NORDFRIESLAND: MIT GRÜNER WINDKRAFTENERGIE ZUM ÖKO-RECHENZENTRUM

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Auf der Konferenz Future Energies des Tagesspiegel in Kiel Ende 2019 sprach bahn manager mit dem Gründer der Windcloud Braderup GmbH (Cloudnautic) und Project Lead der NORTH-TEC Gruppe Karl Rabe über Ökostrom für „grüne“ Datenverarbeitung in Rechenzentren.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Es erscheint erstaunlich. Mit der Digitalisierung steigt der Bedarf an Rechenleistung zur Datenverarbeitung und somit der Energiebedarf. Doch explizit „grüne“ Rechenzentren sind noch Mangelware. Diese Lücke will das Unternehmen Cloudnautic füllen. „Wir haben ein gewaltiges Potenzial erneuerbarer Energie an der Westküste Schleswig-Holsteins, die auch deutlich über dem Landesdurchschnitt verfügbar ist“, erläutert Projektleiter Karl Rabe. „Der Vorwurf an die Windenergie ist ja häufig, dass sie nicht ständig produziert wird. 90 Prozent des Jahres haben wir Windstrom an der Westküste, was eine deutlich höhere Verfügbarkeit ist als zum Beispiel in Brandenburg. Daher sind wir davon überzeugt, dass man mit dieser Windenergie sehr gut Rechenzentren versorgen kann. Die Lücke von zehn Prozent können wir ohne weiteres dort aus dem Netz eingeben. Mit einem Hebel von 90 Prozent zu 10 Prozent kommt da sowohl ein sehr grünes Produkt als auch ein sehr kostengünstiges Produkt heraus.“

Doch der Weg zum Ziel war mühselig. Vier Jahre lang brauchte es, bis das Projekt an das „hoch reglementierte System“ der Energieerzeugung und Distribution in Deutschland angepasst war. Rabe: „Wir haben jetzt bereits die dritte Iteration des Rechenzentrumsbetriebs oder der Rechenzentrums-Firma. In der ersten Iteration dachten wir relativ einfach: Da ist eine Windmühle, wir nehmen ein Kabel, wir stecken es rein. Da kamen relativ schnell Probleme rechtlicher Natur, so dass wir diese Energie gar nicht nutzen konnten in der einen oder anderen Form. Nun ist es aber endlich so weit, dass wir den Grünstrom günstiger als den aus dem Netz nutzen können, weil wir einfach auf das Netz größtenteils verzichten können.“

Der große „Schritt nach vorne“ war das komplexe Verständnis von Energieerzeugung und Verbrauch. Karl Rabe: „Der Knackpunkt, der das möglich macht, liegt darin, dass es Verbrauch, Erzeugung und auch das eigene Netz in eins sein muss. Das Netz muss sozusagen selbst auch in dieser Kette mit drin sein. Da sind wir die Allerersten, die sich damit beschäftigt haben in dem Windpark als Erzeuger. Wir wollen den Verbrauch stellen von Cloudnautic aus, der Windpark übernimmt auch den Netzbetrieb mit, und dadurch wird dann auf einmal eine Produktion für uns möglich und dadurch zum ersten Mal auch zu Konditionen, die interessant werden.“

Nordfriesland ist aus zweierlei Gründen interessant: Zum einen drehen sich die Öko-Windräder praktisch pausenlos, zum anderen ist die ländliche Region technologisch gut erschlossen. Karl Rabe: „Ein großer Vorteil, ein wichtiger Baustein für ein Rechenzentrum ist der Glasfaseranschluss. An der Westküste in Nordfriesland gibt es komplett Glasfaser. Jeder Landwirt, jeder Hof, sei er noch so fern, hat einen Glasfaseranschluss. Und auch die großen transeuropäischen Hochleistungsleitungen nach Dänemark sind dort vorhanden. Dadurch kann ich relativ einfach große Bandbreiten dort hinbekommen. Das heißt, ich kann Daten bewegen, ich kann sie auch wegbewegen. Grundsätzlich sind wir nicht für alle Daten interessant, und wir können auch nicht alle Daten verarbeiten. Aber für ganz viele Daten ist es wichtig, eine Redundanz zu haben, auch eine geografische Redundanz. Und wir machen eine komplett neue geografische Region auf, um Daten zu speichern. Normalerweise sind Daten und Rechenzentren in Metropolen, die in irgendeiner Form immer auch ein Hochrisiko darstellen durch Feuer oder Überschwemmung beispielsweise. Wir kommen in eine Region, die relativ gemächlich, bedächtig ist, wenig besiedelt, also wenig Risiko, wenig Leute, und so Daten sehr sicher speichern kann.“

Das gesamte Gespräch findet sich in der aktuellen Ausgabe 2/2020 des bahn managers. Als Video ist es anzuschauen auf der Bewegtbildplattform des bahn managers unter dem LINK.

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