“Nur eine schonungslose und ehrliche Sanierung der deutschen Eisenbahn-Infrastruktur wird die aktuellen Probleme der DB lösen”

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Zur aktuellen Debatte um die Höhe von Fahrpreisen bei der DB und die geplante Nachfolgevereinbarung zur Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV/LuFV 3) für die Sanierung der deutschen Schienen-Infrastruktur sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Christian Jung (Karlsruhe-Land), Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion für den Bundesverkehrswegeplan, in Karlsruhe (5. August 2019):

“Es klingt immer schön, wenn günstigere Fahrpreise und Steuersenkungen für Tickets wie gerade bei der Deutschen Bahn gefordert werden. Mit mehr transportierten Menschen werden wir aber nicht die aktuellen Logistik- und Kapazitätsprobleme der Bahn lösen und die marode Schienen-Infrastruktur in Deutschland sanieren. Nach einer umfassenden Analyse der Halbjahreszahlen der Deutschen Bahn und der geplanten Nachfolgevereinbarung zur Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV/LuFV III) zwischen der Bundesregierung und der Deutschen Bahn muss ich festhalten: Nur eine schonungslose und ehrliche Sanierung der deutschen Eisenbahn-Infrastruktur wird die aktuellen Probleme in den kommenden Jahren beheben.

Dazu gehört vor allem, dass der aktuelle Bahnvorstand aufhören muss, mit dem massiven Einsatz von PR-Mitteln seine nicht komplett durchdachten Zukunftspapiere wie beim Papier “Starke Bahn” zu frisieren und die eigene Ratlosigkeit zu verschleiern. Denn die Netto-Finanzschulden der Deutschen Bahn betrugen per 30. Juni 2019 schon 25,4 Milliarden Euro. Trotz der Fahrgastzuwächse sanken das Ergebnis und die Kapitalrendite sehr deutlich, so dass auch der freie Geldstrom (Free Cash Flow) mit minus 633 Millionen Euro offenbart, wie angespannt die Lage der Deutschen Bahn wirklich ist.

Deshalb ist es für mich ein absolutes Rätsel, wie die Deutsche Bahn von den geplanten 86,2 Milliarden Euro für die Schienen-Infrastruktur (LuFV III) bis zum Jahr 2029 den Eigenbetrag von 24,2 Milliarden Euro auch bei den schon jetzt bestehenden Schulden und weiteren Finanzrisiken beisteuern will. Dabei wird oft vergessen, dass trotz der durchaus respektablen Höhe der geplanten Ausgaben der Zustand der deutschen Schienen-Infrastruktur in zehn Jahren schlechter sein wird als heute. Infolgedessen müssen wir nun zuerst über eine bessere Infrastruktur mit vielen Details wie funktionierenden Ausweichstrecken (Redundanzen), Weichen, Bahnkurven, Überholgleisen, Gleisanschlüssen, Container-Hubs für Güterzüge und einer durchdachten und neuen Signal- und Sicherheitstechnik sprechen. Sonst wird zum Beispiel die Einführung des sinnvollen und zu unterstützenden Deutschland-Takts ein frommer Wunsch sein.” (red/Christian Jung)

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