RESERVEPROJEKTE

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“Das ist ein Tag der Schiene!” strahlte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Präsentation einer Liste von Bahn-Infrastrukturprojekten, die von der Reserveliste in die Kategorie “Vordringlicher Bedarf” des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wurden.

Staatssekretär Enak Ferlemann gegenüber bahn manager: “Jetzt kann DB Netz sofort mit den Planungen beginnen.”

Die Neuklassifizierung der Bahnprojekte war möglich, weil mit dem “Deutschlandtakt” jetzt ein Konzept vorliegt, welches den Bahnverkehr im Land ganzheitlich betrachtet. Infrastrukturprojekte, die der Realisierung der “Vertaktung” des Bahnverkehrs dienen, haben somit eine neue Bedeutung erhalten.

Die neu angenommenen Infrastrukturprojekte stellte im Namen von 5 beratenden Ingenieurbüros der Gutachter Michael Pohl vor. Von 47 untersuchten Reserveprojekten stiegen 29 Schienenprojekte in die höchste Prioritätenstufe des Bundesverkehrswegeplans auf. Es handelt sich um 22 Neu- und Ausbauvorhaben, 6 Ausbauvorhaben von Eisenbahnknoten sowie Maßnahmen für den Einsatz von 740 Meter langen Güterzügen. Zwei der Projekte betreffen den verbesserten Schienenübergang ins Ausland, nach Tschechien und in die Niederlande. Zwei Elektrifizierungsprojekte Richtung Polen sollen im Rahmen der Elektrifizierungspläne der Bundesregierung für den Schienenverkehr nochmals getrennt geprüft werden.

Geklärt werden muss teilweise noch die konkrete Aufteilung der Finanzierung zwischen Bund, Land und Kommunen. Denn um Projekte möglich zu machen, sollen sich bei Aufgaben in regionaler Kompetenz auch die örtlichen Aufgabenträger entsprechend beteiligen. Vorgesehen ist auch, wo möglich, die stärkere Nutzung des städtischen S-Bahn-Netzes für den Vollzug-Verkehr.

Die Projekte wurden immer dann als Vordringlicher Bedarf bewertet, wenn nach einem recht komplizierten Prüfverfahren ein Nutzen-Kosten-Verhältnis, der sogenannte NKV-Faktor, von größer als 1 nachgewiesen wurde. Dabei gingen verkehrsplanerische, ökologische und ökonomische Faktoren in die Bewertung ein. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung und Staatssekretär Enak Ferlemann unterstrich die besondere Bedeutung der Baumaßnahmen in verschiedenen Bahnknoten der Ballungszentren. Damit würden Engpässe beseitigt, die heute der Grund für viele Zugverspätungen sind.

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, zitierte gegenüber bahn manager einen Aphorismus aus Goethes “Faust”: “Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.” Naumann verwies auf das weiterhin unflexible Planungsrecht. Die Stichpunkte “Bahnknoten” und “Engpassauflösung” elektrisierten Minister Scheuer. Mitten im Vortrag des Gutachters sprang er federnd auf die Bühne und bat, die Landkarte mit den geplanten Bauvorhaben nochmals zu zeigen. “Diese Folie ist eine der wichtigsten”, so Scheuer, “weil sie eindrucksvoll zeigt, wie viele auch kleine, wichtige Maßnahmen es gibt, um Engpässe aufzulösen und die Kapazitäten im System Schiene zu erweitern.

Am Rande der Tagung berichtete Andreas Scheuer gegenüber bahn manager, dass die leidigen Funklöcher beim WLAN- und Mobilfunkempfang in deutschen Zügen jetzt beseitigt werden sollen:

“Jeder ist genervt, wenn Gespräche im Zug abbrechen. Deshalb bilden wir den Rahmen mit dem neuen Netz 5 G. Wir bereiten jetzt die Auktion vor, dann wird hoffentlich schnell alles besser.”

Es werde sogar eine eigene “Funkloch-App” angeboten, über die Bahnreisende ihre Negativ-Erfahrungen direkt melden können. In der Pflicht sei auch die Mobilfunkindustrie, diese solle sich angemessen an den Kosten für besseren Empfang ihrer Signale in Zügen beteiligen.

Ein Minister, der sich derart heftig für sein Thema ins Zeug legt – ein gutes Omen für die Zukunft der großen Pläne.

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