ITB 2019: DIE SCHWEIZ FÄHRT BAHN

in Bahnmarkt Europa von

Mehr als 10.000 ausstellende Unternehmen aus 181 Ländern und Regionen in 26 Hallen, über drei Prozent mehr Fachbesucher gegenüber dem Vorjahr mit jetzt rund 113.500 Teilnehmer – so präsentierte sich die diesjährige Ausgabe der Internationalen Tourismusbörse ITB. Mehrere Schweizer Bahnen präsentierten sich, neben den Jungfrau- und Pilatusbahnen machte besonders die Rhätische Bahn (RhB) auf sich aufmerksam.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

“Die Kundenbefragungen geben uns Recht, dass wir auf dem richtigen Weg sind”, erklärte gegenüber bahn manager RhB-Manager Dieter Dubkowitsch. “Aber auch in Mitarbeiterbefragungen wurden wir jetzt in unserer Kategorie als bestes Unternehmen der Schweiz ausgezeichnet. Das kommt auch daher, weil die Mitarbeiter dazu stehen, zur Rhätischen Bahn stehen. Das merkt man. Das wirkt sich natürlich dann eins zu eins auf den Kunden aus, und darauf bin ich sehr stolz.”

Die RhB betreibt im Kanton Graubünden ein meterspuriges Schmalspurnetz mit einer Länge von 384 Kilometern. Der erste Abschnitt von Landquart nach Klosterswurde vor 130 Jahren eröffnet. Weltweit bekannt sind vor allem die Tourismusprodukte Bernina-Express – eine Nord-Süd-Alpenüberquerung von Chur nach Tirano – sowie der von Zermatt nach Sankt Moritz fahrende Glacier Express. Durch großzügig verglaste Panoramafenster bieten sich den Reisenden besonders beeindruckende Ausblicke auf die durchreiste Landschaft. Touristische Gäste kommen auch aus der Schweiz selbst, denn die RhB ist eingebunden in Generalangebote wie SwissPass und Swiss Travel Pass. Inhaber derartiger Karten müssen keine Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel gesondert kaufen – die Schweiz fährt Bahn beziehungsweise mit Öffentlichen. Mehr zum Thema in Nr. 2 des bahn managers.

Weltweit geht die World Tourism Organisation UNWTO für das laufende Jahr von einem Wachstum der internationalen Ankünfte in der Größenordnung von drei bis vier Prozent aus. Entsprechend entspannt zeigte sich die Vertreterin von DB Bahn Italia und ÖBB, die mit einem eigenen Stand vertreten waren: “Unser Angebot der Züge von München über Innsbruck und Bozen nach Verona wird sehr gut angenommen.” Fünf Mal täglich gibt es solche EuroCity-Fahrten mit Bus-Anschluss an den Gardasee ab 45,50 Euro. Auch Alleo, das Gemeinschaftsunternehmen von DB und SNCF, war traditioneller Messeaussteller. Fünfmal täglich Fahrten Stuttgart-Paris und sechs Mal täglich Frankfurt/Main-Paris gibt es bereits ab 39 Euro. Zu diesem “Sparpreis Europa” sind durch neue Durchtarifierungen bei Fahrten von Deutschland nach Südfrankreich jetzt auch Städte wie Dijon, Nimes, Montpellier und Bordeaux erreichbar. Hochgeschwindigkeits-Zugreisen wurden auch an den Ständen von Thalys und SNCF offeriert, wobei letztere ihre neue Marke TGV-inoui propagierte.

“Polarkreis in drei Tagen” hieß eines der Angebote am Stand der Schwedischen Staatsbahn SJ, die ebenso wie die Norwegische NSB traditionell in der Skandinavien-Halle ausstellte. Besonders traditionsbewusst gab sich die tschechische Staatsbahn ČD: Als wohl eine der letzten Staatsbahnen Europas hielt sie an ihrem ITB-Messestand noch ein gedrucktes dickes Kursbuch vor. Der Ticket-Vertrieb geschieht in Tschechien freilich wie anderorts auch inzwischen stark online.

Ein nennenswerter Markt, gemessen an der Größe der Messehalle und der Anzahl der Aussteller, betrifft Jugend-, Schul- und Gruppenreisen. “Wir sind seit 21 Jahren Veranstalter für Bahn-Rundreisen”, erklärte gegenüber bahn manager Gregor Sutter, Inhaber des Büros Bahnreisen Sutter. “Beispielsweise bieten wir Norwegen an oder Fahrten durch Spanien, alles per Bahn, eingeschlossen das komplette Paket mit Hotel und Stadtrundfahrten, für Einzelreisende sowohl wie auch für Gruppenreisen.”

Leider werde es in Zukunft schwieriger, dabei auch den Kundinnen und Kunden Anreisen mit der Deutschen Bahn anzubieten: “Unser Kundenstamm kommt von Flensburg bis Berchtesgaden oder auch aus Holland. Bisher gab es immer Zug-ungebundene sogenannte RIT-Tarife – spezielle Veranstaltertarife zu fixen Preisen. Damit kann man gut kalkulieren. Und auch bei Zugverspätungen ist das nie ein Problem gewesen. Man springt von einem Zug zum anderen. In dieser Art werden diese Tarife jetzt zum Ende des Jahres abgeschafft. Es gibt dann für Veranstalter nur noch die Möglichkeit, Sparpreise zu buchen, die nicht nur an einen konkreten Zug gebunden sind, sondern auch nicht mehr stornierbar sind. Das ist natürlich nicht förderlich für das Geschäft mit der Bahn.”

Die neue Lage, so Sutter, werde es erschweren, die Tarife für 2019 zu kalkulieren. Die gleiche Klage hörte bahn manager auf der ITB auch von anderen privaten Reiseveranstaltern. Vielleicht sollte der DB-Vertrieb seine Entscheidung noch einmal überdenken, diesen offenbar sinnvollen Veranstaltertarif zu streichen? Die nächste ITB Berlin findet von Mittwoch bis Sonntag, 4. bis 8. März 2020 statt.

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