Länderspezial Tschechien: Neue Süd-Ost-Achsen

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» Es wird Zeit, dass zwischen Bayern und Tschechien mehr Verkehr auf den Gleisen rollen kann « – sagt Bayerns Verkehrsminister Herrmann. Diese neuen Projekte sind in Planung.

Von Hermann Schmidtendorf

Die sächsisch-tschechische Bahnzukunft wird rosig – allerdings erst ab 2035. Dann soll eine Hochgeschwindigkeitsstrecke die sächsische und die tschechische Hauptstadt verbinden. Auch Bayern hat große Pläne. Ab 2030 soll die Bahnfahrt München- Prag nur noch 4:15 Stunden dauern. Ein 26 Kilometer langer grenzüberschreitender Tunnel unter dem Erzgebirge soll den heute über den Grenzübergang Bad Schandorf im Elbtal durchgeführten Personen- und Güterfernverkehr aufnehmen. Dadurch würde die Strecke zwischen beiden Metropolen um 56 Kilometer verkürzt. Dieses Ziel setzten sich Tschechische und sächsische Partner eines grenzüberschreitenden Kooperationsprojekts bei der Eröffnungskonferenz am 22. Juni in Ústí nad Labem/Aussig. Die Trassenführung der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke soll über diese Stadt gehen. Eine Folgekonferenz soll am 13. Dezember in der Prager Zentrale der Infrastrukturbehörde SŽDC stattfinden, die das Projekt leitet. In den letzten Jahren wurden drei Vorstudien durchgeführt, die in die für 2019 erwartete Machbarkeitsstudie einfließen. Eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Streckenvariante werden geologische Gutachten spielen.

Aus Bayern schneller nach Prag
Auch das südliche Bundesland wünscht besseren Bahnverkehr mit dem Nachbarn. Auf dem 1. Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel am 26. Juli 2017 wurde die Vertaktung der Strecke München- Regensburg-Prag ab dem 10. Dezember bestätigt. Das bedeutet eine Aufstockung von vier auf sieben tägliche Direktverbindungen. „Es wird Zeit, dass zwischen Bayern und Tschechien mehr Verkehr auf den Gleisen rollen kann. Der Bahngipfel hat dafür Rückenwind geliefert“, erklärte Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann und forderte vom Bundesverkehrsministerium mehr Anstrengungen beim Ausbau des deutsch-tschechischen Schienennetzes. Zwar wird der Ausbau der Strecke im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf hochgestuft. Allerdings steht somit erst 2030 als letztes Datum einer Realisierung fest. Herrmann unterzeichnete mit dem tschechischen Verkehrsminister Dan ok eine Selbstverpflichtung zum Ausbau des Schienenverkehrs bis 2030 und mit dem bayerischen DB-Konzernbevollmächtigten Klaus-Dieter Josel eine Absichtserklärung: „Auch wenn wir nicht für die Planungsfinanzierung zuständig sind, machen wir das freiwillig, um das Projekt zu beschleunigen.“

Drei Trassen-Varianten
Für eine geplante Trasse nach Prag über Nürnberg – Marktredwitz – Schirnding – Cheb (Eger) laufen die Vorentwurfsplanungen bereits. In einer auf dem 1. Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel vorgestellten Studie „Beschleunigung München – Praha“ hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft jetzt zehn Varianten für eine zusätzliche Trassenertüchtigung München – Regensburg – Prag über Schwandorf – Furth im Wald – Plze (Pilsen) auf drei reduziert. Alle Versionen sehen auf deutscher Seite die Elektrifizierung bis zur Grenze vor. Ab Schwandorf soll Zweigleisigkeit erreicht werden, um dem anwachsenden Güterverkehr gerecht zu werden und Begegnungshalte im Personenverkehr abzuschaffen. Die ausgewählten Vorzugsvarianten berücksichtigen deutsche und tschechische Planungen zum Bahnknoten München und Nullknoten Pilsen und sind auf vorhandenes Rollmaterial zugeschnitten. Je nach Variante verkürzt sich die Reisezeit München-Prag von jetzt 6 Stunden auf 4 Stunden 15 beziehungsweise 18 Minuten. Auf deutscher Seite liegen die Kosten zwischen 1,345 und 1,658 Milliarden Euro, die tschechische Seite muss zusätzlich etwa ein Drittel dieser Summen auf eigener Seite investieren. Eine der Varianten sieht den Bau einer Umgehungskurve um Schwandorf vor, weshalb bayerische Regionalpolitiker diesen Vorschlag ablehnen. Eine sofortige Anmeldung des Projekts bei der EU fordert der oberpfälzische SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug: „90 Prozent der Fördermittel bis 2020 sind schon ausgeschöpft.“

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