Jahrestagung der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft

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Die Zukunft des Eisenbahn-Fernverkehrs bestimmte die diesjährige Jahrestagung der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft DVWG. Gastgeber Prof. Matthias Gather von der FH Erfurt konnte als Referenten auch den Abteilungsleiter Eisenbahnen des Bundesverkehrsministeriums Hugo Gratza gewinnen.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Erstaunlich genug: Bis zur Bildung der jetzigen Großen Koalition im Bund waren Eisenbahnthemen nur in einem hierarchisch untergeordneten Referat des BMVI gebündelt gewesen. Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn Karl-Peter Naumann drängte das Ministerium im Gespräch mit bahn manager, die neu gebildete Abteilung jetzt schnell mit qualifiziertem Personal aufzufüllen, damit sie ihrer gewachsenen Bedeutung gerecht werden könne. Gratza stellte die bahnpolitischen Pläne der Bundesregierung in Zusammenhang zum Klimaschutz: “Die Verkehrswelt und die Energieerzeugungswelt arbeiten in zwei verschiedenen Bereichen der Klimaschutzziele, diese Dinge sollte man immer gemeinsam betrachten.”

Wie unterschiedlich Fernverkehr in den europäischen Ländern organisiert wird, zeigten Fachreferenten aus den deutschen Nachbarländern. Ein äußerst kompliziertes Kontroll- und Steuersystem des Staates konterkariere die Chancen des liberalisierten Bahnmarktes in Großbritannien, erläuterte Professor Jon Shaw von der Universität Plymouth. In Frankreich gewinnt der traditionelle Bahnverkehr gegenüber den teuren Hochgeschwindigkeitzügen wieder an Bedeutung. In der Alpenrepublik werden die Eisenbahnen durch ein exakt geplantes Taktsystem zur komfortablen “S-Bahn Schweiz”.

Ungewohnt milde Töne waren in einer deutsch-österreichischen Diskussionsrunde zu hören. Christian Vögle vom DB-Fernverkehr: “Dank an die Flixbus-Kollegen, die diese Dinge teilweise erst möglich gemacht haben!” Erst das Auftauchen der Bus-Konkurrenz, jetzt auch mit Fernzügen, habe die Deutsche Bahn zur flexibleren Einführung von Sparpreisen gebracht, was wiederum eine verbesserte Auslastung der Züge und ein Ansteigen der Fahrgastzahlen mit sich brachte. Vögle: “Wenn Sie es nicht müssen, bewegen Sie sich nicht.” Die jetzige mittlere Auslastung der DB-Fernverkehrszüge von 56 Prozent solle weiter gesteigert werden. Die DB wolle keine Reservierungspflicht für Sitzplätze einführen, daher sei es eine Herausforderung, durch Sparpreise die Auslastung der Züge gleichmäßig zu steuern. Kurt Bauer vom ÖBB-Fernverkehr offenbarte, die Übernahme der DB-Nachtzüge sei erst durch Kooperation mit der Deutschen Bahn möglich geworden.

Diese wirke auf deutschen Gleisen für die ÖBB als Partner, beispielsweise im Fall von technischen Defekten der Züge. Flixbus-Vertreter Patrick Kurth appellierte, das Trassenpreissystem sollte so angepasst werden, dass der “Wettbewerbsvorteil der Bahn” gegenüber anderen Verkehrsträgern voll ausgenutzt werden könne. UBER-Sprecher Roland Werner wollte da nicht zurückstehen. Das Schmuddel-Image seines Unternehmens durch oft kritisierte Selbstausbeutung privater PKW-Inhaber sei in Europa längst abgestellt, alle Fahrer seien lizensierte Profis. Seine Firma wolle ebenso wie die Bahnen, dass in einem Fahrzeug mehr als nur eine Person befördert würden, um die Klimabelastung zu reduzieren.

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