NEUER SCHWUNG: DB GEHT DIGITAL, ICE3 BEKOMMEN ALSTOM-ETCS

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Die Deutsche Bahn AG hat eine eigene Digitalisierungs-GmbH gegründet und Alstom mit der Ausrüstung von 17 ICE3-Zügen mit ETCS beauftragt.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Das neue DB-Unternehmen heißt Digitale Schiene Deutschland GmbH (DSD) und soll Vertreter aus Verbänden, von Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie der Bahnindustrie zu enger Zusammenarbeit bei den Zukunftstechnologien bringen. Ronald Pofalla, DB-Infrastrukturvorstand: “Die Gesellschaft bündelt die Kompetenzen und Kapazitäten des gesamten Bahnsektors, um diese enorme Zukunftsaufgabe gemeinsam zu bewältigen. Eine solche Zusammenarbeit hat es so noch nie gegeben. Jetzt wird die Zukunft der digitalen Schiene greifbar und konkret.“

Ab Januar 2020 soll die DSD GmbH den Aufbau des digitalen Bahnbetriebs mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS und digitalen Stellwerkstechnologien organisieren. Die neuen Technologien versprechen bis zu 35 Prozent mehr Kapazitäten im Netz, höhere Qualität und Pünktlichkeit sowie weniger Kosten in Instandhaltung und Betrieb. Zunächst werden als “Starterpaket” ab 2020 drei Vorhaben angegangen: die ETCS-Durchfahrbarkeit des TEN-Korridors Skandinavien–Mittelmeer, die Schnellfahrstrecke Köln—Rhein/Main sowie das Metropolenprojekt S-Bahn Stuttgart. Eine Machbarkeitsstudie des Bundes lässt bis 2030 Investitionen im Umfang von rund 4,7 Milliarden Euro erwarten, bis 2023 sind zunächst Ausgaben in Höhe von 570 Millionen Euro vorgesehen.

Wenn Bahntrassen mit ETCS gesichert werden, müssen kommunizierende Komponenten auch in die dort verkehrenden Züge eingebaut werden. Deshalb erhalten jetzt 17 international verkehrende ICE3-Fahrzeuge der Baureihe 407 bis 2022 die entsprechende ETCS-Ausstattung. Ausstatter ist die Gesellschaft Alstom. Deutschland & Österreich-Geschäftsführer Dr. Jörg Nikutta: “Gemeinsam mit der Deutschen Bahn legen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein für die Interoperabilität im europäischen Schienennetz. Wir freuen uns, die Digitalisierung der europäischen Schiene maßgeblich zu gestalten.”

Der Auftrag beinhaltet die ETCS-Entwicklung, Design, Herstellung und Integration der vorhandenen nationalen Sicherungssysteme. Das neue Zugbeeinflussungssystem wird zusammen mit dem Zughersteller in die Fahrzeugleittechnik integriert, heißt es bei Alstom. Die Zulassung wird schrittweise in Deutschland, auf den Grenzbetriebsstrecken zur Schweiz, in Belgien und in Frankreich erfolgen. Die Züge sollen mittelfristig auf der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm fahren, in Belgien sowie zwischen Paris und Strasbourg – dort dann zum ersten Mal vollständig mit ETCS. Die DB investiert dafür über 30 Millionen Euro. Die ETCS-Installation inklusive des Rückbaues des heutigen Systems sowie die Inbetriebnahme werden in den Alstom-Werken in Salzgitter und Braunschweig stattfinden. Alstom übernimmt auch den Service für die Leit- und Sicherungstechnik für sechs Jahre. Die neue Technik haben bereits die ICE-Züge an Bord, die zwischen Berlin und München kursieren. Derzeit fahren 30 Prozent der mit ERTMS Level 2 ausgestatteten Züge mit einem Alstom-System. (bm/hfs)

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