Regions“. Projektpartner sind unter anderem Berlin und Brandenburg.

Erste Erkenntnis: Die Großräume Helsinki und Tallinn wollen den gemeinsamen etwa 100 Kilometer langen Eisenbahn-Tunnel wirklich. Damit fände Finnland direkten Verkehrsanschluss an Europa. Das betonte nicht nur der Regionalpräsident der Region Helsinki Ossi Savolainen. Das Tunnelprojekt läuft außerhalb der Rail Baltica-Planung und muss gesondert vorbereitet und finanziert werden.

Zweite Erkenntnis: Stadt- Raum- und Verkehrsplanung verlaufen in den skandinavischen Staaten sowie in Estland deutlich stringenter als in Deutschland. Geplant wird langfristig, die Realisierung erfolgt unter starker Teilnahme von Bevölkerung und Interessengruppen. Doch es wäre undenkbar, dass wie beim deutschen Bundesverkehrswegeplan die Aufnahme eines Projekts in einen Plan nicht auch automatisch seine Realisierung bedeutet, weil dann noch später die genügend hohe Priorität und die Finanzierung geklärt werden müssen. Bahn manager wird in Ausgabe 03/2018 mehr zum Thema berichten.

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