RHEINTALBAHN: NOCH LÄNGERE UNTERSUCHUNGEN ZUR URSACHE DES TÖDLICHEN BAHNUNFALLS

in Politik & Recht von

Am Donnerstag, 2. April 2020, war in Höhe des Ortes Auggen auf der Rheintalbahn ein 100 Tonnen schweres Brückenteil auf einen Schweizer Güterzug gefallen, der Lokführer verstarb, die Polizei rechnet mit langwierigen Ermittlungen.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Am Donnerstag nach dem Unfall war der Personenverkehr wieder angelaufen, der Güterverkehr bereits am Abend davor. Die Polizei teilte mit, dass sie die Spurensuche am Unfallort beendet habe. Jetzt würden eine neu gebildete Ermittlungseinheit und hinzugezogene Gutachter die Ergebnisse auswerten. Auf Grund der Schwere des Unglücks werde das Zeit in Anspruch nehmen. Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes hatten
den Unfallort im baden-württembergischen Auggen unter anderem mit 3D-Technik untersucht.

Die Wucht des Aufpralls des herunterfallenden Brückenteils auf den Zug war so groß, dass dieser zum Teil entgleiste und die Lok zerstört wurde. Dabei kam der Lokführer uns Leben, drei der zehn im Personenwagen hinter der Lok sitzenden Lastwagenfahrer wurden verletzt. Es handelte sich um einen Zug der Rollenden Autobahn RAlpin. Der betroffene Güterzug fuhr von Freiburg im Breisgau in Richtung Basel mit Ziel Novara/Italien. Gezogen wurde der Zug von einer Lokomotive der BLS Cargo, verantwortlich für den Bahnverkehr bis Basel sowie auf italienischen Streckenabschnitten ist allerdings absprachegemäß SBB Cargo International.

Durch die Wucht des Aufpralls wurden auch über 250 Meter Gleise zerstört. Diese wurden komplett ausgetauscht. Erneuert werden mussten 1.500 Tonnen Schotter und 680 neue Schwellen sowie auf rund 500 Metern Strecke die Oberleitungen sowie die Licht- und Sicherungstechnik. Dabei waren mehr als 380 Einsatzkräfte und Baufachleute rund um die Uhr im Einsatz.

Meldungen berichteten, die auf den Zug gefallene Brücke hätte am Unfall-Wochenende im Rahmen der Streckenmodernisierung sowieso abgerissen werden sollen. Deshalb fordert der Bundesvorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, schnellstmögliche Klarheit über die Unfallursache, um mögliche Fehlerquellen im Baugeschehen dauerhaft beseitigen zu können. „Vergleichbare Fälle dürfen nie wieder vorkommen“, so Weselsky. Ansonsten würden sie die innere Sicherheit des Eisenbahnsystems durch äußere Einflüsse in Frage stellen. „Angesichts des tragischen Unfalls stellen sich Fragen, die dringend geklärt werden müssen“, erklärte Weselsky: „Wie und von wem wird eine Baustelle betrieben, bei der sich Teile lösen oder auf Betriebsgleise herunterfallen können? Wo ist die Sicherung des Eisenbahnbetriebes unter dem rollenden Rad, wenn so etwas passieren kann? Wenn herabfallende Teile im Bereich des Möglichen sind, warum wurde dann die Strecke nicht gesperrt?“

Die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel ist eine der meistbefahrenen Bahnstrecken und eine der wichtigsten Güterzuglinien Europas. Sie verbindet Deutschland mit der Schweiz und Italien. 2017 war sie bereits sieben Wochen lang gesperrt gewesen, weil am 12. August 2017 unter der Rheintalstrecke beim Rastatter Stadtteil Niederbühl eine in Bau befindliche Tunnelröhre eingebrochen war. Die damalige massive Störung des
internationalen Güterbahnverkehrs auf der Nord-Süd-Route hatte dazu geführt, dass mehrere betroffene europäische Bahnunternehmen ein Handbuch für Streckenumleitungen im Störungsfall erarbeiteten. Diese Festlegungen halfen jetzt, umgehend Güterzüge über Singen–Schaffhausen umzuleiten. Das besonders betroffene Unternehmen Hupac beklagte jedoch, dass die so geschaffene Umleitung bei weitem nicht den Trassenbedarf abdeckte. Zunächst angedachte Umleitungen über Frankreich wurden nicht realisiert, da dies angesichts der derzeitigen Corona-Begrenzungen für eine so kurze Zeit zu aufwändig gewesen wäre. Die jetzt gemachten Erfahrungen sollen in eine Aktualisierung des Notfall-Handbuchs einfließen.

zur Startseite
nach oben gehen