Möglicher “Airbus der Schiene” als Antwort auf China

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Praktisch im zweiten Anlauf steht Deutschlands führender Industriekonzern jetzt vor einer Fusion seines Zugtechnikgeschäftes mit dem in etwa gleichgroßen französischen Alstom-Konzern.

An diesem Dienstag wollen die Aufsichtsräte beider Konzerne über das Bündnis beschließen, heißt es. Weil die Gremien in Paris erst am Abend tagen, könnte die Entscheidung womöglich erst Mittwoch publik werden. Es wäre die Geburtsstunde von Europas größtem Zughersteller mit grob 15 Milliarden Euro Umsatz. Ähnlich wie im Flugzeugbau wird von der Idee eines „Airbus der Schienen“ gesprochen.

Nach der Alstom-Sitzung werde es eine Erklärung der Aufsichtsgremien von Alstom und von Siemens geben, hieß es in Paris weiter. Der französische Konzern hatte bereits am Freitag “Diskussionen” mit Siemens über eine “Annäherung” der Zugsparten bestätigt. Gleichwohl betonte das Unternehmen, noch sei keinerlei Entscheidung gefallen. Natürlich könnte Siemens sich auch noch für ein Bündnis mit dem Zughersteller Bombardier aus Kanada entscheiden. Der Aufsichtsrat werde beide Varianten prüfen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise.

Französischen Medienberichten zufolge soll Siemens seine Zugsparte bei Alstom einbringen und erhielte dafür einen “großen Anteil” an Alstom. Dem zufolge würde Siemens 50 Prozent des Kapitals der neuen fusionierten Gesellschaft übernehmen. Mit einer Allianz könnten die beiden Konzerne einen europäischen Eisenbahngiganten schmieden, der es beim Umsatz mit der aufstrebenden Konkurrenz aus China aufnehmen kann. Siemens setzt mit seiner Bahnsparte jährlich 7,8 Milliarden Euro um, bei Alstom sind es 7,3 Milliarden Euro. Mit einer Fusion würden sich beide Konzerne gemeinsam der staatlichen chinesischen CRRC annähern, die auf 18,1 Milliarden Euro kommt.

Die französische Verkehrsministerin Elisabeth Borne bezeichnete eine Fusion der Zugsparten angesichts der erstarkten Konkurrenz aus Fernost am Freitag als “sehr gute Sache”. Laut der französischen Zeitung “Les Echos” kam die Initiative zu einem “Airbus der Schiene” von der französischen Regierung – “im Rahmen einer Annäherung zwischen beiden Ländern”.

Paris habe jüngst einen “Botschafter” nach Berlin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel entsandt, die ihre Zustimmung zu einer “Vertiefung des Themas” gegeben habe. Die Pläne passen zu dem Willen Merkels und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die deutsch-französische Achse zu stärken. (red/ div. Medien)

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