Polen treibt Konsolidierung der PKP-Gruppe voran

in Bahnmarkt Europa von

Die polnischen Eisenbahnen PKP treiben ihre Konsolidierung voran. Diesem Ziel dient die Gründung der Firma PKP Telkol sowie der Rückkauf des Infrastruktur-Dienstleistungsunternehmens PNI.

Von Hermann Schmidtendorf, Berlin/Europa

Die heutige Aktiengesellschaft PKP SA (einziger Aktionär ist der Staat) wurde 2001 gegründet, als die vorherige Staatsbahn in 24 Gesellschaften aufgeteilt wurde. 2013 wurde das Güterverkehrsunternehmen PKP Cargo durch Verkauf von 49,9 Prozent der Aktien per Börsengang teilprivatisiert. Das Infrastrukturunternehmen PKP PLK (Polnische Bahnlinien) liegt zu 64,02 Prozent beim polnischen Finanzministerium und zu 35,98 Prozent bei der PKP SA.

Die Aufsplitterung der Bahnaktivitäten in Einzelfirmen war häufiger Anlass zu Kritik. Es wurden viele Direktoren-Posten geschaffen bei ungenügender Effektivität der Einzelfirmen. 2010 verlief der Winterfahrplan-Wechsel mehrere Tage lang chaotisch. Im “Eurobarometer” der Europäischen Kommission bewerteten 2012 nur 29 Prozent der Polen das Bahnwesen in ihrem Land positiv bei einem EU-Durchschnitt vom 46 Prozent. Seither bemühen sich die Verantwortlichen deutlich um Verbesserung. Positiv wirken sich erhebliche Investitions-Fördermittel der EU für Trassenmodernisierung und Fahrzeuge aus. Neueste Förderentscheidung ist die Anfang April des Jahres unterzeichnete Zusage von 95,8 Millionen Euro für die Modernisierung von 183 Reisezugwagen und 20 Lokomotiven.

Der Vorstandsvorsitzende von PKP SA Krzysztof Mamiński strebt die stringente Ausgestaltung seines Dachunternehmens zu einer PKP-Holding an. “Ein möglicher Zeitpunkt zur Tätigkeitsaufnahme der Holding ist Januar 2019”, erklärte Mamiński am 13. April. Die Tochtergesellschaften sollen rechtlich unabhängige Gesellschaften bleiben, jedoch durch einen “Korporationsvertrag” mit der Holding verbunden werden. Gemeinsame Ziele könnten laut Mamiński unter anderem “Einkäufe, eine gemeinsame Informations- und Finanzpolitik sowie gemeinsames Marketing” sein.

Im Sinne dieser Konsolidierung wurde die Tochter PKP Telkol Anfang 2018 auf Basis der fusionierten Gesellschaften PKP Utrzymanie (Unterhaltungsarbeiten) und PKP Budownictwo (Bauwesen) gegründet. Die neue Gesellschaft soll Aktivitäten der ehemaligen Firma Bahn-Telekommunikation ausführen sowie Bahnhöfe verwalten. Das von der PKP PLK zurückgekaufte Infrastrukturunternehmen Przedsiębiorstwo Napraw Infrastruktury PNI war 2011 an den Baukonzern Budimex veräußert worden, geriet aber in finanzielle Schwierigkeiten. Laut Budimex erhielt es keine Gleisbauaufträge seitens PKP PLK mehr. Der Konsolidierung dient auch die Aufnahme eines Bankkredits durch PKP SA in Höhe von 700 Millionen Zloty (170,7 Millionen Euro). Davon werden 250 Millionen Zloty für Investitionen und der Hauptteil zum Abtragen eines alten, teureren Kredits  verwendet.

Die PKP-Gruppe erzielte 2017 ein “Rekord-Ergebnis” – ein EBIT von etwa 122 Millionen Euro, erklärte Vorsitzender Krzysztof Mamiński zu Beginn dieses Jahres. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse von PKP Cargo und PKP PLK beträgt das EBIT sogar 171 Millionen Euro. Die Ergebnisse des Fernverkehrs-EVUs PKP Intercity für 2017 fielen mit 270 Millionen Zloty, etwa 85,9 Millionen Euro, ebenfalls ordentlich aus. Positiv wirkten sich erhöhte staatliche Transportsubventionen und die Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von 50 Millionen Euro von Alstom wegen Verzögerungen bei der Lieferung von Pendolino-Zügen aus.
Ende März dieses Jahres konnte sich Mamiński wieder auf den Vorsitz bei PKP SA konzentrieren. Ein halbes Jahr lang musste er zusätzlich PKP Cargo führen, weil sich dort die Wahl eines neuen Vorsitzenden verzögerte. Jetzt wurde Czesław Warsewicz neuer Chef von PKP Cargo, branchenbekannt bereits als Vorstandsvorsitzender von PKP Intercity zwischen 2006 und 2009. Herr Warsewicz war in letzter Zeit auch öffentlich als Mitglied des Programmrates der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS aufgetreten.

PKP Cargo erwartet diesjährig einen um 71,1 Prozent auf 160,8 Mio. Zloty, etwa 39 Millionen Euro, steigenden Nettogewinn. Die Umsätze sollen um 8,9 Prozent auf fast 4 Milliarden Zloty, etwa 975,6 Millionen Euro, und das EBIT um 34,9 Prozent auf etwa 50 Millionen Euro steigen. Die Gesellschaften der PKP-Gruppe beschäftigen insgesamt etwa 85.000 Mitarbeiter. Damit ist die PKP-Gruppe der zweitgrößte Arbeitgeber Polens.

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