RHÄTISCHE BAHN / STADLER: MIT DEM “STEINBOCK” IM HALBSTUNDENTAKT

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Halbstundentakt auf einspurigen Strecken durchführen mit einem Zug, der unterwegs in zwei Teile gesplittet und auf dem Rückweg wieder zusammengekoppelt werden muss? Ab sofort ist das für die Rhätische Bahn dank StadlerRail kein Problem.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

“Wir investieren weiter!” hatte Marketing-Manager Dieter Dubkowitsch von der Rhätischen Bahn (RhB) jüngst im bahn manager- Interview versprochen. Das Interview ist in der aktuellen Ausgabe 2/2019 nachzulesen und in der kompletten Form auf unserer Video-Plattform zu finden,

VIDEO: https://youtu.be/E9ZZ2rq4tJ4

Tatsächlich – am 15. April 2019 stellte die Rhätische Bahn in Altenrhein das erste Exemplar ihrer jüngsten Neuanschaffung vor, den «Capricorn», Rätoromanisch für Steinbock. Insgesamt wurden 36 dieser vierteiligen Züge bei StadlerRail für den grössten Kanton der Schweiz bestellt und sollen ab Spätherbst 2019 auf der Strecke Landquart–Davos–Filisur verkehren. Die Bestellung für die elektrischen Niederflurtriebzüge in Meterspur fand Ende Juni 2016 statt.

Dr. Renato Fasciati, Direktor der RhB, sprach von einem “Meilenstein”: “Mit der sukzessiven Inbetriebnahme der neuen Züge werden wir auf dem ganzen Stammnetz modernes, behindertengerechtes Rollmaterial unterwegs haben. Zweitens ist es mit einem Auftragswert von 361 Millionen Schweizer Franken das grösste Beschaffungsprojekt in unserer Geschichte. Die neuen Züge bedeuten einen markanten Produktivitätssprung für den Bahnverkehr in Graubünden.”

Thomas Ahlburg, Group CEO von Stadler, ergänzte: “Das ganze Stadler-Team freut sich immer sehr, wenn wir als Schweizer Hersteller einen Zug für die Schweizer Schienen bauen dürfen. Bereits seit 1963 dürfen wir sowohl Züge, als auch Lokomotiven und Wagen für die RhB bauen. Das über die Jahre stetig aufgebaute Vertrauen und gegenseitige Kennen hat massgeblich dazu beigetragen, dass der Zug so schnell entwickelt und gebaut wurde.”

Voraussichtlich 2021 wird mit dem Flügelzugbetrieb Landquart–Klosters–Davos/St. Moritz begonnen. Die Züge kommen auch in der Surselva und im Unterschnitt zum Einsatz. Mit “Flügeln” ist das Unterwegs-Trennen eines Triebzugs in zwei Teile gemeint, welche dann in verschiedene Richtungen weiterfahren und beim Rückweg wieder vereint werden. Damit diese Prozedur zügig verläuft, haben die “Steinböcke” als Neuigkeit automatische Kupplungen.

Die vierteiligen Züge verfügen über 164 komfortable Sitzplätze, davon 35 in der 1. Klasse. Den Reisenden stehen in allen Abteilen Steckdosen zur Verfügung. Das moderne Fahrgastinformationssystem hält die Fahrgäste über ihre Reise auf dem Laufenden. Speziell ist dabei die Übertragung des Ausblicks aus der Frontkamera im Führerstand. Dass sich, wie in den meisten RhB-Zügen, auch beim neuen «Capricorn» in allen Abteilen Fenster öffnen lassen, wird das Fahrerlebnis durch Graubünden zusätzlich erhöhen. Dank den grossen Multifunktionsabteilen bieten die «Capricorns» auch ausreichend Platz für Fahrräder, Skier und andere Sportgeräte sowie für Kinderwagen und Gepäck.

Die Züge fahren mit einer Betriebsgeschwindigkeit von maximal 120 Stundenkilometern und sind auch auf Personen mit eingeschränkter Mobilität ausgerichtet. Drei der vier Wagen verfügen über einen Niederflureinstieg. Zudem ist der Zug mit einer behindertengerechten Toilette, Rollstuhlplätzen und taktilen Beschriftungen für Sehbehinderte ausgerüstet. Eine Brandbekämpfungsanlage sorgt für ein sicheres Reisen.

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