PKP CARGO: BIMODAL UND AUTONOM

in Bahnmarkt Europa von

Der Trend der diesjährigen Bahnleitmesse Innotrans in Berlin, bimodale Schienenfahrzeuge anzubieten, schwappt auch nach Polen über. Am zweiten Messetag unterzeichneten PKP CARGO sowie der Hersteller PESA Bydgoszcz einen Vertrag über die Lieferung von Elektro-Rangierlokomotiven mit zusätzlichem Dieselaggregat – und dazu noch mit autonomer Fahrfunktion.

Von Hermann Schmidtendorf, bahn manager

“Wir haben zu viele Streckenlokomotiven und zu wenige leistungsstarke Rangierloks, die zugleich auch Zubringerdienste auf dem Streckennetz leisten können”, erklärte PKP Cargo-Präsident Czesław Warsewicz gegenüber bahn manager. “Eine Hybridlok könnte mit Dieselantrieb rangieren und ansonsten durch den Fahrdraht gespeist werden. Gleichzeitig wollen wir mit PESA eine Lokomotive der neuen Generation entwickeln, die durch die Funktion des autonomen Fahrens zunächst die Rangierarbeiten effektiver gestaltet.” Große Entwicklungsmöglichkeiten sieht der Vorsitzende des zweitgrößten europäischen Güterverkehrs-Bahnunternehmens im Bahngüterverkehr entlang der Neuen Seidenstraße sowie im Nord-Süd-Korridor. “In China kennt man vor allem zwei polnische Städte: Warschau und Małaszewicze”, formulierte Warsewicz in Anspielung auf das intermodale Umladeterminal der PKP Cargo an der Grenze zu Weißrussland.

Moderne Lokomotiven und Triebzüge erfordern erhebliche Investitionen, die Anbietern von Finanzierungslösungen ein weites Feld bieten. Der Schweizer Hersteller Stadler stellte seine neue Lokomotiventwicklung “Eurodual” vor – und gründete gleich dazu die passende Leasinggesellschaft. Das renommierte Leasingunternehmen Alphatrains erweitert seine Aktivitäten in Frankreich. “Mit der Realisierung der Bestimmungen des 4. Eisenbahnpakets der Europäischen Union öffnet sich der Personenverkehr für neue Player”, betonte der Direktor der neuen Frankreich-Repräsentanz Vincent Pouyet gegenüber bahn manager. “Besteller von Neufahrzeugen werden neben der Staatsbahn SNCF vor allem die französischen Regionen. Deren Bedürfnissen wollen wir entgegenkommen. Deshalb gründeten wir zusätzlich zum Leasing-Geschäft im Bahngüterbereich eine eigene Alphatrains-Leasinggesellschaft für den Personenverkehr.”

Überraschend benahm sich gegenüber unserer Redaktion ein Messeaussteller. Er untersagte, sein prominent ausgestelltes Messeexponat zu fotografieren. Unser Kommentar: Wer ein Messeexponat für “geheim” erklärt, sollte entweder das Exponat zu Hause lassen oder selber der Messe fern bleiben. Übrigens, beim chinesischen Online-Händler Alibaba gibt es diskrete Miniatur-Videokameras schon ab 6,39 $… Seltsam benahm sich auch die S-Bahn Berlin. Das Elektronikunternehmen ABB lud Messejournalisten in das S-Bahn-Werk Grünau ein, um seine interessante Neuentwicklung zur Modernisierung der derzeit eingesetzten S-Bahn-Züge zu zeigen. Unser Antrag, dabei filmen zu dürfen, wurde durch die Pressestelle der Deutschen Bahn nicht beantwortet. Stattdessen informierte uns die ABB-Medienagentur, die DB habe jegliche Filmaufnahmen verboten, selbst Interviewaufnahmen vor dem Hintergrund eines modernisierten Zugs. Werden im S-Bahn-Werk Grünau etwa geheime Militäranlagen errichtet?

Gar nicht pressescheu gaben sich hingegen vier Frauen, die den neu ausgerufenen “Innovationspreis Mobilitätsgestalterin” der Allianz pro Schiene gewannen. Bislang sind nur etwa 20 Prozent aller Beschäftigten in der Bahnbranche Frauen. Nicole Michel (Bombardier), Sylvia Lier (DB), Jane Grabowski (Siemens) und Simone Bauer (Spitzke) zeigten mit ihren Erfindungen u.a. zum Energiesparen bei Lokomotiven und zum Arbeitsschutz bei Schweißarbeiten, welches Potential in der weiblichen Bahnwelt schlummert. Glückwunsch!

Bild: Hermann Schmidtendorf (bahn manager) im Gespräch mit PKP-CARGO CEO Czeslaw-Warsewicz.

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