PESA BYDGOSZCZ: NEUER CHEF IST KRZYSZTOF ZDZIARSKI

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Personalkarussell bei Polens führendem Hersteller von Schienenfahrzeugen: Der Aufsichtsrat von Pojazdy Szynowe Pesa Bydgoszcz ernannte den derzeitigen Vizepräsidenten des Management Board for Operations Krzysztof Zdziarski zum Präsidenten des Vorstands.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Zdziarski folgt auf Krzysztof Sędzikowski, der den Vorstand seit der Übernahme der Firmenanteile durch den staatlichen Polnischen Entwicklungsfonds PFR vor einem Jahr führte. „Der Vorstand von Pesa hat eine Reihe von Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführt. Trotzdem befindet sich das Unternehmen immer noch in einer Situation, die intensive Korrekturmaßnahmen erfordert. Ich bin überzeugt, dass der neue Vorstand unter der Leitung von Krzysztof Zdziarski die nächste Phase der Unternehmensumstrukturierung erfolgreich abschließen wird. Ich glaube an das Potenzial von Pesa und ich vertraue darauf, dass das neue Management zusammen mit dem Eigentümer das Unternehmen in die Lage versetzen wird, weiter zu arbeiten und direkt voranzukommen. Im ersten Quartal 2020 wird das Unternehmen eine neue Strategie vorstellen“, erklärte Adam Bruliński, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Pesa.

Der neu gewählte Präsident von Pesa Krzysztof Zdziarski betonte: „Wir haben das erste Jahr seit der Gewinnung eines neuen Investors durch Pesa abgeschlossen, stehen aber vor neuen Herausforderungen. Sie beziehen sich sowohl auf die allgemein verstandene technologische Entwicklung als auch auf das Management. Die Aufgabe der kommenden Monate ist es, die Position von Pesa als größtem polnischen Schienenfahrzeughersteller zu stärken und 2020 ein positives Finanzergebnis zu erzielen.“

Zdziarski war im Juli 2019 als Vizepräsident in den Verwaltungsrat bei Pesa eingetreten. Er begann seine berufliche Laufbahn in Kanada und leitete die operativen Bereiche von Unternehmen wie Plastics Canada, Ipex und Can-USA EMI. In den Jahren 1999–2006 war er Geschäftsführer von UPS Polska. Krzysztof Zdziarski ist ein Manager mit Erfahrung im Wiederaufbau und in der Entwicklung von Entwicklungsstrategien für mittlere und große Unternehmen. In den von ihm geleiteten Werken war er nicht nur für die Planung von Änderungen oder den Aufbau von Organisationsstrukturen verantwortlich, sondern auch für die langfristige Umsetzung dieser Pläne und die operative Steuerung ihrer Umsetzung. Zuletzt war er Präsident der auf dem tschechischen Markt tätigen Firma Unipetrol.

Robert Tafiłowski wurde zum Vorstandsmitglied für Finanzangelegenheiten ernannt. Er ist Manager mit langjähriger Erfahrung in der Führung von Unternehmen, Finanzen und Controlling. Er war Mitglied der Geschäftsleitung für Finanzen, Leiter Finanzen und Controlling sowie Geschäftsführer von Unternehmen und Kapitalgruppen der Private Equity Investment Funds und des Staatsschatzamts, hat umfangreiche Erfahrung in der Verwaltung der Finanzen von produzierenden Unternehmen. Im Oktober letzten Jahres wurde Jacek Konop, Konstrukteur und Konstrukteur von Schienenfahrzeugen, Mitglied der Geschäftsleitung für Forschung und Entwicklung, der zuvor 13 Jahre lang für Pesa tätig war. Konop verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Konstruktion und im Bau von Schienenfahrzeugen sowie im Management von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Er arbeitete in den Jahren 2002–2015 bei Pesa als Technologe, Forschungs- und Betriebsspezialist und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. In den letzten Jahren war er Mitglied des internationalen Konzerns Emerson, wo er als Direktor der Design- und Entwicklungsabteilung Entwicklungsprojekte für neue Produkte und Produktionsverlagerungen betreute. Er ist Absolvent der UTP in Bydgoszcz. Er verteidigte seine Doktorarbeit an der Technischen Universität Warschau an der Fakultät für Kraftfahrzeuge und Arbeitsmaschinen.

Die Entwicklungen bei Pesa dürften auch bei den deutschen Pesa-Kunden DB Regio und Niederbarnimer Eisenbahn mit Interesse verfolgt werden. Polnische Beobachter weisen darauf hin, dass es nicht unüblich sei, bei einem in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen zunächst die gröbsten Aufräumarbeiten einer Person zu übertragen und die nächste Etappe der Restrukturierung dann einer anderen Person zu übertragen. Pesa war in Schieflage geraten, weil zu viele Aufträge angenommen worden waren, für die keine gesicherte Zwischenfinanzierung bestand und bei denen auch diverse technische Probleme auftauchten. So kam es zu teils erheblichen Lieferverzögerungen und Mängelklagen von Kunden, die teilweise von Verträgen zurücktraten oder Vertragsstrafen geltend machten.

Ganz offensichtlich war das Verfahren aus der Pesa-Gründerzeit, um jeden Preis möglichst viele Kontrakte einzufahren und sich erst danach über deren Abarbeitung und Finanzierung klar zu werden, nicht mehr haltbar. Heute verlangen auch polnische Besteller Fahrzeuge mit behördlicher Zulassung in einem klar definierten Liefertermin, erwarten sofortige volle Einsatzfähigkeit und Zuverlässigkeit der Lieferung und oftmals die ständige weitere Betreuung durch den Hersteller. In einer polnischen Internet-Debatte forderte ein Beobachter mit dem Nicknamen Radek: Pesa habe das nötige Potential, kennt den Markt, hat die nötigen Produktionsmöglichkeiten. Jetzt solle die Firma eine tragfähige Aftersales-Politik ausarbeiten, zu der auch die Verwaltung der Unterhaltungsarbeiten und des Einsatzes bei den Kunden gehöre. Dazu sei deutlich mehr nötig als nur die Entsendung von Interventions-Personal für das Abstellen von Mängeln innerhalb des Garantiezeitraums. Wahrscheinlich müsse zusätzliches Personal eingestellt werden – doch die dann zufriedenen Kunden seien sicher eher bereit, später erneut Bestellungen aufzugeben.

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