Offener Rastatt-Brief: Verbände warnen vor Kollaps der Schiene

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Knapp zwei Monate ist die Rheintalbahn wegen des Baustellenunfalls in Rastatt unterbrochen. Wenn die Strecke zum angekündigten Termin am 7. Oktober den Verkehr wieder aufnimmt, wird die Bahnlogistik immensen Schaden erlitten haben.”

Mit diesen Worten beginnt ein langer offener Brief, der seit kurzem in der Branche die Runde macht. Unterschrieben haben ihn 24 Branchenverbände aus Deutschland, der EU, Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und den Niederlanden – vom BUND über VPI, ERFA und UIRR bis zu auto-schweiz, dem Schweizer Verband der Automobil-Importeure. Adressiert ist der Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc.

Darin erläutern alle relevanten Schienengüterverkehrsverbände die gegenwärtige, verheerende Situation an der Rheintalbahn (aufgrund nicht ausreichender Umfahrungskapazitäten wandern die Güter verstärkt von der Schiene auf die Straße). Zudem beschreiben die möglichen dramatischen Folgen und analysieren die Hintergründe und Ursachen, wie es zu dieser Situation kommen konnte (nicht genügend Umleitungsstrecken, keine internationale Koordination von Baumassnahmen, nationale bahntechnische Besonderheiten und keine Struktur für ein internationales Krisenmanagement).

Um einen Blackout des Systems und einen dauernden Vertrauensverlust des Markts zu vermeiden, schlagen die Verbände folgende, kurzfristige Massnahmen vor:

  • Einsetzung einer Task Force auf Minister- beziehungsweise EU-Ebene unter Einbezug der Netzbetreiber.
  • Kollegiale Unterstützung der staatlichen Bahnunternehmen bei der kurzfristigen Verstärkung des Lokführerpools auf den Umleitungsstrecken via Brenner, Frankreich, Raum Stuttgart/Singen/Schaffhausen durch Freistellungen für den Güterverkehr – damit kann die Umfahrungskapazität von heute 25 Prozent auf 50 bis 60 Prozent erhöht werden.
  • Vereinfachte Betriebsverfahren auf den Umleitungsstrecken unter Einbezug der ERA EU Agency for Railways.
  • Prüfung von außerordentlichen, temporären Massnahmen zur Unterstützung der Güterverkehrsunternehmen, die durch das Rastatt-Desaster direkt betroffen sind und finanziell vor dem Aus stehen.
  • Einsetzen einer Sonderkommission zur zeitnahen Aufarbeitung dieser mit Abstand größten und folgenreichsten Vollsperre des Schienengüterverkehrs der letzten Jahrzehnte

Den vollständigen Brief gibt es hier als Download: https://tinyurl.com/y9utk9ht.

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