NEUE SEIDENSTRASSE: GUTE PERSPEKTIVEN FÜR BAHNKORRIDOR HAFEN BAKU – KARS/TÜRKEI

in Bahnmarkt Europa von

Wir haben jetzt die A-Route von China über Russland, wir haben die B-Route etwas südlicher, es ist jetzt Zeit für eine C-Route über Baku und die Türkei, erklärt im bahn manager-Interview das Board Member der Logistikgruppe Cabooter Peter Pardoel.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Der erfahrene niederländische Logistiker beschäftigt sich seit Jahren mit dem Schienenfrachtverkehr zwischen China und Europa. „Wir haben eine Zusammenarbeit mit dem Port of Baku und sind dessen europäische Vertretung“, so Pardoel in der aktuellen Ausgabe 1/2020 des bahn managers. „In Baku betreiben wir einen Railterminal, Lagerhallen, Umschlag. Wir stimulieren den Zugverkehr von China über Baku nach Europa.“

Der neue, 65 Kilometer südlich von Baku entstandene Internationale Hafen Baku/Alat ist auf dem modernsten Stand, lobt Pardoel: „Ich kenne natürlich Hamburg, Rotterdam – qua Technologie kann sich der neue Hafen Baku daran durchaus messen. Die technische Ausrüstung ist absolut hochwertig. Sie kommt aus Deutschland, aus Holland und anderen westlichen Staaten, sie wurde importiert mit Öl-Dollars.“ Baku sei ein ausbaufähiges Drehkreuz für den Handel zwischen Asien und Europa. Beispielsweise gäbe es dort schon lange die „Tradition eines Einzelwagenverkehrs Richtung China. Daraus entstehen jetzt Möglichkeiten für intermodale Verbindungen. Wir denken da vor allem an dry goods. Die wird es mit Sicherheit geben auf einer bestimmten Preisebene. Auch agro food lässt sich derzeit über Baku technisch gesehen sehr gut umschlagen.“

Das Kaspische Meer könne jetzt voll für Transporte von Güterzügen aus Kasachstan und Turkmenistan genutzt werden, so Pardoel: „Auf eine Fähre geht ein kompletter Zug. Der Transport dauert ungefähr 24 Stunden. Das Problem war nicht so sehr die Zeit, war nicht so sehr die Kapazität der Fähre, sondern der Wind! An 60 Tagen pro Jahr herrscht so starker Wind, dass man nicht mit der Fähre, die es damals gab, über dieses Meer fahren konnte. Inzwischen wurden aber neue Fähren bestellt. Diese sind nicht betroffen vom Wind, denn sie sind schwerer ausgelegt, größer. So können wir das Kaspische Meer besser nutzen.“

Spannend geworden ist die geografische Lage des Hafens Baku durch den Bau der Eisenbahn Baku-Tbilissi-Kars (BTK). Das 849 km lange BTK-Programm bekam zentrale Bedeutung für die Schaffung eines Eisenbahnkorridors von China und dem Kaspischen Meer über die Türkei nach Europa. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2008 und umfassten die Instandsetzung und den Wiederaufbau einer 178 km langen Eisenbahnstrecke auf 1520 mm Spurweite zwischen Marabda und Achalkalaki (Georgien). Von dort wurden 110 km Neubaustrecke auf 1435 mm Spurweite nach Kars mit einem 4,4 km langen Tunnel an der georgisch-türkischen Grenze bei Kartsachi geschaffen. Für den Neubauabschnitt wurden 22 Tunnel und zwei Viadukte errichtet. Schätzungen prognostizieren eine Kapazität von 6,5 Millionen Tonnen Fracht und 1 Million Passagieren pro Jahr, die bis 2034 auf 17 Millionen Tonnen und 3 Millionen Passagiere pro Jahr gesteigert werden könnte.

Derzeit werden in Achalkalaki Waren von Breitspur- auf Normalspurwagen umgeschlagen. Es gibt aber bereits Pläne, von dort auch eine Breitspur-Bahn bis zum türkischen Kars zu verlegen, so dass auch dort die weitere Verladung auf europäische Normalspur-Güterwagen stattfinden kann.

Mehr zur Eisenbahn Baku-Georgien-Kars findet sich in der kommenden Ausgabe des bahn managers Nr. 2/2020. In der aktuellen Ausgabe Nr. 1/2020 ist das komplette Interview mit Peter Pardoel nachzulesen. Das Interview als VIDEO findet sich auf der Bewegtbildplattform des bahn managers unter dem LINK

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