LEO EXPRESS: GRENZÜBERSCHREITEND DENKEN UND ARBEITEN

in Personenverkehr von

EIN BAHN MANAGER-GESPRÄCH ÜBER EUROPÄISCHE GRENZÜBERSCHREITENDE VERKEHRE UND ZÜGE AUS CHINA.

bahn manager Magazin: Herr Peter Köhler, wahlweise Österreich und Tschechische Republik, Sie sind Vielen in der Bahnbranche bekannt als mehrjähriger CEO von Leo Express, dem Personenverkehrsunternehmen aus der Tschechischen Republik, das rasante Fortschritte unter Ihrer Führung machte, grenzüberschreitende Fahrten mit Bussen und Zügen etablierte. Sie ziehen sich jetzt aus dem operativen Geschäft zurück und wollen die globalen Aufgaben im Unternehmen befördern.
Peter Köhler: Genau. Ich bin einer der Gründer, von Anfang an dabei gewesen und bin auch Miteigentümer von Leo Express. Wir sind über die Jahre enorm gewachsen. Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich 50 Millionen Euro erreichen. Als ich angefangen hatte, waren wir bei zehn Millionen Euro. Es ist schon ein recht großes Wachstum, das wir hingelegt haben in den letzten paar Jahren. Und wir betreiben jetzt gemeinwirtschaftliche sowie eigenwirtschaftliche Verkehre, sind präsent in Tschechien, Slowakei, Polen und Deutschland, und wollen hieran weiter anknüpfen. Mit dem vierten Eisenbahnpaket, aber auch mit dem Green Deal entstehen für uns in ganz Europa Opportunitäten, die wollen wir natürlich aufgreifen und wollen weiter wachsen.

Strategisch gesehen war in der letzten Zeit wohl die spannendste Entscheidung, welche Fahrzeuge werden Sie kaufen, um weiter expandieren zu können. Sie haben sich für eine in EU-Europa noch nicht dagewesene Lösung entschieden, in China produzieren zu lassen bei dem großen Hersteller CRRC. Aber – das ist absolut neuartig – Sie schreiben sogar auf der Außenwand der Züge, dass Design und Konzept von Ihnen stammen.
Grundsätzlich ist es so, dass wir als privates Eisenbahnunternehmen ideologisch barrierefrei denken. Das heißt, wir arbeiten mit allen Herstellern in Europa zusammen. Wir haben unsere ersten Züge von Stadler gekauft, wir haben jetzt ein Portfolio von 15 Triebfahrzeugen übernommen von Alstom. In Deutschland fahren wir mit Siemens-Lokomotiven. Bei der Zusammenarbeit mit CRRC haben wir das Konzept entwickelt. Aus den Erfahrungen, die wir bisher gesammelt haben, wollten wir möglichst viel umsetzen in diesen neuen Zügen. Das heißt, das Design im Außenbereich, aber auch im Innenbereich, ist von uns zum größten Teil, und wir erhoffen uns davon, dass wir in Zukunft einfach noch näher mit dem Kunden arbeiten können und ihm ein besseres Fahrerlebnis geben können.

Es gibt ja Warnungen, alle Bahnproduzenten der Welt müssten sich zusammenschließen, weil sonst nur noch chinesische Produkte auf den Markt kämen. Aber wenn Sie 40 Prozent der Komponenten Ihres chinesischen Zuges aus Tschechien anliefern, dann ist es ja sozusagen schon eine chinesischeuropäische Gemeinschaftsproduktion. Und das könnten andere Besteller ähnlich machen.
Die großen Hersteller kaufen selber auch viele Komponenten in China ein. Ich selber glaube an offene Märkte. Und dazu gehört natürlich, dass wir versuchen, in der Wertschöpfungskette möglichst günstig einzukaufen. Aber wir denken eben auch an die Kosten, die über den gesamten Lebenszyklus entstehen würden. Da geht es um Ersatzteile, aber auch um Zuverlässigkeit bestimmter Komponenten. Und dort haben wir auf europäische Lieferanten zurückgegriffen, mit denen wir bereits positive Erfahrungen haben.

Haben Sie Absprachen getroffen, dass CRRC Werkstattdienste leistet, oder werden Sie eigene Werkstätten nutzen?
Da sind wir noch dabei, das Konzept zu entwickeln. Wir werden auf den Hersteller zurückgreifen, wenn es um Ersatzteile geht, aber grundsätzlich natürlich auch bei den großen Revisionen. Unser Instandhaltungskonzept ist, dass wir vieles im Haus selber machen, aber für die korrektiven Reparaturen und für die Revision mit dem Hersteller oder auch mit Anderen zusammenarbeiten.

Sie haben jetzt ausgeschrieben in Polen, dass Sie Personal suchen, welches dann auch in Deutschland fahren könnte, ich denke, auch in Bezug auf die Züge, die Sie zusammen mit Flixtrain betreiben.
Stimmt, wir suchen Personal für den deutschen Markt — Triebfahrzeugführer, auch Zugführer und Schaffner, da haben wir nach wie vor Bedarf. Das ist grundsätzlich ein Problem in der Branche, das sehen wir überall, dass Zugpersonal fehlt. Wir arbeiten mit Kandidaten, die wir umschulen für den deutschen Markt, ja. Sprachlich müssen sie natürlich ausreichend ausgestattet sein. Sie müssen auch in das Team hineinpassen, damit das Team kulturell funktioniert. Da gibt es natürlich auch die Strecken, die wir mit ETCS befahren, die sind schon sehr spezifisch, sodass es eine gewisse Herausforderung ist. Wir suchen da nur die Besten.

Dann haben Sie sicherlich alle Hände voll zu tun auch im strategischen Bereich. Wenn das so gut läuft, haben Sie keine Angst, dass man Sie nachher aufkaufen will?
Wenn das passieren sollte, werde ich es wissen!

Peter Köhler: Der ausgebildete Physiker (Imperial College London) und Banker (Wirtschaftsuniversität Prag) ist Mitbegründer und –Eigentümer des Personenverkehrsunternehmens Leo Express, dessen CEO er von 9/14 – 1/2020 war. Zuvor leitende Tätigkeiten u.a. bei JP Morgan, KPMG, Raiffeisenbank Wien, HoppyGo.

Das Interview ist in der aktuellen Ausgabe des bahn managers 2/2020 nachzulesen und in voller Länge als VIDEO zu sehen unter dem LINK

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