In diesem Start-Up mischen auch Engel mit

in Bahnmarkt Europa/Schwerpunkt von

Was als Projekt innerhalb der SBB begann, ist jetzt ein Start-Up-Unternehmen. Der ursprüngliche Zweck von SBB Green Class jedoch hat sich nicht verändert. 

Start-up: Ein junges Unternehmen, das vor allem durch zwei Besonderheiten gekennzeichnet ist: Es liegt eine innovative Geschäftsidee beziehungsweise Problemlösung zugrunde. Und die Unternehmensgründung erfolgt mit dem Ziel, stark zu wachsen und einen hohen Wert zu erzielen. Ein solches Start-up hat sich Anfang 2018 auch die SBB zugelegt. SBB Green Class wurde in eine neue Organisationsform überführt: Während die Mitarbeitenden früher ihre ursprünglichen Aufgaben und jene von SBB Green Class unter einen Hut bringen mussten, können sie sich heute auf die Entwicklung des Start-ups konzentrieren. Sie arbeiten neu in einem sogenannten «Innovationsinkubator». Was bei Start-ups normal ist, ist für die SBB eine Neuheit. Das divisionsübergreifende Kernteam mit verschiedensten Fähigkeiten ist für die Entwicklung der Mobilitätskombis zuständig. Ein «Board of Business Angels» berät das Team fachlich und strategisch. Wie die Arbeit in der neuen Organisation konkret funktioniert, erklären die beiden Co-Leiter Mirjam Reber und Fabian Scherer.

Alle Mitarbeitende Ihres Kernteams kommen aus verschiedenen Bereichen und Divisionen der SBB. Was bedeutet das?

Mirjam Reber: Wir haben Leute aus den Bereichen Vertrieb und Services, IT, Recht und Finanzen, Unternehmens- und Geschäftsentwicklung, Kommunikation und Marketing, der Marktforschung und Nachhaltigkeit zusammengeführt – eine bunt gemischte Gruppe. Auch wir Co-Leiter stammen aus zwei verschiedenen Divisionen. Das ist neu für die SBB. Wir alle haben umfassendes Fachwissen, sind aus den vorgängigen Fachbereichen aber auch verschiedene Arbeitsweisen gewohnt. Gemeinsam arbeiten wir bei SBB Green Class nun nach dem Prinzip «experimentieren, lernen, entscheiden, umsetzen». So wachsen wir jeden Tag noch enger zusammen.

Warum arbeiten alle Mitarbeitende an einem Standort und nicht in ihren angestammten Bereichen?

Fabian Scherer: Wir vernetzen alle fachlich Beteiligten, die IT-Leute, Betrieb und Entwicklung in idealer Form. Wir geben einander täglich Rückmeldungen und tauschen uns aus. So lernen wir voneinander. Das hilft uns bei der Weiterentwicklung. Zudem verankern wir so einfachere Prozesse, kommunizieren unkompliziert und entscheiden schneller. Das ist für uns zentral. Würden wir traditionell vorgehen, könnten wir unmöglich innert wenigen Monaten einen Markttest aufziehen. Die einzelnen Teammitglieder übernehmen bei uns viel Verantwortung. Da sind wir als Co-Leiter vor allem für die Priorisierung der Aufgaben und die Geschäftsentwicklung verantwortlich.

Aktuell laufen zwei Pilotprojekte, ein Markttest kommt demnächst. Was ist das Ziel von SBB Green Class?

Mirjam Reber: Bis Ende Jahr wollen wir 1000 SBB Green Class Kunden gewinnen. Bis Ende 2019 wollen wir ein Geschäftsmodell entwickeln, das beliebig vergrössert werden kann. Zwei ambitionierte Ziele. Diese verfolgen wir mit dem schlanken «Lean Start-up»-Ansatz und agilem Vorgehen. Lean Start-up ist eine Methode des Unternehmensaufbaus, bei dem alle Prozesse so schlank und effektiv wie möglich gehalten werden. Wir planen also nicht lange, sondern bringen unsere Angebote frühzeitig auf den Markt, testen sie, lernen daraus und entwickeln sie weiter.

Und wozu benötigen Sie die «Engel» im «Board of Business Angels»?

Fabian Scherer: Auch die sechs Mitglieder dieses Boards stammen aus verschiedenen Bereichen und Divisionen und haben einen riesigen Erfahrungsschatz. Ihre fachliche und strategische Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Produkts und des Geschäftsmodells hilft uns sehr. Sie sind regelrechte Sparringpartner. Sie bilden auch die Schnittstelle zu SBB Gremien wie der Konzernleitung. Nach nur vier Monaten Entwicklungszeit ist SBB Green Class im Herbst 2016 gestartet. Die knapp 200 Kunden der Pilotprojekte «E-Car» und «E-Bike» haben während über einem Jahr das umweltfreundliche Mobilitätskombi für Strasse und Schiene getestet. Dabei haben sie täglich viele Daten zu ihrem Mobilitätsverhalten in der «SBB Daily Tracks» App erfasst. Die Daten werden von der ETH Zürich ausgewertet. Sie ermöglichen wichtige Erkenntnisse über die Mobilität der Zukunft und fliessen in die neuen Angebote von SBB Green Class ein. Rund 70 Prozent der «E-Car» Pilotkunden haben Anfang Jahr ihr SBB Green Class Abonnement zu den gleichen Konditionen erneuert. Der Pilot «E-Bike» läuft noch bis in den Herbst 2018. Bereits im Frühling kommen zwei neue Mobilitätskombis auf den Markt.

 

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