SBB UND SNCF: AB WINTERFAHRPLAN MIT DEM LÉMAN-EXPRESS ÜBER DIE GRENZE

in Bahnmarkt Europa von

Zum 15. Dezember startet mit 17 Alstom Coradia Polyvalent-Regionalzügen und 23 Flirt-Zügen von Stadler Rail der Léman Express den Verkehr auf Europas größtem grenzüberschreitenden Regionalexpress-Netz.

von Hermann Schmidtendorf, bahn manager Magazin

Der Zug ist nach dem Lac Léman benannt, und der heißt auf Deutsch – Genfer See. Kernstück des Verkehrs ist die sogenannte CEVA-Strecke Genève Cornavin – Eaux-Vives – Annemasse mit einer Länge von 230 Kilometern und 45 Haltestellen. Die Strecke wurde nach achtjährigen Bauarbeiten fertiggestellt und soll täglich durch über 240 Züge befahren werden. Für die Bahnverbindung zwischen der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes (Départements Haute-Savoie und Ain) und den Schweizer Kantone Waadt und Genf sind die Züge mit der von Alstom gelieferten Bordsignallösung Atlas ETCS Baseline 3 ausgestattet. Sie können unter den Netzspannungen beider Länder betrieben werden.

Für den Großraum Genf beginnt verkehrlich eine komplett neue Zeit: Rund 50 städtische und regionale Bus- und Tramlinien werden an die Bahnhöfe der Léman-S-Bahn angebunden. Im Kanton Genf werden über 80 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner und rund 86 Prozent der Arbeitsplätze weniger als eineinhalb Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt sein. Die Genfer Regierung erwartet deshalb in Zukunft einen Rückgang des Autoverkehrs um 12 bis 14 Prozent.

Um den Fahrgastwechsel zu verbessern und die Haltezeiten an Bahnhöfen zu reduzieren, sind die Coradia Polyvalent Léman Express-Züge vollniederflurig ausgeführt und weisen auf jeder Seite sieben Türen zur Erleichterung des Fahrgastflusses auf – alle mit Brückenplatten und großem Einstiegsbereich am Bahnsteig. Der Coradia Polyvalent entspricht dem PRM TSI-Standard für barrierefreie Nutzung. Der Innenraum bietet mehr Komfort dank der mit persönlichen Leselampen und Steckdosen ausgestatteten Sitze und mehr Platz für Fahrräder und Gepäck. Große Fenster und reduzierte Geräuschpegel verbessern die Qualität des Reisens. Auch die Stadler-Züge zeichnen sich durch hohen Komfort aus.

Beide Länder finanzierten jeweils die Anschaffung der in ihrem Land gebauten Fahrzeuge. Für den Betrieb des Léman Express haben SBB und SNCF die gemeinsame Tochtergesellschaft Lémanis gegründet. Sie ist Hauptansprechpartnerin für die Besteller des Léman Express und ist mit Koordination, Contracting, Angebotsplanung, Marketing und Kommunikation des Léman Express betraut, gewährleistet die Qualität bei Betrieb, Produktion und Kundeninformation.

„Das ist ein Aushängeschild für die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern Frankreich und Schweiz!“

unterstrich im Gespräch mit dem bahn manager Rachel Picard, Generaldirektorin Voyages (Personenverkehr) der SNCF. „Ein Vorbild für flüssiges, schnelles, effizientes Reisen zwischen unseren Ländern.“

Die Fertigung der Coradia Polyvalent-Züge sichert Alstom und seinen Lieferanten mehr als 4000 Arbeitsplätze in Frankreich. Sechs der 13 Alstom-Standorte in Frankreich sind an dem Projekt beteiligt: Reichshoffen für die Konstruktion und Montage, Ornans für die Motoren, Le Creusot für die Drehgestelle, Tarbes für die Antriebsketten, Villeurbanne für die Bordelektronik und Signalausrüstung und Saint-Ouen für das Design und das ETCS Baseline 3-System. Auch die Stadler-Werke sind über die Bestellung ihrer Züge verständlicherweise hocherfreut.

Das Fahrplanangebot finanzieren Besteller des regionalen Verkehrs beider Länder: der Schweizer Bund, die Kantone Genf und Waadt sowie die Region Auvergne-Rhône-Alpes. Auch die Kosten der Infrastruktur wurden durch beide Länder gestemmt, wobei Frankreich Unterstützung durch die Europäische Union erhielt. In den Bahnhöfen des Léman Express werden zur Feier des Verkehrsbeginns am 14. und 15. Dezember Volksfeste veranstaltet.

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