NIEDERLANDE: TRASSENPREISE SINKEN, GÜTERVERKEHR ERSTMALS AUF METRO-GLEISEN

in Bahnmarkt Europa von

Die Europäische Kommission hat der Senkung der Trassenpreise für Güterzüge auf der niederländischen Bahn-Infrastruktur zugestimmt, erstmals wurden Testfahrten von Güterzügen auf U-Bahn-Gleisen durchgeführt.

von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Seit längerem klagt die niederländische Schienengüterverkehrsbranche über hohe Trassenpreise der Bahn-Infrastruktur insbesondere im Vergleich zum Nachbarland Deutschland. Die Gleisnutzungsgebühren sollten deshalb auf das deutsche Niveau gesenkt werden. Vor einem Jahr reagierte die niederländische Regierung auf diese Forderung und vereinbarte mit der Branche, ab 2019 bis 2023 einen Zuschuss von bis zu 14 Millionen Euro pro Jahr zu gewähren. Hierzu beantragte sie EU-Zuschüsse, welche jetzt genehmigt wurden. Die Beihilfen in Gesamthöhe von 70 Millionen Euro stehen allen in den Niederlanden tätigen Eisenbahnunternehmen offen, die eine Zugangsvereinbarung mit dem niederländischen Eisenbahninfrastrukturbetreiber ProRail abgeschlossen haben.

Die Unterstützung wird den Eisenbahnunternehmen in Form von Ausgleichszahlungen gegeben. Im Gegenzug wird erwartet, dass diese die Vorteile der Beihilfe über niedrigere Preise an ihre Kunden, die Frachtversender, weitergeben. Die EU-Kommission stellte fest, dass die Maßnahme den richtigen Anreiz für eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene bietet.

“Es ist eine sehr gute Nachricht, dass die EU-Kommission diese Subventionen genehmigt hat”, kommentierte Hans-Willem Vroon, der den niederländischen Schienengüterverkehr durch die Lobbyorganisation RailGood vertritt. „Diese finanzielle Unterstützung stellt keine weiteren Bedingungen für das Subventionssystem. Dies steht im Einklang mit der deutschen Förderregelung für Gleiszugangsentgelte. RailGood ist mit diesem wichtigen Schritt bei der Anpassung der Benutzungsgebühren an die deutschen Gebühren in diesem Jahr zufrieden.“

Ziel des Programms ist es, das Schienengüterverkehrsvolumen in den Niederlanden von 42 Millionen Tonnen im Jahr 2016 auf 54 bis 61 Millionen Tonnen im Jahr 2030 zu erhöhen. Dies wird als wichtiger Beitrag zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene angesehen, ein Ziel, das auf europäischer Ebene verfolgt wird. Mit geringeren Gleiszugangsentgelten kann die Schiene besser mit dem Straßentransport konkurrieren.
Niederlands Bahngleise sind durch effektive Fahrplangestaltung und Konzentrierung auf relativ wenige Hauptstrecken schon ziemlich stark mit Güterverkehr ausgelastet (siehe das Länderportrait in bahn manager Nr. 3/2029). Um den Verkehr weiter zu steigern, werden auch exotisch anmutende Lösungen erprobt. So wurde jetzt eine neue U-Bahn-Eisenbahnstrecke für die gleichzeitige Nutzung durch Güterzüge getestet. Die Hoekse Lijn zwischen Schiedam Centrum und Hoek van Holland ist derzeit die einzige Eisenbahnstrecke in den Niederlanden, auf der U-Bahnen und Güterzüge auf derselben Strecke verkehren. Der erste Test wurde mit einem Güterzug aus 16 Waggons durchgeführt.

„Trotz der Hitze verliefen die Tests gut. Wir haben geprüft, wie sich der Güterzug während des Betriebs von U-Bahnen verhält. Zum Beispiel, um zu sehen, was passiert, wenn der Zug zu spät vom Abstellgleis abfährt. Das Rangieren in Vulcaanhaven wurde ebenfalls getestet“, erklärte Kommunikationsberater Joan van der Veen von der Stadt Rotterdam. Bis zum 13. Juli 2019 wurden, so van der Veen, “alle möglichen Szenarien” getestet: „Der Güterzug wechselt in Schiedam vom ProRail-Güterzug zum RET-U-Bahn-Gleis. In Schiedam gibt es ein Abstellgleis, an dem der Güterzug halten kann. Sobald die RET-Zugsicherungslinie grünes Licht gibt, hat der Güterzug eine freie Spur in Richtung Vulcaanhaven. Der Güterzug nutzt eine kurvenreiche Strecke am Bahnhof Nieuwland und am Ostbahnhof Vlaardingen.“ Vulcaanhaven ist ein Seehafen im Osten von Vlaardingen am Ufer der Nieuwe Maas.

Die Hoekse Lijn verbindet Rotterdam mit dem Hoek van Holland-Strand. Es ersetzt die bisherige Bahnlinie durch eine U-Bahnlinie und nutzt die vorhandene Infrastruktur so weit wie möglich. Die Verbindung bleibt dadurch für den Güterverkehr verfügbar. Die Hoekse Lijn startet am Schiedam Center und führt dann über die bestehenden Stationen Schiedam Nieuwland, Vlaardingen Ost, Vlaardingen Center, Vlaardingen West, Maassluis nach Maassluis West. In der letztgenannten Stadt wurde eine neue Station gebaut: Steendijkpolder. Die U-Bahn-Linie soll nach den Sommerferien in Betrieb gehen.

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