Kulturzug Berlin-Breslau ist Europäische Trendmarke 2017

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Der Kulturzug, eine Wochenendverbindung zwischen den Hauptstädten Deutschlands und Niederschlesiens Berlin und Wrocław/Breslau, hat den Europäischen Kulturmarken-Award als „Europäische Trendmarke des Jahres 2017“ erhalten.

Von Hermann Schmidtendorf

Der Berliner Europaabgeordnete Michael Cramer (Grüne) bezeichnete den Preis als eine „wunderbare Anerkennung für die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg“ und zugleich als „Blamage für die Bundesregierung“. Zum Verständnis: 2014 stellte die DB die Fernverkehrsverbindung Breslau-Berlin-Hamburg ein, weil sich diese nicht mehr rentiert habe. Die Züge hatten Elektrotraktion, wegen fehlender durchgängiger Streckenelektrifizierung musste jedoch auf deutscher Seite auf einem Teilabschnitt auch eine Diesellok eingesetzt werden.  Zuvor schon war die Verlängerung der Verbindung Breslau-Krakau gekappt und dafür eine IC-Bus-Verbindung der DB nach Berlin installiert worden.

Da aber 2016 Breslau Kulturhauptstadt Europas wurde, beschlossen Berlin, Brandenburg, die Stadt Breslau sowie das Marschallamt Niederschlesien, die fehlende EC-Verbindung zumindest an den Wochenenden durch einen Dieseltriebzug der DB Regio Nord Baureihe VT 628 zu ersetzen. An Bord gab es Live-Musik, Lesungen und Ratespiele. Das Angebot fand außerordentlich großen Zuspruch – mehrfach mussten zusätzlich Busse eingesetzt werden – so dass die Organisatoren mit DB Regio und dem polnischen EVU Koleje Dolnośląskie KD, dem VBB und weiteren Partnern eine Verlängerung des Angebots bis Ende 2018 vereinbarten. Der günstige Fahrpreis von 19 Euro je Einzelfahrt bleibt gültig und wird durch die Zuschüsse der Besteller ermöglicht. Bei Fernverkehrsverbindungen ist bislang, so die Lesart der Bundesregierungen, eine öffentliche Bestellung und Bezuschussung nicht möglich.

MdEP Cramer kritisiert, durch die „Elektrifizierungslücke von 50 Kilometern“ auf dem Korridor Hamburg-Krakau benötige derzeit der Zug für 350 Kilometer Entfernung fünf Stunden. Diese Lücke müsse schnellstens geschlossen werden. Die seinerzeitige Einstellung des Fernzugs Berlin-Breslau wurde durch geringe Auslastung gerechtfertigt. Da der als Regionalzug firmierende Kulturzug über Kundschaft nicht klagen kann, waren möglicherweise die Abfahrtzeiten des Fernzugs oder auch die Ticketpreise nicht optimal. Daraus folgende mangelnde Rentabilität des Zuges könne, so MdEP Cramer, kein Argument zu seiner Einstellung für „die im Eigentum des Bundes befindliche DB AG“ sein: „Von 23 internationalen Flughäfen in Deutschland sind 17 defizitär.“

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