GÜTERWAGEN DER ZUKUNFT: DB CARGO UND VTG PRÄSENTIEREN m2-WAGENPLATTFORM

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Nichts weniger als den „Güterwagen der Zukunft“, so DB Cargo-Chefin Dr. Nikutta, präsentierte ihr Unternehmen gemeinsam mit dem Güterwagenvermieter VTG in Berlin – ein modulares System erlaubt die flexible Anpassung der Wagen an verschiedene Kundenbedürfnisse.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Der neue Güterwagen heißt m2 – eine augenzwinkernde Avance an die bahnbrechende Formel von Albert Einstein zur Relativitätstheorie? Etwa eineinhalb Jahre arbeiteten die beiden Güterverkehrsunternehmen an dem zukunftsweisenden Tragwagen. Nach erfolgreichem Abschluss der im Frühling 2020 gestarteten Testfahrten streben sie nun für 2021 die Zulassung an.
Eine Staatsbahn und ein privater Eisenbahnlogistiker und Wagenvermieter als Partner – geht das? Bereits zwischen 2016 und 2019 hatten DB Cargo und VTG in einer Arbeitsgemeinschaft im vom Bundesverkehrsministerium finanzierten Projekt „Innovativer Güterwagen“ kooperiert. Damals wurden gemeinsam vier verschiedene Wagenmodelle entwickelt, insgesamt 27 innovative Komponenten erprobt. Wichtige Kriterien waren unter anderem Lärmreduzierung und Einsparung von Traktionsenergie. Der Schienengüterverkehr sollte mit neuem Rollmaterial nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch energieeffizienter und leiser werden.

2018 betonte Dr. Heiko Fischer, Vorsitzender des Vorstandes der VTG AG, bei der Vorstellung des ersten Projekts in der DB-Werkstatt Berlin-Grunewald: „Angesichts der fortschreitenden Internationalisierung reift die Erkenntnis: Keiner kann’s mehr allein, egal, wie groß er ist.“ Jetzt erklärte er:

„Im Rahmen des Projekts m² stellen wir die Bedürfnisse der verladenden Wirtschaft in den Mittelpunkt. Die neuen Wagen lassen sich schnell und unkompliziert an spezifische Transportanforderungen anpassen. Dadurch erhöhen wir die Attraktivität des Schienengüterverkehrs und stärken ihn im Wettbewerb mit der Straße.“

Dr. Fischer lobte, dass die gewichtsoptimierte Konstruktion des Wagens eine höhere Zuladung erlaube. Dazu lassen sich in das Chassis zusätzliche Tragerippen einsetzen.

Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorstand Güterverkehr und Vorstandsvorsitzende DB Cargo, pflichtete dem bei: „Mit dem neuen System haben wir eine variable Plattform und können den Aufbau der Wagen flexibel austauschen. Damit machen wir den umweltfreundlichen Schienengüterverkehr noch flexibler. Wünsche unserer Kunden können wir schneller bedienen.“ Die DB Cargo-Chefin sieht in der Neukonstruktion eine wichtige Stütze des Einzelwagenverkehrs.

Bisher waren im Güterverkehr Containertragwagen, Schüttgutwagen, Schiebeplanenwagen oder auch offene Güterwagen getrennte Gattungen. Wer entsprechende Güter transportieren wollte, musste stets den entsprechenden Wagentyp vorhalten. Damit ist jedoch ein beachtlicher finanzieller, logistischer und auch räumlicher Aufwand verbunden – wird ein solcher Wagen gerade nicht gebraucht, muss er auch eine Abstellfläche finden.

Hinter der Formel m2 steckt hingegen ein multifunktionales modulares Baukastensystem, mit dem sich die Wagen individuell auf die Kundenbedürfnisse anpassen lassen. So können je nach Einsatzzweck zwei- und vierachsige Tragwagen mit einer Ladelänge zwischen 34,7 und 74,3 Fuß (10,58 Meter beziehungsweise 22,65 Meter) konfiguriert werden. Auch die Auswahl von Komponenten wie Drehgestelle, Radsätze oder Bremsen (Kompakt- oder Scheibenbremsen) erfolgt gemäß dem späteren Verwendungszweck.

Damit lassen sich die Wagen nach verschiedenen Parametern optimieren, etwa nach Gewicht, Laufleistung oder Kosten. Eine Reihe von unterschiedlichen Aufbauten ermöglicht den Transport vielfältiger Güter. Bei der Präsentation wurde eine kurzgekuppelte Wageneinheit aus zwei kurzen Wagen vorgestellt, die durch eine im Betrieb nicht lösbare Stangenkupplung miteinander verbunden sind. Wichtig: Die Fahrzeuge sind bereits für die Nachrüstung mit einer digitalen automatischen Kupplung (DAK) vorbereitet.

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